Höchstadt a. d. Aisch
Nachwuchsmangel

Höchstadter Kirchenchor will nicht verstummen

Die Sänger von St. Georg planen eine Aufführung der Mozartmesse "Missa pastoralis". Damit das klappt, müssen dringend neue Mitstreiter gewonnen werden.
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Florian Mayer (am Klavier) leitet den Kirchenchor von St. Georg seit 2016.     Foto: Britta Schnake
Florian Mayer (am Klavier) leitet den Kirchenchor von St. Georg seit 2016. Foto: Britta Schnake

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, ja, vielleicht sogar durch die Wirren des Krieges entstanden, weil der Mensch etwas braucht, an dem er sich festzuhalten vermag, blickt der Kirchenchor St. Georg in Höchstadt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück.

Aus der Taufe gehoben von Anton Wölker, liegen die Geschicke des Chores seit 2016 in den Händen des 34-jährigen Florian Mayer aus Nürnberg, der Fritz Kirschner als Chorleiter ablöste. Hauptberuflich Ingenieur bei Schaeffler, hat es Mayer schon immer zur Musik gezogen. Mit fünf Jahren lernte der gebürtige Baden-Württemberger Klavier, der große Bruder brachte ihn an die Orgel. Durch die sogenannte C-Ausbildung erhielt er die Befähigung als Dirigent.

Über einen Dekanatskirchenmusiker wurde er auf den Kirchenchor St. Georg in Höchstadt aufmerksam, einen kleinen Chor, genau das Richtige für ihn. Und ein Glücksfall für den Chor, der momentan 26 Mitglieder zählt. Die Proben beginnen mit Dehn-, Atem- und Stimmübungen, geleitet von Florian Mayer. Kurz drauf erfüllen helle und klare Stimmen den Raum, brechen sich bei "Ich lobe meinen Gott" Bahn und füllen den eben noch kargen Saal mit Leben.

Mayers Repertoire zieht sich quer durch die Kirchenmusik, bei Messen hat er ein besonderes Faible für englische, neuzeitliche Komponisten. Aber auch ein deutscher Komponist, Heinrich Walder, gehört zu seinen Favoriten.

Zu den hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten möchte man ihn nicht missen, den Chor von St. Georg. Rund sieben Mal pro Jahr tritt er vor großem Publikum auf, wie zum Beispiel bei der Dettelbacher Wallfahrt, die heuer am 22. September stattfindet. Auch an Fronleichnam ist der Chor normalerweise mit dabei, nur dieses Jahr nicht, weil es an Stimmen fehlte. "Wir wurden vermisst, aber es hilft ja nichts, wenn nicht genug Leute da sind", sagt Elke Oleson. Seit acht Jahren singt sie mit ihrer Alt-Stimme im Chor und die Freude daran sieht man ihr auch an.

Singen hält jung

Überhaupt ist die Sangesfreude groß und praktisch allgegenwärtig und mit ihr die Treue der einzelnen Sänger. Karl Sittmann zum Beispiel kann man mit seinen 80 Jahren getrost als "Urgestein" bezeichnen. Doch wenn er zu singen beginnt, sind diese 80 Jahre wie weggeblasen.

Für den dritten Advent hat Florian Mayer sich nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Dargebracht werden soll die Mozartmesse "Missa pastoralis" für Chor und Orchester. Auf die Frage, warum es gerade dieses Stück sein soll, erwidert Mayer: "Es sollte was sein, was eine Herausforderung ist."

Und ein Wagnis obendrein, fehlt es dem Chor doch an Stimmen. Wenn es dem Kirchenchor St. Georg nicht gelingt, neue Sängerinnen und Sänger zu werben, kann die "Missa pastoralis" nämlich nicht aufgeführt werden und der Chor geht die Aisch hinunter.

"Allein schon wenn einer krank ist, kann man die Chorprobe praktisch vergessen", bedauert Oleson. Händeringend wird Nachwuchs gesucht; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Elke Oleson will demnächst im Gymnasium vorstellig werden, um zu sehen, ob nicht der eine oder andere Interesse am Singen in einem Kirchenchor hat. Geprobt wird jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr im Pfarrsaal.

Chor wagt einen Aufbruch

Schon stimmt Mayer das Stück "Einen neuen Aufbruch wagen" an, etwas, was man durchaus als das Motto des Chores bezeichnen kann. Der Versuch nämlich, diesen mit Herzblut und Begeisterung erfüllten Chor am Leben zu erhalten.

Gelingt dies nicht, so wird einer Tradition, die ihresgleichen sucht, ein für alle Mal das Herz herausgerissen und somit das Leben genommen. Dies würde für die Gemeinde einen herben Verlust bedeuten, der durch nichts wettgemacht werden kann.

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