Gesundheit

Höchstadt: Der Grippeimpfstoff wird knapp

Medienberichten zufolge gibt es in einigen Teilen Deutschlands einen Engpass der Grippeimpfstoffe, obwohl die Impfsaison gerade erst begonnen hat. Wie ist die Situation in Höchstadt?
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Apotheker Rudolf Harrer aus der Paracelsus-Apotheke in Höchstadt hat noch Grippeimpfungen auf Lager. Nachbestellungen sind aber aktuell ein Problem und nur sehr sporadisch möglich. Foto: Jann Weckel
Apotheker Rudolf Harrer aus der Paracelsus-Apotheke in Höchstadt hat noch Grippeimpfungen auf Lager. Nachbestellungen sind aber aktuell ein Problem und nur sehr sporadisch möglich. Foto: Jann Weckel

Die Grippewelle im vergangenen Winter ist als eine der bisher schwersten in die Geschichte eingegangen: Viele influenzabedingte Arztbesuche, viele Todesfälle. Jetzt rückt die Grippe wieder in den Fokus, denn im Herbst beginnen traditionell die Impfungen für den kommenden Winter. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die Bundesoberbehörde für Impfstoffe, hat nun aber bereits Versorgungslücken in einigen Teilen der Bundesrepublik bestätigt. Ist davon auch Höchstadt betroffen?

"Es gibt immer wieder Engpässe", sagt Rudolf Harrer aus der Höchstadter Paracelsus Apotheke. Sämtliche Vorbestellungen aus dem Sommer, die sich an einem geschätzten Bedarf orientieren, seien zwar erfüllt worden, doch das Nachbestellen gestalte sich nun schwierig. Im Oktober sei es noch möglich gewesen, "aber das ist jetzt ziemlich tot." Der Blick ins System zeigt: Nur von einem Anbieter ist zum Zeitpunkt der FT-Anfrage ein Präparat lieferbar. "Das ist auch nur eine Momentaufnahme. Heute Nachmittag kann es schon wieder ganz anders sein."

Hamsterkäufe rechtzeitig zum Beginn der Impfsaison seien keine Lösung für das Problem, da pro Dosis nur wenig Geld bei den Apotheken hängenbleibt. Daher werde nah am aktuellen Bedarf eingekauft, um nicht am Ende auf der Bestellung sitzen zu bleiben: "Deswegen kann man Lieferengpässe so schlecht überbrücken. Was nach der Saison übrig bleibt, ist für den Müll", sagt Harrer. "Es ist eine unbefriedigende Situation, aber ich denke es kann jeder Patient versorgt werden."

Möglicher Grund für die Engpässe könnte sein, dass die Krankenkassen in diesem Jahr erstmals auch die Impfung mit Vierfach-Impfstoffen zahlen. Diese schützen gegen vier verschiedene Grippevirenstämme, statt nur gegen drei - wie die bisher von der Kasse bezuschussten Präparate. Nun ist der umfangreichere Schutz dementsprechend deutlich mehr gefragt. Die neue Situation wurde aber erst im April bekannt. Den Herstellern blieb daher nur wenig Zeit, um zu reagieren - und die Herstellung des Impfstoffes ist langwierig.

"Das ist schon ein Problem"

Georg Reck, Inhaber der Kapuziner-Apotheke in der Höchstadter Hauptstraße und der Vitalo-Apotheke in der Anton-Bruckner-Straße, hat noch Impfstoff parat, die Probleme sind aber auch ihm bekannt. Dass der Impfstoff komplett ausgeht, hält er für möglich: "Das kommt schon öfter vor, nicht nur bei Impfstoffen."

Wolfgang Galster von der Apotheke im Aischpark-Center sagt nach einem kurzen Blick in Bestand und Bestellsystem: "Wir haben noch drei Stück da und bekommen auch keine mehr rein. Das ist schon ein Problem." Eine ähnliche Situation gebe es momentan mit Ibuprofen, da habe man in der Aischpark-Apotheke aber vorgesorgt. Anders bei den Impfstoffen: "Da können wir aktuell leider nicht mehr beliefern, obwohl wir wirklich viel da hatten."

Damit könnten einige Ärzte demnächst auf dem Trockenen sitzen. In der Höchstadter Praxis von Dr. Roland Maeumbaed ist aktuell noch alles im grünen Bereich: "Bis jetzt haben wir genug, um die ausstehenden Impfungen abzudecken", sagt er. Einen außergewöhnlich großen Ansturm auf die Grippeimpfung hat er noch nicht festgestellt. "Wenn die Welle allerdings noch kommen sollte, könnte es schwierig werden."

Außergewöhnliche Grippesaison

Laut Influenza-Saisonbericht des Robert Koch-Instituts waren in der vergangenen Grippesaison rund neun Millionen Arztbesuche deutschlandweit auf die Grippe zurückzuführen. Das sind rund zwei Millionen mehr, als in den letzten als schwer eingestuften Saisons. 333 567 Menschen wurden in der Bundesrepublik offiziell als grippekrank registriert, heißt es im Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Auch die Zahl der Todesopfer war außergewöhnlich hoch: 1665 Menschen sind durch Influenza-Viren gestorben.

"Im Januar und Februar war es gewaltig", erinnert sich Roland Maeumbaed. Er empfiehlt die Impfung allen chronisch Kranken und besonders älteren Menschen. "Und Menschen, die viel Kontakt mit anderen haben oder viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Da liegen die Ansteckungsquellen. Wer nur Zuhause sitzt, der braucht die Impfung vielleicht nicht unbedingt."



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