Mobilität

Höchstadter Verkehrswacht übt mit Senioren

Sowohl im Parcours als auch auf der Straße haben die Teilnehmer eines Fahrtrainings gelernt, wie sie möglichst sicher unterwegs sein können.
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Fahrlehrer Jürgen Maulwurf begleitete die Senioren durch den Parcours.    Foto: Tina Meier
Fahrlehrer Jürgen Maulwurf begleitete die Senioren durch den Parcours. Foto: Tina Meier
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"Der Führerschein bedeutet für mich Lebensqualität", sagt Hans Münck aus Herzogenaurach und fasst damit zusammen, warum die meisten Senioren diese Form der Mobilität nicht aufgeben möchten. Doch was ist, wenn Reaktionsgeschwindigkeit und Beweglichkeit abnehmen, Unsicherheiten zunehmen und das Fahren zur Gefahr wird?

Die Politik diskutiert den Entzug des Führerscheins ab einem gewissen Alter oder die gesetzliche Einführung von Prüfungen. Die Verkehrswacht setzt lieber auf die Eigenverantwortung der Fahrer und vorbeugendes Training. Siegfried Nürnberger, der Vorsitzende der Höchstadter Verkehrswacht, organisiert deshalb mehrfach im Jahr mit seinem Team ein Fahrtraining, das speziell auf Senioren zugeschnitten ist.

In einem ersten theoretischen Teil werden Neuerungen der Straßenverkehrsordnung und zentrale Gefahrenquellen besprochen. "Ganz häufig kommt es zu Unfällen, weil die Sicherheitsabstände einfach nicht eingehalten werden", berichtet Fahrlehrerin Heike Striegel und wiederholt die Formeln zur Berechnung der Bremswege.

Außerdem erklärt sie, dass nur beim Verlassen des Kreisverkehrs geblinkt werden muss, dass auf einer dreispurigen Autobahn die Rettungsgasse nach dem Prinzip "einer links, zwei rechts" gebildet wird und dass man beim Verlassen einer verkehrsberuhigten Zone den anderen Verkehrsteilnehmern Vorfahrt gewähren muss. Dabei ließ sie sich von den Teilnehmern mit Fragen löchern und bezog sich auf lokale Beispiele wie den Karpfenkreisel oder die kreisförmige Kreuzung bei der Grundschule Süd.

Unter der Begleitung der Fahrlehrer konnten die Teilnehmer dann solche Stationen anfahren und Verkehrssituationen üben, die ihnen im Alltag Schwierigkeiten bereiten. "Ich habe gemerkt, dass ich viel zu wenig mit den Spiegeln arbeite", erzählt Birgit von Wiarda, die gerade von der Übungsfahrt zurückkommt.

Fahrlehrer weisen auf Fehler hin

Bei den kleinen Touren quer durch Höchstadt und Umgebung gingen die Fahrlehrer auch auf häufig beobachtete Fehler ein. "An der Kreuzung vom Lekkerland in Richtung Gremsdorf gibt es ein Stoppschild mit zwei dicken Haltelinien. Die eine gilt für den Fahrradweg und die andere für die Straße", berichtet Fahrlehrer Andreas Merlon und betont: "An beiden Linien muss der Fahrer anhalten. Doch das macht fast niemand."

Um die Geschicklichkeit und auch schwierige Fahrmanöver zu trainieren, absolvierten die Fahrer außerdem einen Parcours mit Slalom, verengter Fahrbahn und verschiedenen Aufgaben rund ums Parken. Fahrlehrer Jürgen Maulwurf beobachtete sie dabei ganz genau, gab konkrete Tipps und lobte die Fortschritte seiner Schüler. "Es ist aufregender, als ich gedacht hätte", sagt Manfred Schmitt, der besonders vom Üben der Gefahrenbremsung profitiert hat. "Erst beim vierten Mal hat es tadellos geklappt. Wenn aber zum Beispiel ein Kind plötzlich auf die Straße rennt, muss ich sofort richtig reagieren können." Dietrich Klockmann aus Höchstadt fügt an: "Im Alltag vermeide ich zum Beispiel das Rückwärtsfahren, und es war gut, dass ich das nun gezielt trainieren konnte."

Denn trotz jahrzehntelanger Erfahrungen im Straßenverkehr waren sich die Fahrer einig, dass man immer noch etwas dazu lernen kann. "Ich besitze meinen Führerschein seit 60 Jahren, aber ich merke, dass mir das Fahren schwerer fällt", berichtet Hans Münck. Umso wichtiger sei ihm deshalb das Training: "Es geht ja nicht nur um die eigene Sicherheit, sondern auch um die der anderen Verkehrsteilnehmer."



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