Herzogenaurach
Jahresbericht

Im Herzogenauracher Statdmuseum wird Geschichte lebendig

Das Stadtmuseum Herzogenaurach will sein Profil als außerschulischer Lernort weiter schärfen.
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Christian Hoyer (l.) unternimmt gerne Museumsrallyes mit Schülern.    Foto: Richard Sänger (Archiv)
Christian Hoyer (l.) unternimmt gerne Museumsrallyes mit Schülern. Foto: Richard Sänger (Archiv)

So wie alle Dienststellen des Rathauses stand in den vergangenen Wochen auch das Stadtarchiv ganz im Zeichen des Umzuges in das frühere Puma-Gebäude, wie Irene Lederer und Christian Hoyer im Kulturausschuss erläuterten. Stadtarchiv und Stadtmuseum sind personell und organisatorisch zusammengefasst. Wie Bürgermeister German Hacker (SPD) eingangs erläuterte, wurden alle Ämter und Dienststellen im Vorfeld aufgefordert, die nicht mehr im aktuellen Dienstbetrieb benötigten Akten an das Stadtarchiv abzugeben. Nach den Worten von Lederer und Hoyer kam dabei einiges zusammen und musste nach Archivwürdigkeit sortiert, verzeichnet und deponiert oder ausgesondert werden. Deshalb wurde ein Großeinkauf nötig, auch um die Bestände des historischen Archivs für den Umzug sicher zu verpacken. Der gesamte Bestand wurde in säurefreien Archivkartons untergebracht. Die meist jahrhundertealten Unterlagen können so bis zum erneuten Umzug licht- und staubgeschützt sicher gelagert werden.

Archiv hilft bei Forschung

Dass das Stadtarchiv nicht nur im Verborgenen wirkt, sondern sich auch im öffentlichen Raum präsentiert, zeigte es beim Kulturfestival "hin & herzo". Für eine Lesung mit Franz Josef Lang zur Revolution 1918 in München konnte ein Vortrag erarbeitet werden, der diese Lesung mit Ereignissen und der Lage in Herzogenaurach kontrastierte. Außerdem suchten Lederer und Hoyer den Kontakt zu den in der Stadt aktiven gesellschaftlichen Gruppierungen und Vereinen und halfen mit, die Geschichte des ASB zu erforschen, der am 10. Oktober 2018 im Rathausfoyer eine Ausstellung zu seiner Historie eröffnete. Auch die Nachforschungen von Mark Deavin wurden unterstützt, der die Lebensspuren der während der NS-Zeit getöteten Herzogenauracher Bürger verfolgte. Das Schicksal der Opfer der NS-Euthanasie wurde im Gedenkbuch "Verschwunden" dokumentiert.

Trotz der zeitintensiven Archivarbeiten im Zusammenhang mit dem Umzug der Verwaltung wurden vom Stadtmuseum drei Ausstellungen konzipiert und durchgeführt, zum Teil mit zusätzlichen Begleitprogrammen und museumspädagogischen Vermittlungsangeboten. 2149 Besucher interessierten sich im vergangenen Jahr insbesondere für die Dauer- und Sonderausstellungen.

Wissensquiz für Besucher

Mit seinen Veranstaltungen richtet sich das Stadtmuseum an Besucher aller Altersstufen und Bildungsvoraussetzungen. Wissensreiche wie unterhaltsame Ausstellungsrundgänge und spezifische Angebote für junge Besucher bieten die Möglichkeiten, sich mit der facettenreichen, über 1000-jährigen Stadtgeschichte zu befassen. Der Schwerpunkt der Ausstellungstätigkeit des Stadtmuseums lag auch 2018 auf Ausstellungen zur Stadt- und Regionalgeschichte. Auch die gezeigten Wanderausstellungen wurden vom Stadtmuseum mit Lokalteilen und Exponaten aus Eigenbestand bzw. von Herzogenauracher Leihgebern ergänzt. Daneben konnten zu jeder der Sonderausstellungen spezielle Arbeitsmaterialien für Schülerführungen sowie zum Beispiel ein unterhaltsames Wissensquiz für Besucher erstellt werden.

"Auf großes Interesse der Schulen stieß die Sonderausstellung zur NS-Euthanasie", erklärte Christian Hoyer. So fanden 2018 64 Gruppenführungen statt, davon allein 13 Führungen durch die Sonderausstellung zu den Patientenmorden während der NS-Zeit, außerdem konnten Besucher bei regulärem Eintritt an einer der 24 offenen Führungen teilnehmen.

Für Schülergruppen kostenlos

Schülergruppen können das Museum kostenlos besuchen, denn es eröffnet eine Reihe von Anknüpfungspunkten für den Unterricht verschiedener Fächer und Klassenstufen. Dabei werden die Klassen entweder von erfahrenen Museumspädagogen bei den Rundgängen und thematischen Workshops begleitet oder gehen selbst auf Entdeckungstour durch die Geschichte der Stadt. Es gab eine Kooperationsveranstaltung "Leben in der Diktatur" zwischen Gymnasium und Stadtmuseum mit Rainer Eppelmann. Im Rahmen der 1970er-Jahre-Ausstellung "Fragt doch Dr. Sommer!" gab es eine stadtgeschichtliche Interviewrunde der zehnten Klassen des Gymnasiums mit Herzogenauracher Zeitzeugen. Als Pilotprojekt konnte erstmals ein Projekttag für sechste Klassen der Realschule durchgeführt werden und die Schüler an das Fach "Geschichte" herangeführt werden. "Man kann sagen, dass sich das Stadtmuseum zu einem außerschulischen Lernort entwickelt", freut sich Hoyer. Die pädagogische Arbeit soll aufrechterhalten und weiter ausgebaut werden.

Für Acht- bis Zwölfjährige wurde ein museumspädagogischer Workshop zum Thema "Mittelalter und Tuchmacherei" angeboten, aber auch zum Mittelalterfest bot das Stadtmuseum ein umfassendes Kinder- und Familienprogramm "Vom Schafspelz zum Wolltuch". Und an der Auftaktveranstaltung zum Ferienprogramm beteiligte sich das Stadtmuseum mit einem Workshop zur Färbertradition.

Ebenfalls mit dem Generationenzentrum konnte zum zweiten Mal eine "Nacht im Museum" im Stadtmuseum Herzogenaurach durchgeführt werden. "Auch Angebote wie der Schlappenschuster­Workshop sind nur dank der Kooperationsbereitschaft des Generationenzentrums möglich", erklärte Irene Lederer dazu.

Prämierte Fußballschuhe

Der Wettbewerb "100 Heimatschätze" prämierte im vergangenen Jahr regionaltypische Objekte mit ihren Geschichten. Aus dem Fundus des Stadtmuseums wurden Fußballstiefel prämiert, die in den 1930er Jahren von der Sportschuhfabrik Gebrüder Dassler in Herzogenaurach hergestellt worden sind. Die Auszeichnung war mit der Aufnahme in ein Begleitbuch und mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro verbunden.

In Zusammenarbeit mit der "Arbeitsgruppe Geschichte der Realschule Herzogenaurach" wirkt das Museum an einer Ausstellung der Regierung von Mittelfranken mit. Was bedeutet "Verfassung"? Und was bedeutet "Freistaat"? Diesen Fragen stellten sich die Schüler der Klassen 9e und 9g. Die in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv erarbeiteten Antworten werden nun auch in Herzogenaurach gezeigt und durch Exponate aus dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv ergänzt. Gezeigt wird die Ausstellung von 17. Februar bis zum 7. März.



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