Weingartsgreuth
Bilanz

Heuer boomt der Aischgründer

Die Teichwirte im Aischgrund sind zufrieden. Die Karpfen sind in diesem Jahr zwar etwas kleiner, aber von bester Qualität.
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Weit unter zehn Prozent Fettgehalt wurden  von Walter Jakob (Mitte links) und Martin Oberle an den Karpfen aus dem Schlossweiher in Weingartsgreuth gemessen.  Foto: Andreas Dorsch
Weit unter zehn Prozent Fettgehalt wurden von Walter Jakob (Mitte links) und Martin Oberle an den Karpfen aus dem Schlossweiher in Weingartsgreuth gemessen. Foto: Andreas Dorsch
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Der Karpfen zählt zu den wichtigsten Produkten aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. Dieses Bekenntnis zum heimischen Fisch gab am Mittwoch Landrat Alexander Tritthart (CSU) beim teichwirtschaftlichen Ortstermin ab, zu dem der Bauernverband nach Weingartsgreuth geladen hatte.

Am Ufer des Schlossweihers zog dessen Pächter und Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund, Walter Jakob, zum Ende der Abfischsaison Bilanz. Die Karpfen würden heuer zwar etwas kleiner ausfallen, dafür sei die Qualität hervorragend. "Der Aischgründer boomt", stellte der hauptberufliche Teichwirt Jakob fest und appellierte an seine Kollegen, weiterhin Qualität zu produzieren, um sich von der Konkurrenz aus Ungarn oder Tschechien abzuheben.

Was Qualität beim Karpfen bedeutet, demonstrierte Jakob zusammen mit Martin Oberle, dem Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt, vor Ort mit einem speziellen Messgerät. Damit lässt sich der Fettgehalt des Karpfens bestimmen und der sollte unter zehn Prozent liegen.


Teichwirt und Küche 50:50

Je weniger Fett, desto besser sei die Qualität, meinte der promovierte Fischexperte Oberle. Für einen guten Karpfen auf dem Teller steuere der Teichwirt 50 Prozent bei, die andere Hälfte liege an der Küche.

Die Gastronomie im Aischgrund brauche etwa 1000 Tonnen Karpfen pro Saison, sagte Oberle, produziert würden von den heimischen Teichwirten rund 1600 Tonnen. Ein Teil davon lande inzwischen auch in München, wo der Aischgrund Partnerschaften mit Gaststätten geschlossen hat.

Landrat Tritthart berichtete, erst jüngst in einem solchen Lokal im Zentrum der Landeshauptstadt einen vorzüglichen Aischgründer verspeist zu haben. Nur sei der Preis mit 19 Euro etwas höher gewesen als zu Hause.

Ziel müsse es sein, so Oberle, für die Erzeuger einen guten Preis zu erzielen. Man habe ein hervorragendes Produkt, das sich natürlich ernährt und höchstens etwas Getreide zugefüttert bekommt. Die Verknüpfung mit der heimischen Gastronomie sei einmalig und auch immer mehr junge Leute würden heute Karpfen essen. "Mit unserer Teichwirtschaft heben wir uns von der Aquakultur in der ganzen Welt ab", so Oberle.

Walter Jakob erinnerte daran, dass in Deutschland 87 Prozent der verspeisten Fische importiert werden. Dabei sei der größte Fischereihafen der Flughafen in Frankfurt. Dort landen die Fische aus den Aquakulturen. Mit dem Karpfen habe man ein tolles Produkt, sei aber nicht in der Lage, den Bedarf an Fisch in Deutschland zu decken.

Das wollen die Teichwirte im Aischgrund aber auch gar nicht. Ihnen ist bewusst, dass die Teichflächen und damit die Produktionsmöglichkeiten begrenzt sind, zumal mit weniger Fischen im Teich auch eine bessere Qualität heranwächst.

Walter Jakob wünscht sich von der Politik Rahmenbedingungen, die auch jungen Teichwirten Zukunftsperspektiven ermöglichen. Beispielsweise mangle es im Aischgrund an kleinen Teichen für die Hälterung. Die müsste man in nassen Wiesen anlegen, aber diese seien wiederum geschützt. Ernste Probleme bereiten den Teichwirten Biber und Kormoran, jetzt sei auch noch der Fischotter im Anmarsch.

Bei diesen Bedrohungen hat Jakob den Landrat auf seiner Seite. Für den andernorts geschützten Kormoran hat das Landratsamt schon Ausnahme-Abschussgenehmigungen erteilt, ebenso für den Biber. Tritthart: "Der Biber hat in der Teichlandschaft nichts verloren."
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