Wirtschaft

Höchstadt: Firmen gehen bei Mitarbeitersuche einen ungewöhnlichen Weg

Mittlerweile gibt es viele Wege, sich nach offenen Arbeitsstellen zu erkundigen - vor allem über das Internet. Trotzdem gehen einige Höchstadter Firmen einen ganz anderen Weg auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.
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Solche Schilder finden sich im Höchstadter Gewerbegebiet am Aischpark. Jann Weckel
Solche Schilder finden sich im Höchstadter Gewerbegebiet am Aischpark. Jann Weckel
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Die Arbeitslosenquote im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist ausgesprochen gut (siehe Infokasten). Wer dennoch eine neue Arbeitsstelle sucht, der kann einen Blick in die Amtsblätter oder die Tageszeitung werfen. Oder man nutzt die nahezu unzähligen Jobbörsen im Internet. Da gibt es mittlerweile so viele, dass es nun schon Webseiten gibt, die wiederum alle diese Portale durchsuchen und die Ergebnisse zusammentragen.

Umso irritierender wirkt es da, wenn Firmen über Schilder an der Straße um neue Mitarbeiter werben. So zum Beispiel im Höchstadter Gewerbegebiet Aischpark. Ein Akt der Verzweiflung in Zeiten des Fachkräftemangels? Oder ein ungeahntes Erfolgsmodell?

Weder noch, sagt Melanie Muth, Personalreferentin bei der RWG Germany GmbH/Kaman Gruppe. Der Hersteller für Wälzlager und Gelenklager für die Luftfahrtindustrie hat ein solches Schild, gut sichtbar aus beiden Fahrtrichtungen. "Wir machen das einfach, um unsere Reichweite zu erhöhen", erklärt sie. "Vor allem geht es um Leute, die vielleicht nicht gerade aktiv nach Arbeit suchen, aber eben mit dem Auto vorbei fahren."

Ähnliches hört man nebenan beim Medizintechnikhersteller Medwork, wo eine Fahne mit der Aufschrift "Wir suchen Sie!" weht. "Der Trend bei der Jobsuche geht zwar ganz klar in Richtung Onlineportale und Social Media", sagt Personalsachbearbeiter Raphael Stolz. "Aufgrund der guten Sichtbarkeit erreichen wir mit einer Fahne jedoch auch Interessenten, die nicht explizit auf der Suche nach einer neuen Stelle sind".

Aber klappt das auch wirklich? "Es gibt tatsächlich Stellen, da wird dann in der Bewerbung so etwas angegeben, wie: Ich habe ihr Schild gesehen und die Stelle interessiert mich", sagt Melanie Muth. Das Schild bei RWG/Kaman werde immer auf dem neuesten Stand gehalten, die Plaketten mit den verfügbaren Stellen sind austauschbar. "Es gibt häufiger Leute, die halten an, klingeln und erkundigen sich am Empfang nach der Stelle", sagt Muth. "Das Schild bringt also auf jeden Fall etwas."

Vor allem in der Produktion

Ein ähnliches Schild findet sich auch beim Bauunternehmen Stephan Uhl, wo derzeit nach Baggerführern gesucht wird. Die Nec Med Pharma Gmbh, Großhandelspartner für pharmazeutische Produkte, möchte auf selbem Weg aktuell kaufmännische Mitarbeiter für sich gewinnen. Melanie Muth hat bei RWG/Kaman die Erfahrung gemacht, dass es eher Stellen in der Produktion sind, die "per Schild" besetzt werden. "Das sind einfach Personen, die beruflich und privat weniger mit dem Computer zu tun haben." Gerade in diesem Bereich kämen auch häufiger noch Bewerbungen auf Papier. Stellen in der Verwaltung würden dagegen meist über Online-Jobportale besetzt - Führungspositionen sowieso.

Ein Schild nach dem Vorbild der Nachbarn im Gewerbegebiet gibt es bei Medwork aktuell nicht - oder noch nicht?. "Ich würde es nicht prinzipiell ausschließen", so Raphael Stolz. "Um neue Mitarbeiter zu gewinnen ist es heutzutage einfach wichtig, auf den unterschiedlichsten Kanälen präsent zu sein".



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