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Gremsdorf
Grenzerfahrung

Im Kinderhospiz an Grenzen stoßen

Ein Ehrenamt im Kinderhospiz bedeutet Arbeit zwischen Leben und Tod, zwischen Fröhlichkeit und tiefer Trauer, berichtet die Gremsdorferin Monika Albert.
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Monika Albert versucht, todkranken Kindern ein bisschen Geborgenheit zu geben.    Foto: privat
Monika Albert versucht, todkranken Kindern ein bisschen Geborgenheit zu geben. Foto: privat
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Monika Albert aus Gremsdorf engagiert sich ehrenamtlich im Erlanger Kinderhospiz. In Anerkennung ihres Engagements war sie heuer sogar zum Bürgerfest des Bundespräsidenten nach Berlin eingeladen. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät sie, warum sie sich engagiert und was sie dabei bewegt. Außerdem spricht sie über ihre speziellen Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod, zwischen Fröhlichkeit/Dankbarkeit und Traurigkeit.

Sie engagieren sich ehrenamtlich im Kinderhospizdienst des Hospiz Vereins Erlangen. Seit wann und warum?

Monika Albert: Das war im Jahr 2004 durch eine Spendenübergabe meines Arbeitgebers an die Erlanger Onkologie. Da gab es gerade ein Kochprojekt von Siemens-Mitarbeitern, das die Elterninitiative krebskranker Kinder erfolgreich weitergeführt hat und bei dem ich sehr gerne mit eingestiegen bin. In diesem Rahmen habe ich viele Kinder und deren Familien kennengelernt, Gespräche geführt und Besuche abgestattet.

Dieses Erlebnis regte mich an, eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu machen und mich im Bereich der Kinderhospiz- und Trauerbegleitung einzubringen. Hier unterstützen wir Familien, die ein Kind mit einer lebensverkürzenden Erkrankung haben. Wir betreuen die betroffenen Kinder zu Hause oder in der Kinderklinik, kümmern uns um Geschwisterkinder und haben ein offenes Ohr für den Kummer der Eltern.

Außerdem engagiere ich mich im Kinderschutzbund als Familienpatin. Derzeit betreue ich ein vierjähriges Mädchen, um seine alleinerziehende Mutter zu entlasten

Was bewirkt die ehrenamtliche Arbeit bei Ihnen?

Bei meinen Tätigkeiten fühle ich mich angekommen. Sie geben mir Mut, innere Ruhe und machen mich gleichzeitig stark. Oftmals bin ich aber ebenso überwältigt und dankbar dafür, welch immenses Vertrauen mir fremde Personen in solch intensiven Lebenssituationen entgegenbringen. Gleichzeitig blickt man natürlich demütig auf das eigene Leben und lernt, Gesundheit für sich und seine Familie noch einmal ganz anders wertzuschätzen.

Ich möchte mein Glück heute so weit wie nur möglich mit anderen teilen. Persönlich plane ich nicht mehr so viel oder weit im Voraus, lasse mich lieber davon überraschen, was der Tag für mich bereithält, ohne mich zu viel mit dessen Banalitäten auseinanderzusetzen. Ich bewerte und vergleiche nicht mehr. Stattdessen nehme ich die Situation im Hier und Jetzt an, ohne groß nach dem Warum zu fragen, akzeptiere was ist und mache das Beste daraus. Ich denke nicht mehr über Menschen nach, denen ich nicht passe wie ich bin, sondern schätze diejenigen, welche bedingungslos an meiner Seite stehen.

Was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit mit in Ihr Leben?

Ich habe gelernt, dass diese Familien kein Mitleid möchten, sondern Mitgefühl. Da reicht es oftmals schon, einen Kuchen zu backen oder auf ein Geschwisterkind aufzupassen. Diese werden in all der Angst und Trauer um ihre Geschwister nämlich oft ein wenig vergessen.

Egal ob reden oder schweigen, lachen oder weinen, suchen oder finden - alles ist leichter zu ertragen, wenn man sich nicht alleingelassen fühlt. Das ist auf alle Lebenssituationen übertragbar.

Was sind Ihre Beweggründe für diese ehrenamtliche Arbeit?

In erster Linie sind es die Kinder und die besonderen Umstände in ihren Familien. Ich möchte verständnisvoll hinschauen, geduldig zuhören und eine Hand reichen, wo andere sich aus Furcht lieber abwenden.

Wie gehen Sie mit den speziellen Grenzerfahrungen zwischen Leben und Tod, zwischen Fröhlichkeit/Dankbarkeit und Traurigkeit um?

Ich lerne die Kinder in ihrer letzten Lebensphase kennen und es freut mich, den betroffenen Familien viel Zeit und Unterstützung zu geben. Man betet gemeinsam für die Kinder und es berührt mich, zu erleben, dass Kinder oft, wenn es aufs Ende zugeht, einen entspannten und erlösten Ausdruck zeigen. Kinder geben mir fürs eigene Leben so viel mit wie zum Beispiel, nicht an morgen zu denken, sondern das Heute zu leben. Und schon gar nicht an das Vergangene oder wieso weshalb warum ich betroffen bin.

Ich spüre und weiß auch, dass ich nicht mehr helfen kann und dabei komme ich oft an meine eigenen Grenzen. Ich kann nichts retten, kann nur helfen, dass der kleine Patient ruhevoll und geborgen ist. Ich weiß, dass das Kind, das ich mitbetreue, sterben muss und dass alle sich verabschieden müssen. Aber wir sehen uns wieder. Ich beobachte immer wieder, dass die Familien mit solchen Schicksalen früh an ihre Grenzen stoßen und sich viel zu spät Hilfe holen. Familien zerbrechen, viele können mit diesem Leid nur schwer umgehen. Auch hier helfen wir wieder und gehen bis zum Ende, manchmal auch darüber hinaus mit.

Für uns Kinderhospizbegleiter ist die Teilnahme an der Beerdigung dann ein feierlicher Schlusspunkt. Die nächste Begleitung wird kommen und ein nächstes Kind freut sich auf mich. Auch dieses wird wahrscheinlich sterben, aber ich freue mich auf die Begegnung mit ihm und seiner Familie, auch wenn ich dabei wieder an meine Grenzen stoße.

Auch der Weg durch die Trauer ist für die Familien eine Grenzerfahrung, die sie oft noch lange begleitet und Angehörige und Freunde herausfordert.

Wie schnell ist der Satz "die Zeit heilt alle Wunden" gesagt, und die trauernde Familie kann die Grenzen ihrer Trauer noch gar nicht ermessen und von heil werden ist noch keine Rede. Dann wird die Zeit auch noch vorgegeben und nach einem Trauerjahr sollte doch alles erledigt sein und alle wieder funktionieren. Doch so ist das nicht. Jeder darf und soll sich die Zeit nehmen, die er benötigt.

Der Kinder- und Jugend-Hospizdienst begleitet Familien über den Tod ihres Kindes hinaus. Es gibt Trauergruppen für verwaiste Eltern, Sternenkinder, aber auch für Geschwisterkinder, sowie das Trauerwerk im E- Werk Erlangen für trauernde Jugendliche und junge Erwachsene. Wenn ich mich aus einer Familie verabschiede, versuche ich den Weg in solche Angebote zu bahnen. Das Gespräch führte Johanna Blum.

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