Herzogenaurach
Verkehr

Herzogenauracher Südumgehung bleibt in der Kritik

Die Gegner der geplanten Ortsumfahrung von Niederndorf wiesen an zwölf Stationen auf die Auswirkungen des Straßenprojekts im Aurachtal hin.
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David Niewelt (l.) und Thilo Schaufler hatten sich mit ihrem Infostand auf den Gleisen für früheren Aurachtalbahn postiert.    Foto: Manfred Welker
David Niewelt (l.) und Thilo Schaufler hatten sich mit ihrem Infostand auf den Gleisen für früheren Aurachtalbahn postiert. Foto: Manfred Welker
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Unter dem Motto "Herzo Süd mit Rad erfahren" informierten die Gegner der Südumgehung über den Verlauf und die Auswirkungen der geplanten Trasse. Der Start war in Herzogenaurach auf der Höhe des Schaeffler Osttors, Ende in Neuses am Erdbeerfeld.

Wie auf einer Perlenkette reihten sich die zwölf Stationen auf, die angefahren werden konnten. Beteiligt haben sich Landwirte, Imker, der Bund Naturschutz, "Igel" (Interessengemeinschaft Eigentümer und Landwirte) und Jäger. Außerdem gab es ein Quiz mit Aufgaben an jeder der zwölf Stationen.

An der stillgelegten Eisenbahntrasse hatten sich Thilo Schaufler und David Niewelt mit einem Stand postiert. Mit dem Hinweis "Für echte Probleme gibt es keine Umfahrung" auf der Straße erreichten sie das Interesse der Radler auf der viel befahrenen Strecke. Sie forderten "System Change not Climate Change" und sehen die derzeitige Verkehrspolitik als Einbahnstraße.

Etwas weiter südlich, im Garten von Siegfried Busch, gaben Lydia und Georg Winkelmann Auskunft zu Bienen und der Honigerzeugung. Siegfried Busch hat auf einem von vier Grundstücken mit jeweils rund 2000 Quadratmetern über 50 Jahre ein kleines Gartenparadies geschaffen. Er ist mit dem Garten verwachsen, hat ein kleines Haus aufgebaut und einen Teich angelegt.

Paradoxerweise hatte er schon einmal einen Garten für eine Baumaßnahme verloren. Das Grundstück erhielt er nämlich als Ausgleichsgrundstück für einen Garten, der vor über 50 Jahren beim Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals bei Kriegenbrunn verschwand. Der damalige Niederndorfer Bürgermeister bestätigte ihm, dass sein neuer Garten nicht für Straßenbau angetastet wird. Jedes Jahr Ende Januar freut er sich auf dem Areal über großflächig blühende Winterlinge.

Äcker würden zerteilt werden

Walter Winkelmann und Fritz Biermann erläuterten vor der Maschinenhalle an der Vacher Straße die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Nicht allein der Flächenverbrauch, auch die Äckerzerschneidung habe schwerwiegende Auswirkungen. Es gelte, landwirtschaftliche Flächen zu erhalten, denn: "Unser Fläche - unsere Lebensmittel".

Auch der Bund Naturschutz würde beim Bau der Trasse ein Biotop verlieren, Gerhard Häfner hatte Informationsmaterial bereit. An einer weiteren Stelle wiesen die Jäger auf die Auswirkungen auf der Fauna hin, wenn Waldflächen zerschnitten werden. Robert Erhardt vermittelte hautnah die Dimensionierung der Brückenbauwerke. Die Kritik der Engagierten gegen die geplante Trasse richtet sich gegen das Vorgehen, Verkehrsströme für die Zukunft hochzurechnen, ohne auf sich verändernde Arbeitswelten (disruptive Techniken, Digitalisierung, dezentrale Erzeugung und vor allem die geänderte Lebenseinstellung der Jugend, Themen wie Worklife Balance und Work at home) einzugehen. Auch werde der Handlungsdruck, die Umwelt zu retten, da sich die Folgen der Umwelteingriffe nun deutlich zeigen, vernachlässigt.

Parkhäuser und Pendlerbusse

Erfreulicherweise würden vermehrt alternative Verkehrsmittel genutzt, die ein Umdenken erfordern, weil sie auch Platz und Wege brauchen. Aber anstatt Druck auf den Individualverkehr aufzubauen würden weitere Parkplätze gebaut, die dadurch noch mehr Autos anziehen.

Die Aktivisten vermissen einen offenen Dialog darüber, was Herzogenaurach will und was die Bürger wollen. Das Pendlerproblem nur mit absoluten Zahlen zu betrachten, halten sie für falsch. Der Pendlerstrom brauche Lösungen für die An- und Abfahrtszeiten. Angebracht wären ihrer Meinung nach Parkhäuser in Autobahnnähe und Pendlerbusse oder gar die reaktivierte Aurachtalbahn als Firmenzubringer. Der Zuspruch von Interessierten am Sonntag motiviert die Initiatoren, die Bürger weiterhin über die Auswirkungen der geplanten Maßnahme zu informieren.

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