Höchstadt a. d. Aisch
Rarität

Höchstadt: Ausgestorben geglaubter Urzeitkrebs im Aischgrund wiederentdeckt

Am Institut für Fischerei in Höchstadt wurde ein bisher als ausgestorben geltender Urzeitkrebs in einem Karpfenteich entdeckt.
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Klein, aber im Glasbehälter doch deutlich zu erkennen sind die Urzeitkrebse, die an Klaus Schönitzer von der Zoologischen Staatssammlung in München übergeben wurden. Foto: Mirjam Stumpf
Klein, aber im Glasbehälter doch deutlich zu erkennen sind die Urzeitkrebse, die an Klaus Schönitzer von der Zoologischen Staatssammlung in München übergeben wurden. Foto: Mirjam Stumpf
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Wem ist es noch geläufig, das Comic-Magazin mit Namen "Yps", dessen Beilage nicht selten eine Packung Urzeitkrebse zum Selbstzüchten gewesen ist?

In Karpfenteichen des Instituts für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Höchstadt hat Christian Vogelmann, Forscher und Mitarbeiter am Institut, nun allerdings seltene Urzeitkrebse wiederentdeckt.

Laut der Roten Liste 2003 für Bayern galt die Art des Urzeitkrebses mit dem Namen Leptestheria dahalacencis als ausgestorben. "Es ist ein einmaliger Fund", sagt Vogelmann, der für die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Starnberg arbeitet. Die Krebsart könne der Ordnung der Muschelschaler zugeordnet werden, die seit Millionen von Jahren existieren.

Bis zu eineinhalb Zentimeter groß

Rund 20 Jahre zuvor hatte Lutz Weißbrodt, ehemaliger Mitarbeiter am Institut, den Urzeitkrebs bereits in den Karpfenteichen in Höchstadt ausmachen können. Damals wurde der Fund aber einer anderen Art zugeordnet. Im Zuge anderer Forschungen von Christian Vogelmann in Starnberg konnte die Art nun aber richtig klassifiziert werden.

Der Leptestheria dahalacencis wird bis zu eineinhalb Zentimetern groß. Seine längliche Körperform ist in eine Schale gehüllt, er ernährt sich hauptsächlich von Algen. In den Karpfenteichen des Instituts tummeln sich nicht gerade wenige von ihnen. Denn der Urzeitkrebs vermehre und entwickle sich sehr schnell, sagt Vogelmann.

Zu ihren natürlichen Lebensräumen gehören Gewässer, die von Zeit zu Zeit wieder trocken fallen, beispielsweise Überschwemmungstümpel oder Auengewässer. So könne der Krebs auch im Trockenen mehrere Jahre bis Jahrzehnte bis zum nächsten Schlupf verharren und dadurch sein Überleben garantieren. "Man kann davon ausgehen, dass sie flächendeckend hier sind", sagt er.

Es gebe in Deutschland drei Formen von Urzeitkrebsen, so Vogelmann, den Rückenschaler, den Feenkrebs und den Muschelschaler, um den es sich hier handelt. Er vermutet, dass diese Art der Tiere sich auch deswegen so gut zwischen den Karpfen behaupten kann, da sie bei Gefahr ihre Muschel schließt und so besser geschützt ist.

Karpfenteiche als Ersatzwohnraum

Martin Oberle, Leiter der Außenstelle für Karpfenwirtschaft, macht deutlich, welchen Beitrag die Karpfenteichwirtschaft durch regelmäßiges Trockenlegen der Weiher zum Vorkommen der Urzeitkrebse leiste. Denn müssen Kleinstgewässer menschlichen Bauvorhaben weichen, sei der natürliche Lebensraum der Urzeitkrebse gefährdet. "Die Karpfenlandschaft kann als Ersatzwohnraum für die Aue gelten", so Oberle.

Einige Exemplare dieser Tiere wurden am Freitag in Höchstadt an Professor Klaus Schönitzer von der Zoologischen Staatssammlung in München übergeben. "In München gibt es erst vier Gläser mit dieser Art Urzeitkrebs", freut sich Schönitzer über die Rarität. Der Spix-Biograph war eigens aus München angereist und eröffnete bei diesem Besuch zudem eine Ausstellung im Stadtturm (siehe Seite 16).

Am Institut läuft überdies ein Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Projektbüro Kallert und Loy, das sich mit Maßnahmen zur Steigerung von Naturnahrung in Karpfenteichen befasst. Nun sei geplant, die Proben aufgrund des Fundes noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, so Oberle. Ziel: "Antworten finden, welche Bedingungen das Vorkommen von Urzeitkrebsen begünstigt."

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