Herzogenaurach
Vereine

Hospizverein bekommt die erste Förderstelle

Die Stadt unterstützt Vereine, wenn sie zur Entlastung ihrer ehrenamtlichen Kräfte eine hauptamtliche Stelle einrichten wollen.
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Andrea Häckel (links) ist die von der Stadt geförderte hauptamtliche Stelle im Hospizverein. Dessen Vorsitzende Bettina Quandt (Mitte) und die städtische Sport- und Ehrenamtskoordination Katja Heil freuen sich über die Zusammenarbeit.  Foto: Bernhard Panzer
Andrea Häckel (links) ist die von der Stadt geförderte hauptamtliche Stelle im Hospizverein. Dessen Vorsitzende Bettina Quandt (Mitte) und die städtische Sport- und Ehrenamtskoordination Katja Heil freuen sich über die Zusammenarbeit. Foto: Bernhard Panzer
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Mit 680 Mitgliedern zählt der Hospizverein zu den größeren Vereinen in Herzogenaurach. Schon längere Zeit, so berichtet die Vorsitzende Bettina Quandt, habe man intern darüber diskutiert, eine hauptamtliche Stelle zu schaffen. Die Koordination der Tätigkeiten und auch die Erreichbarkeit am Bereitschaftstelefon seien so zeitintensiv, dass dies ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen wäre.

Als Quandt von einem Ansinnen der Stadt erfuhr, war sie sofort interessiert. "Das Angebot kam wie gerufen", sagt die Vorsitzende im Gespräch mit Bürgermeister German Hacker und Katja Heil, die im Rathaus fürs Ehrenamt zuständig ist. Der Hospizverein ist demnach der erste Verein in Herzogenaurach, der das städtische Angebot für die Förderung eines hauptamtlichen Beschäftigungsverhältnisses angenommen hat.

Mit dem Modell will die Stadt ihren Vereinen finanziell entgegen kommen und sich drei Jahre lang an den Kosten einer Stelle beteiligen. Danach müssen die Antragsteller diese selber tragen. Voraussetzung für die Bewilligung: Der Verein hat ein Konzept, das eine zuverlässige Finanzierung über den Förderzeitraum hinweg sicherstellt. Hacker hat wiederholt verdeutlicht, was das im Klartext bedeutet: Die Mitgliederbeiträge müssen erhöht werden.

Auch Skepsis

Freilich stieß dieses, vor exakt einem Jahr im Kulturausschuss beschlossene Fördermodell, bei den Vereinen auch auf Skepsis. Beispielsweise wurde befürchtet, dass damit das Ehrenamt aufgeweicht werden könnte, sagte Bürgermeister Hacker. Und viele Vereine scheuen wohl auch die Erhöhung der Jahresbeiträge für die Mitglieder. "Gebührenerhöhungen sind immer schwierig", weiß Hacker. Obwohl von den Vereinen "unglaublich wertvolle Dienstleitungen erbracht werden".

Beim Hospizverein hingegen sei man "gar nicht skeptisch" gewesen, sagt Bettina Quandt. "Uns hilft die Förderung sehr." Der Verein nutzt die Förderung, um sich die Stelle einer hauptamtlichen Koordinatorin leisten zu können.

Es ist Andrea Häckel, die im Verein die Arbeiten koordiniert. Sie geht hin zu den Patienten, informiert sich über deren Bedürfnisse. Wenn eine Betreuung gewünscht wird, teilt sie einen der 23 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins ein. Wenn eine Patientenverfügung gewünscht wird, wendet sie sich an Vorstandsmitglied Angela Horcher, die medizinische Begleiterin ist und sich auch um dieses Thema kümmert. "Frau Häckel hält den Kontakt zu allen Seiten", so Vorsitzende Quandt.

Dabei arbeitet Andrea Häckel schon länger ehrenamtlich im Verein mit. Den Posten der Koordinatorin füllt sie seit rund drei Jahren aus. Die 62-Jährige ist Krankenschwesterin und wurde inzwischen zur Palliativ-Carefachfrau ausgebildet. Darüber hinaus betreut sie das Bereitschaftstelefon. Allein diese Tätigkeit nimmt viel Zeit in Anspruch. Denn der Hospizverein hat den Ehrgeiz, "da zu sein, wenn wir abgerufen werden", sagt die Vorsitzende. "Jeder kann immer dort anrufen."

13 000 Euro kostet die Stelle den Verein im Jahr, erläuterte die Sport- und Ehrenamtskoordination der Stadt, Katja Heil. Dazu schießt die Stadt nun in den ersten beiden Jahren jeweils die Hälfte und im dritten Jahr 3400 Euro zu. Ab dem vierten Jahr muss der Verein selbst dafür aufkommen. Freilich wurden auch bereits die Jahresbeiträge erhöht, und zwar satt um fast das Doppelte. In konkreten Zahlen ist die Summe immer noch erschwinglich: Statt 15 Euro zahlen die Mitglieder künftig 28 Euro - im Jahr, versteht sich. "Damit kommen wir auch hin", sagte Bettina Quandt hinsichtlich der Finanzierungssicherheit für die neue Stelle. Freilich kann der Hospizverein auch regelmäßig auf Spenden hoffen.

Keine weiteren Meldungen

Wie aber sieht es mit anderen Vereinen aus? Bisher habe sich noch niemand weiter interessiert, sagt Bürgermeister Hacker. Katja Heil ergänzt, dass die Stadtjugendkapelle das mal ins Auge gefasst, aber wieder verworfen habe. Dieser Verein wolle das mit ehrenamtlichen Kräften bewältigen. Auch da wog die mit dem städtischen Zuschussmodell verbundene Beitragserhöhung offenbar schwer.

Bürgermeister Hacker ist dennoch überzeugt, dass das Angebot richtig ist. "Die Ehrenamtlichen müssen entlastet werden", stellt er in einer Pressemitteilung fest. Und: "Ich freue mich, dass mit dem Hospizverein der erste Verein auf dieses Angebot der Entlastung von Vereinen im Bereich der operativen Leitungsfunktionen zugreift."



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