Herzogenaurach
Abschied

Herzogenauracher verabschieden einen Freund

Jean Désiré Sawadogo kehrt zurück nach Burkina Faso. Er lebte sieben Jahre lang in Niederndorf und Herzogenaurach und half in der Seelsorge mit.
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Elfriede und Konrad Kummeth verabschieden sich von Jean Désiré Sawadogo.   Foto: Manfred Welker
Elfriede und Konrad Kummeth verabschieden sich von Jean Désiré Sawadogo. Foto: Manfred Welker
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Von 2006 bis zum September 2013 lebte Jean Désiré Sawadogo aus Kaya in Herzogenaurach. Der katholische Priester studierte in Erlangen und brachte sich als Geistlicher im Seelsorgebereich Herzogenaurach ein. Nach dem Abschluss seines Promotionsstudiums in Innsbruck hieß es jetzt, Abschied zu nehmen. "Ich gehe zurück nach Burkina Faso mit Franken und mit Herzogenaurach in meinem Herzen!"

"Er ist unser Botschafter, unsere Brücke nach Kaya", beschrieb Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) den Geistlichen. Vor allem die Partnerschaft Herzogenaurachs mit Kaya habe durch ihn eine ganz neue Note bekommen. In Würdigung seines Engagements trug sich Sawadogo in das Goldene Buch der Stadt Herzogenaurach ein.

Doktorarbeit hat 424 Seiten

Sawadogo war zum Abschied eingeladen, im Interimsrathaus von Herzogenaurach den zahlreichen interessierten Zuhörern seine Doktorarbeit nahezubringen. Die Arbeit ist in Französisch verfasst und in vier große Teile gegliedert, hat 424 Seiten und ist sehr gewichtig.

Darin untersucht Sawadogo sein Heimatland Burkina Faso, ein afrikanisches Binnenland mit 18 Millionen Einwohnern, davon 52 Prozent Frauen. Der Staat gilt vielen als Personifikation der Armut. In seiner Arbeit stellt sich Sawadogo die Frage, wie man Armut messen und wie man sie mit philosophischen Mitteln bekämpfen kann. Dazu hat er eigene Vorschläge gemacht. Für seine Untersuchung betrieb er Feldforschung in der Nordhälfte von Burkina Faso. Der Frage, wie die Menschen ihre Armut wahrnehmen, ging er in zehn Interviews auf den Grund.

Hilfe zur Selbsthilfe

Im philosophischen Teil seiner Arbeit war die Wissenschaftlerin Martha Nussbaum die "Brille" für Sawadogo, durch die er die Situation vor Ort betrachtete. Auf die Feststellung "Armut kann Menschenrechte verletzen und die Menschenwürde beeinträchtigen" folgte die Frage nach dem "Fähigkeitenansatz": Was ist eine Person fähig zu tun?

Wichtige Ursachen für die Armut sind laut Sawadogo der Wassermangel und die traditionelle Landwirtschaft. Daher habe die Armut vor allem ein weibliches Gesicht und sei auf dem Land zu finden. Aber trotz aller Beschränkungen herrsche Zweckoptimismus in Burkina Faso.

Um eine Verbesserung zu erreichen, brauche es Veränderungen beim Bildungsniveau, bei der Lebenserwartung und beim Zugang zu Ressourcen.

Die Lösungsansätze lauten, mehr in die Ausbildung zu investieren, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und eine gute Regierungsführung (Stärkung der Demokratie, Korruption bekämpfen).

Nach seinem Vortrag innerhalb der geplanten Zeitspanne - "Zeitverwaltung, das habe ich in Herzogenaurach gelernt!" - gab es noch die Möglichkeit für die Besucher, Fragen zu stellen. Bei lockeren Gesprächen verabschiedeten sich viele von Sawadogo, die ihn in seiner Zeit in Niederndorf und Herzogenaurach schätzen gelernt hatten.

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