Adelsdorf
Hochwasser

Im Adelsdorfer "Seeside" wird nachgebessert

Nach den schweren Überflutungen in Adelsdorf stellte die Gemeinde Forderungen an den Bauträger des Neubaugebietes Reuthsee ("Seeside").
Artikel drucken Artikel einbetten
Rund 61 Liter pro Quadratmeter hat es beim ersten Starkregenereignis in einer Stunde geregnet. Foto: NEWS5 / Merzbach/Archiv
Rund 61 Liter pro Quadratmeter hat es beim ersten Starkregenereignis in einer Stunde geregnet. Foto: NEWS5 / Merzbach/Archiv
+3 Bilder
Zweimal innerhalb weniger Wochen wurden Teile von Adelsdorf von Starkregen überschwemmt. Keller standen unter Wasser, auf den Straßen liefen Sturzbäche hinab. Besonders aus dem Baugebiet Reuthsee ("Seeside") strömten Wassermassen in den Ort. Die Gemeinde forderte den Bauträger auf, den Schutz gegen Starkregen zu verbessern.

Ein ganzer Katalog an Maßnahmen wurde erarbeitet. Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) hat sich am Freitag von deren Umsetzung überzeugt. Das Kanalsystem im Reuthsee wurde gereinigt, das Einlaufrohr in das Regenrückhaltebecken (RRB) freigespült.

Das Oberflächenwasser aus dem Seeside läuft in ein eigenes Regenrückhaltebecken Richtung Reuthgraben, wo es versickern, oder über einen Überlauf in den Reuthgraben abgeleitet werden kann. Das Oberflächenwasser der zwei Häuserreihen, die an der Bahnhofstraße liegen, läuft in den Kanal des Dorfes, weil sie für das Rücklaufbecken topografisch zu hoch liegen.


Unbefestigte Zwischenräume

Während des Starkregens sei das Wasser vor allem in den unbefestigten Zwischenräumen der Baustelle geflossen, sagt Fischkal. Von dort kamen die schlammigen Wassermassen. In den fertig bebauten Gebieten habe es fast keine Probleme gegeben. "Ein Bauzustand ist immer schwierig", gibt Martin Krauß vom Seeside-Investor zu. Man habe nun alles gemacht, um Überschwemmungen zu verhindern. Leitwälle wurden aufgekippt, in die das Wasser fließen kann.

Um die Sinkkästen wurden halbmondförmige Erhöhungen angebracht (siehe Foto), damit nicht straßenweit Wasser auf einen einzigen Sinkkasten zuläuft, der dadurch überlastet ist. "Das war sicher auch ein Grund, dass hier Wasser runtergelaufen ist", sagt Investor Krauß. Sonst seien solche Maßnahmen nicht üblich. Besonders hoch sind die neuen Erhöhungen zwar nicht, aber immerhin "besser als gar nichts". Bereits nach dem ersten Starkregenereignis am 31. Mai habe man Maßnahmen eingeleitet, berichtet Fischkal. Die hätten allerdings nicht gehalten, deshalb mussten sie jetzt verstärkt werden.

Nicht nur die Bauherren des Neubaugebiets mussten nachbessern. Fischkal betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig es ist, dass die Rückstauklappen in den Häusern funktionieren. Hier sei jeder Hauseigentümer selbst in der Pflicht.Das sagt auch eine entsprechende Satzung der Gemeinde: "Gegen den Rückstau des Abwassers hat sich jeder Eigentümer selbst zu schützen." Oft seien die Leitungen oder die Rückstauklappen veraltet, Überschwemmungen sind dann wortwörtlich "hausgemacht".

Immer mehr Anfragen nach einer Zusatzversicherung
Es ist ein Horrorszenario für jeden Hausbesitzer: Der Starkregen hört nicht mehr auf, der Wasserpegel steigt immer höher, bis das Hochwasser in den eigenen Keller strömt. Bewohner von Adelsdorf mussten das in den vergangenen Wochen gleich zwei Mal erleben.

Oft fällt der Gedanke dann auf eine Versicherung gegen Hochwasser, eine Elementarschadenversicherung. "Die Nachfrage nach einer solchen Versicherung ist gestiegen", sagt Bernd Brehm, Vertrauensmann bei der HUK-Coburg in Höchstadt. Es kämen nicht nur Anfragen aus Adelsdorf, sondern auch aus anderen Gemeinden, in denen die Hauseigentümer besorgt sind.

Das kann auch Georg Niklas vom R+V Versicherungsbüro in Höchstadt bestätigen. "Durch diese Ereignisse rufen einige Kunden an", sagt Niklas. Beim ersten Starkregen sei es noch nicht so dramatisch gewesen, nach dem zweiten Ereignis habe sich die Anfrage dann deutlich erhöht. Eine gewöhnliche Wohngebäude- oder Hausratversicherung schließt Schäden durch Hochwasser oder Starkregen aus. Eine Elementarschadenversicherung wird meist ergänzend zu diesen beiden Policen angeboten, wie die Versicherungsexperten erklären.


Kosten für Versicherung variieren

Die Elementarschadenversicherung deckt unter anderem Schäden bei Hochwasser, Überschwemmungen, Lawinen, Erdbeben oder Schneedruck ab, wie Niklas berichtet. Die Kosten für eine solche Versicherung variieren, je nachdem, wo das Gebäude steht, wie groß es ist und welche Bauart vorliegt. Die Beiträge sind in vier Zonen eingeteilt, erklärt Niklas.

Je höher die Gefährdungsklasse ist, umso schwieriger und teurer könne es werden. "Wobei selbst Zone vier kein genereller Ausschluss ist. Das müssen wir immer individuell prüfen", sagt Niklas. Noch sei eine solche Elementarschutzversicherung jedoch relativ selten, in Bayern seien 32 Prozent der Haushalte mit einer solchen abgesichert. fr
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren