Im Alten Schloss von Adelsdorf gibt es einen wunderschönen Trauungssaal - aber Sandra Amelang-Mayer kam nicht hin. Die Rollstuhlfahrerin wurde durch die enge Wendeltreppe gestoppt. Sie fand trotzdem eine Lösung für ihre Hochzeit.

In Zukunft kann sich Sandra Amelang-Mayer noch besser im Vorfeld über solche Hindernisse informieren, denn etwa 70 Gebäude der Gemeinde Adelsdorf werden auf Barrierefreiheit vermessen. Heute fiel der Startschuss für das Projekt, dessen Ergebnisse in die landkreisweite Internetseite www.erh.huerdenlos.de fließen.


Landkreis finanziert




Adelsdorf ist nach Weisendorf die zweite Gemeinde, die man für diese Maßnahme untersucht. Männer wie der Behindertenbeauftragte Klaus Keil oder Jörg Bubel vom Seniorenbeirat werden in den nächsten Wochen Amtsgebäude und Arztpraxen, Geschäfte, Gaststätten und Gotteshäuser am Kernort und in den Gemeindeteilen unter die Lupe nehmen. Peter Kastner und Heinz Steinbock vom Verein Aktivsenioren Bayern e.V. obliegt es, die Daten computermäßig zu erfassen und freizuschalten. Die Aktivsenioren sind bei diesem Projekt Partner des Landkreises, der die Initiative finanziert.

Koordinatorin Karola Goncalves vom Kreis-Sozialamt betont, wie wichtig es ist, dass die Daten auch in Zukunft gepflegt und aktualisiert werden. Erster Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) ist froh, dass das erst vor wenigen Monaten bezogene neue Rathaus mit dem Aufzug in alle Etagen, der Blindenspur im Eingangsbereich oder der Induktionsschleife für Hörgeschädigte im Sitzungssaal den Menschen mit Behinderungen die bestmögliche Unterstützung bietet. Auch manches Gasthaus oder Geschäft verfüge schon über einen behindertengerechten Zugang: "Nur liegt der häufig nach hinten raus und wird von den Betroffenen gar nicht so wahrgenommen." Die Übersicht im Internet ermögliche künftig mit wenig Klicks eine fundierte Information.

Die richtet sich nicht nur an Gehbehinderte, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Auch Menschen, bei denen das Sehvermögen oder das Gehör beeinträchtigt sind, oder Allergiker, die nach glutenfreiem Angebot suchen, sollen mit Hinweisen versorgt werden.


Röttenbach und Herzogenaurach sind angemeldet




In Weisendorf wurden 48 Gebäude aufgelistet. "Die Arbeit in Adelsdorf wird sich etwa fünf Monate hinziehen", schätzt Heinz Steinbock. Mit Röttenbach und Herzogenaurach haben sich bereits die nächsten Kommunen beworben", berichtet Karola Goncalves.

Bürgermeister Karsten Fischkal hofft, dass durch dieses Projekt das Bewusstsein für Barrierefreiheit in Adelsdorf auf breiter Ebene gestärkt wird. "Sicherlich wird der eine oder andere Geschäftsinhaber zu Verbesserungen angeregt."

Vielleicht kann Sandra Amelang-Mayer dann auch ihren Hausarzt ohne Zwischenstufe erreichen. Oder muss für einen Zahnarztbesuch nicht mehr in ihre alte Heimat Erlangen gebracht werden. Über den für sie nicht zugänglichen Trauungssaal haben sie und ihr Mann sich übrigens im letzten Sommer leicht hinweggetröstet: Sie heirateten einfach im Schlossgarten.