Wahlkreis Erlangen

Im Porträt: der AfD-Kandidat Paul Podolay

Paul Podolay ist Kandidat der AfD für den Wahlkreis Erlangen. Aus seiner Heimat Slowakei ist er vor Jahrzehnten nach Deutschland gekommen.
Artikel drucken Artikel einbetten
AfD-Kandidat Paul Podolay ist noch nicht ganz so oft durch den Erlanger Schlossgarten spaziert. Denn er lebt in München. Foto: Christian Bauriedel
AfD-Kandidat Paul Podolay ist noch nicht ganz so oft durch den Erlanger Schlossgarten spaziert. Denn er lebt in München. Foto: Christian Bauriedel
Rund zwei Stunden, so lange braucht Paul Podolay mit dem Auto, wenn er seinen Wahlkreis besuchen will. Denn der AfD-Kandidat, der in Erlangen und Erlangen-Höchstadt am 24. September um die Gunst der Wähler bittet, wohnt gut 200 Kilometer entfernt. In München.

Der Kreisverband Erlangen habe ihn gefragt. Er habe zugesagt, nachdem der lokale Kandidat Robert Aust, Zweiter Vorsitzender im Kreis, seine Kandidatur zurückgezogen hatte.

Nun im Wahlkampf also immer auf die Autobahn. "Ich bin gut durchgekommen. Automatik", sagt Podolay zu Beginn des Gesprächs für dieses Porträt. Er ist ein routinierter Autofahrer. Schließlich war der 71-Jährige früher Rallyefahrer, sogar Meister, in seiner alten Heimat, in der Slowakei der 70er Jahre.

Er tritt für eine Partei an, die Migration und Asyl - gelinde gesagt - kritisch sieht und ist selbst Migrant. Ein "Flüchtling" als Kandidat. Für die AfD eine tolle Sache. Nach dem Motto: Wer aus eigener Erfahrung spricht, kann nicht falsch liegen. Doch was ist da dran?


Die BRD war sein Ziel

Einerseits hat Podolay es tatsächlich selbst erlebt: Er und seine Frau verließen 1982 die Heimat - sie lebten in Bratislava. Er musste sich mit zwei kleinen Kindern in der Fremde ein neues Leben aufbauen. Anlaufpunkt war seine Schwester, die bereits in München wohnte.

Er sei "mit vier Koffern" vor dem Kommunismus geflüchtet. Obwohl er gut gelebt habe. Er war Medizintechniker, hatte ein Haus. Ein Wirtschaftsflüchtling war er demnach nicht. Er habe seinen Kindern eine bessere Zukunft sichern wollen. Politisch verfolgt worden sei er im Sowjetsystem nicht. Krieg herrschte auch nicht. Ein Vergleich mit Flüchtlingen, die heute nach Deutschland kommen, scheint daher schief.

"Ich habe Glück gehabt", sagt er. Seine Mutter ist Deutsche. Er und seine Familie sind also als anerkannte Spätaussiedler aus dem Ostblock in die BRD gekommen. Pass, Arbeitserlaubnis, Deutschkenntnisse: alles reibungslos. Er arbeitete in der Medizintechnik und studierte Politik.

Ein neues Leben aufbauen, leistungs- und integrationswillig, das vermisse er bei den Migranten heute. Eine kurzzeitige Grenzöffnung für die Flüchtlinge, die 2015 in Ungarn festsaßen, sei "humanitär okay" gewesen. "Aber daraus ist ein Dauerzustand geworden", so Podolay.

Man habe geltendes Recht (Dublin-Verfahren) gebrochen. Die Flüchtlinge seien schon in Italien oder Griechenland, also im Erstankunftsland, in Sicherheit. Sie würden nur wegen der Aussicht auf die besten Zukunftschancen nach Deutschland drängen. Das sagt er trotz seines Hintergrunds.

Man müsse Asylanträge am besten schon in der Türkei oder in Libyen prüfen. Ist das praktisch denn überhaupt möglich? Wahrscheinlich sei das schwierig, räumt er ein.


Enttäuscht von der CSU

Podolay war - wie viele in der AfD - zuvor schon politisch aktiv. Er stand 2014 auf der liberalen Liste der Slowakei für das Europaparlament. 16 Jahre war er CSU-Mitglied und hatte ein Amt als Kassenprüfer des Ortsverbands München-Grünwald. Seit 2015 ist er AfD-Mitglied. Vorher habe er bei einigen Veranstaltungen gemerkt: "Das sind gar nicht lauter Nazis."

Und Björn Höcke und andere, die mit Rechtsradikalismus und Rassismus spielen? Höcke spiele in der Bundespartei keine Rolle. Sein Thüringer Landesverband sei gerade einmal so groß wie der AfD-Verband München. Podolay habe eine andere AfD kennengelernt. Normale Leute, keine Hetzer.

Warum nicht mehr CSU? Die Partei sei bei Griechenland- und Eurorettung zu sehr auf Merkels Linie eingeschwenkt. Die Kanzlerin gebe überall den Ton an. "Sie führt sich auf, wie eine Vorsitzende in der ehemaligen DDR", sagt er. "Es existiert quasi keine Opposition im Bundestag." Das wolle er ändern.

Und der CSU-Streit mit der Kanzlerin? "Seehofer hat nur gebellt." Reine Show für den Wähler sei das. Dass er wenig Chancen hat, das Direktmandat zu holen, sei ihm bewusst. Podolay steht aber auf Platz zehn der AfD-Bayernliste. Eine Art Schleudersitz. Eine Knackpunktposition. Es wird knapp.

Dass er nicht im Wahlkreis wohnt, Adelsdorf oder Lonnerstadt höchstens vom Namen her kennt, sei kein Makel. Schließlich sei es keine Landtagswahl. "Aber jetzt im Wahlkampf werde ich die Region kennenlernen." Rund zwei Stunden, dann ist er da. Mit Automatik.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren