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Lebenslinien

"Ich bin eine Macherin"

Annett Kunath-Zeh ist sechsfache Mutter, selbstständig und Leistungssportlerin. Ist das verantwortungsvoll?
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Die ganze Familie Kunath-Zeh (von links nach rechts): Annett (42), Linus (19), Marius (12), Michael (49), Quentin (3), Laurin (9), Madita (5), Vanessa (21) und deren Freund Martin (28). Foto: K&R Fotografie
Die ganze Familie Kunath-Zeh (von links nach rechts): Annett (42), Linus (19), Marius (12), Michael (49), Quentin (3), Laurin (9), Madita (5), Vanessa (21) und deren Freund Martin (28). Foto: K&R Fotografie
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"Ich will die Fäden selber in der Hand haben, die Verantwortung für mein Leben übernehme nur ich", sagt Annett Kunath-Zeh. Und die gebürtige Dresdnerin, die inzwischen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wohnt, hat eine bemerkenswerte Lebensgeschichte.

Die 42-Jährige ist Mutter von sechs Kindern, selbstständige Tanzsporttrainerin - unter anderem in Höchstadt - und tanzt selbst auf Leistungssportniveau. Kunath-Zeh übernimmt daher nicht nur Verantwortung als Mutter und Arbeitgeberin. "Ich habe auch die Verantwortung für mich, meinen Körper, dass es mir gut geht und dass ich gesund bleibe." Denn so fit und schlank wie sie heute daher kommt, war sie nicht immer. Vor eineinhalb Jahren brachte sie noch 110 Kilo auf die Waage.

Das erste Kind mit Anfang 20

Aber von vorne. Mit 20 Jahren wurde die examinierte Krankenschwester zum ersten Mal schwanger. "Ich wollte schon immer früh Kinder und schon immer eine große Familie." Mit ihrem Mann Michael, den sie während ihrer Ausbildung in Erlangen kennen gelernt hatte, zog sie 1997 nach Höchstadt und 2011 - dann bereits mit vier Kindern - nach Baudenbach. Mit dem Tanzen begann das Paar nach der Geburt ihrer ersten Tochter. "Wir wollten ein gemeinsames Hobby, da schon mit einem Kind die gemeinsame Zeit wertvoller geworden war." Trotz Kind Nummer zwei landeten die Zehs bald beim Amateur Tuniertanzsport und arbeiteten sich hoch, bis sie 2004 in der A-Klasse, der zweithöchsten Turnierklasse, tanzten. "Und zwar mit allem, was dazu gehört: Einzeltraining, Gruppentraining, Turniere am Wochenende", erzählt Zeh.

Dauerhaft tat die Partnerschaft auf der Tanzfläche dann aber der Paarbeziehung nicht gut. "Weshalb mein Mann aufhörte und ich bis zur Geburt unseres dritten Kindes im Jahr 2006 weitertanzte." Ihre aktive Karriere beendete sie dann, gründete jedoch parallel ihre mobile Tanzschule Project Dance. 2009, 2013 und 2016 folgten Kinder vier, fünf und sechs, die Tanzschule lief - mal größer, mal kleiner - nebenbei weiter. "Leider blieben aber mit jedem Kind ein paar mehr Pfunde an mir hängen." Die eigenen Bedürfnisse, die Verantwortung für die eigene Gesundheit blieben bei all den anderen Verpflichtungen etwas auf der Strecke.

Die Motivation, daran etwas zu ändern, war jedoch keine Initialzündung, sondern ein schleichender Prozess. "Ich habe für die Tanzschule frischen Wind gesucht, einen neuen, externen Trainer." Irgendwann stand Jürgen im Studio, gab den ersten Kurs und auch Kunath-Zeh eine Einzelstunde. Die Chemie stimmte, die ehemalige Leistungssporttänzerin war wieder "angefixt", begann im Dezember 2017 mit Gruppentraining und nebenbei mit verschiedenen anderen Sportarten. "Ich begann, ohne es recht zu merken, einen neuen Lebensabschnitt." Obwohl sie sich zu diesem Zeitpunkt auch noch ein siebtes Kind hätte vorstellen können, hatte sie innerlich wohl eher schon damit abgeschlossen, denn sie begann intensiv zu trainieren.

Einige Monate gingen ins Land, bis sie Jürgen - inzwischen zu einem sehr guten Freund geworden - fragte, was sie eigentlich vorhabe: "Ich will wieder gut tanzen, körperlich fit werden und Gewicht verlieren." Einmal ausgesprochen, war das Ziel klar. Und sie arbeitet zielstrebig daran, stellte ihre Ernährung um, fand - ebenfalls durch Zufall - Personal Trainerin Liane - und absolviert seitdem um die acht Sporteinheiten pro Woche. Ihre Motivation heute: "Es ist toll, wenn das Körpergefühl wieder zurückkommt, Schmerzen verschwinden, man fitter und leistungsfähiger wird", schwärmt die 42-Jährige.

Alle tragen Verantwortung

Dankbar ist sie dafür nicht nur ihren Trainingspartnern Jürgen und Liane. Sondern vor allem auch ihrem Mann, der sie unterstützt und ihr den Rücken frei hält. "Ich plane und organisiere alles bei uns zu Hause - ohne das läuft eine Großfamilie nicht - aber ausführen müssen auch die anderen", lacht Kunath-Zeh. Verantwortung übernehmen auch ihre Kinder, von denen fünf noch daheim wohnen. Ihnen lebt sie vor, dass man sein Leben, seine Wünsche und Träume selbst in die Hand nehmen muss, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Und Annett Kunath-Zeh hat einen eisernen Willen: "Ich wiege jetzt 68 Kilogramm, acht müssen noch weg - dann bin ich wieder bei meiner Tanzfigur."

Ob sie, wenn sie soweit ist, wirklich wieder ins Leistungssporttanzen einsteigt, weiß die sechsfache Mutter hingegen noch nicht. "Auch hier geht es um Verantwortung: Passt das in das Konstrukt aus Familie und Beruf noch rein? Da muss ich abwägen." Zumal sie mit ihrem Leben, wie es gerade läuft, sehr glücklich ist - ein Glück, für das sie nicht zuletzt selbst verantwortlich ist.

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