Herzogenaurach
Gedenken

Hitler kann wieder funktionieren

Vor 80 Jahren brannten Synagogen, Wohnhäuser, Bücher. Die Reichspogromnacht stand im Mittelpunkt einer Gedenkstunde.
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Zwei Schauspieler aus Regensburg  überraschten mit einem ungewöhnlichen Stück. Fotos: Michael Busch
Zwei Schauspieler aus Regensburg überraschten mit einem ungewöhnlichen Stück. Fotos: Michael Busch
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Eine simple Frage. "Soll ein Land sich erst um seine eigenen Leute kümmern oder um die ganze Welt sorgen?" Die Hände in der Aula des Herzogenauracher Gymnasiums schießen nach oben. Weit über dreiviertel der Schüler bekennen sich zur Version "der eigenen Leute". Die Fragesteller kommen nicht zu Wort, heftige Diskussionen in der Aula. Deutlich über ein Gemurmel hinausgehend.

Dabei hatte alles so ruhig angefangen. Lehrer David Pohl hatte nach einem ruhigen klassischen Stück, das von Schülern vorgetragen wurde, verzweifelt auf der Bühne telefoniert. Die Gedenkstunde anlässlich der Reichspogromnacht schien ausfallen zu müssen.

Geschehnisse vor 80 Jahren

Die Akteure des Hauptaktes schienen noch nicht im Haus. Einer der Mitwirkenden sei mit einem Messer attackiert worden. Um die Wartezeit zu überbrücken, bat der Lehrer um Diskussionen zu dieser Nacht, die vor 80 Jahren stattgefunden hat.

Eine Schülerin fühlte sich bemüßigt und schimpfte auf die Flüchtlinge, die diese Tat vollbracht hätten. Ein anderer Schüler reagierte und warf der Rufenden zu: "Das ist typisch. Einfach mal pauschal sein." Schnell stellte sich heraus, dass dies die beiden Schauspieler waren, die in einer Uraufführung ein Stück darboten, das extra anlässlich der Gedenkstunde im Gymnasium geschrieben worden ist.

Die Grundidee bestand darin, neben den üblichen Vorwürfen, die von rechtsideologischen Menschen kommen, Fragen zu stellen. Eingebettet in einen Wettbewerb versuchten die beiden Schauspieler Christine Elsa Wagner und Julian Kühndel das Publikum auf ihre Seite zu bringen. Wagner als die rechtsideologisch ausgerichtete Schülerin, die bereits deswegen die Schule wechseln musste, ihr Gegenpart dargestellt durch Kühndel.

Geschichte begreifen

Alles einfache Fragen: "Muss man sich als Gast in einem fremden Land benehmen?"; "Ist Deutschland durch seine Außenpolitik mit Schuld an den Flüchtlingsbewegungen?"; "Ist so etwas wie vor 80 Jahren heute noch mal möglich?"

Umrahmt war das Stück von einer geschichtlichen Einordnung durch den Geschichtslehrer Rolf Kraus und Musikstücken der musizierenden Schüler. Die beiden hervorragenden Schauspieler kamen vom Mobilen Schultheater "ueTheater" aus Regensburg.



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