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Höchstadt a. d. Aisch
Kirche

Höchstadter suchen Licht und Trost

Viele Höchstadter Katholiken nutzten den Kerzenverkauf auf dem Marktplatz auch zum Gespräch mit Pfarrer Kemmer.
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Auch am Kerzenstand werden die Abstandsregeln eingehalten.    Foto: Britta Schnake
Auch am Kerzenstand werden die Abstandsregeln eingehalten. Foto: Britta Schnake
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In Zeiten von Corona sind Gottesdienstbesuche praktisch auf Eis gelegt. Das soll aber nicht heißen, dass Ostern ausfällt. Um den Menschen ein Stück Normalität anzubieten, bot der Pfarrgemeinderat von St. Georg am Samstagvormittag mit Genehmigung des Rathauses Osterkerzen zum Verkauf an.

Zum Minimieren des Risikos wurde in drei Schichten mit Personen des jeweils gleichen Haushalts gearbeitet. Karola dos Reis Goncalves mit Tochter Madalena bildete die erste Schicht, ihr folgten Pia und Christian Leder sowie Lisa und Katja Brinkel. Handschuhe und bei Bedarf auch Mundschutzmasken ... an diesem Tag eine Selbstverständlichkeit.

Kein Mangel an Kundschaft

Der Erlös aus dem Verkauf der verschiedenen Kerzen, welche für ein, zwei und fünf Euro zu haben waren, kommt Misereor zugute. Die ersten Kunden ließen nicht lange auf sich warten. "Ich bin im Auftrag unterwegs", erklärt Carsten Lang, "für meine Nachbarin, eine ältere Dame." Maria Modschiedler zündet immer zu Ostern und zu Weihnachten eine Kerze an. "Ich vergesse die Verstorbenen nicht." Anne Turnwald kauft Kerzen für ihre Familie. "Ich sehe unseren Herrgott in den Osterkerzen", sagte sie, "ich gedenke damit meinem Vater und meinem Schwiegervater." Josefine Scheidel kauft Kerzen für das Grab, für Zuhause und für die Kinder. "Für mich symbolisieren sie die Auferstehung Christi. Und meine Mutter hat Ostersamstag ihren Sterbetag."

Am Ostersonntag wird die Kirche den ganzen Tag offen sein, so dass die Gläubigen ihre Kerze am Osterlicht entzünden können. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Foto abzugeben, das in der Kirche auf die leeren Bänke gelegt wird, um so zum einen die Verbundenheit mit der Kirche aufzuzeigen, zum anderen ein Gefühl der Anwesenheit der Gläubigen - wenn auch nicht körperlich - im Gotteshaus zu vermitteln. Die Fotos können natürlich auch digital übermittelt werden. Nach dem Ausdrucken finden auch sie einen Platz in der Kirche.

Menschen vermissen die Kirche

"Ich stellte in der vergangenen Woche zunehmend fest, dass die Menschen ein wahnsinniges religiöses Bedürfnis haben", sagt Pfarrer Kilian Kemmer, der die Idee für den Markplatzverkauf hatte. "Da hat das Osterlicht natürlich eine starke Symbolik in Gestalt des Lichtes, das die Dunkelheit vertreibt. Die Menschen wollen ein Stück Ostern daheim haben, vermissen sie es doch sehr, nicht in die Kirche zu können." Kemmer erklärt, wahnsinnig viele Anrufe erhalten zu haben, von Menschen, deren Angehörige zum Beispiel im Klinikum Bamberg im Sterben liegen und trotzdem keinen Besuch von der Familie bekommen dürfen. Oder bei Konflikten zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter bezüglich der Teilnahme am Kindergeburtstag. "Da waren Telefonate von zwei Stunden keine Seltenheit", berichtet Kemmer.

"Auch unsere Lourdes-Grotte wurde zu einem Magneten", sagt er, "täglich kommen Menschen auf ihrem Spaziergang dorthin, verweilen und beten." Der Live-Stream allabendlich wird gut angenommen. 5000 Abonnenten hat die Kirche. "Wir erhalten wahnsinnig viel Feedback", sagt Pfarrer Kemmer. Beim ersten Gottesdienst hatten sich 700 Gläubige auf den Live-Stream geschaltet, momentan sind es 100 bis 150 jeden Abend.

"Am Karfreitag werde ich das alte Wallfahrtskreuz durch die Stadt tragen", erklärt Kemmer, "Ich werde den Prozessionsweg von Fronleichnam nehmen und an den vier Stationen den Segen geben." Dass das Bedürfnis der Nähe zu ihrem Hirten groß ist, zeigt sich dann auch auf dem Marktplatz, wo Kemmer präsent ist. Jedes seiner Schäfchen begrüßt er mit Namen, erkundigt sich nach der Familie. Mit dem nötigen Abstand, versteht sich. Deutlich ist zu spüren, wie gut es den Menschen tut, mit ihrem Pfarrer sprechen zu können - wenn auch nur kurz und aus sicherer Entfernung. Als dann auch noch die Sonne rauskommt, begleitet vom Klappern der Störche auf den umliegenden Dächern, ist Corona für einen Moment weit weg. Für einen schönen Moment.