Herzogenaurach
Projekt

Herzogenauracher Schüler üben Demokratie

Bei der Juniorwahl erlebten die Elftklässler des Herzogenauracher Gymnasiums ihren ersten Urnengang.
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Wie bei einer echten Wahl gab es Wahlurnen und Wählerlisten.   Foto: Richard Sänger
Wie bei einer echten Wahl gab es Wahlurnen und Wählerlisten. Foto: Richard Sänger
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In der Aula des Herzogenauracher Gymnasiums ging es am Mittwoch zu wie in einem Wahllokal. Es waren Wahlurnen und Wahlkabinen aufgebaut. Die Wahlhelfer haben Listen mit Namen vor sich, machen Häkchen und warten auf neue "Wähler". Rund 120 Schüler der elften Jahrgangsstufe waren aufgerufen, bei der bayernweit stattfindenden Juniorwahl ihre Stimme abzugeben.

"Je früher Jugendliche an Wahlen und Politik herangeführt werden, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass sie im späteren Leben regelmäßig wählen gehen und sich politisch beteiligen", erklärte Wahlleiterin und Sozialkundelehrerin Karin Both-Kowalski. Damit soll den Schülern bewusst gemacht werden, welch grundlegende Bedeutung dem Bürgerrecht der allgemeinen, direkten, freien, gleichen und geheimen Wahl in der Demokratie zukommt: Die Teilnahme an Wahlen sei ein erster - aber notwendiger - Schritt zu einer umfassenderen politischen Beteiligung. Das Gymnasium beteiligte sich auch bei der letzten Bundestagswahl. "Die Bundesregierung wäre eine andere, denn unsere jungen Leute haben sehr konservativ gewählt", erzählte die Lehrerin rückblickend.

Interesse an Politik wecken

Mit der Juniorwahl soll das Interesse der Jugendlichen für Politik geweckt und Freude an politischer Beteiligung vermittelt werden. Die Grundvoraussetzung dafür ist ein generelles Verständnis des politischen Systems, was durch das didaktische Begleitmaterial für den vorbereitenden Unterricht unterstützt wird. Außerdem soll damit die Wichtigkeit fundierter Meinungsbildungsprozesse vermittelt werden, an deren Ende ein begründetes politisches Urteil der Jugendlichen steht.

Dabei geht es um das Üben und Erleben von Demokratie. Nach der Vorbereitung im vergangenen Schuljahr betraten - wie bei der echten Landtagswahl am kommenden Sonntag - die Schüler mit Wahlbenachrichtigung und Ausweis das Wahllokal. Wahlhelfer, die Wählerverzeichnisse angelegt haben und die Stimmen auszählen, sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Juniorwahl möchte einen wichtigen Beitrag für die Einbindung junger Menschen in politische Prozesse leisten und damit langfristig eine Stärkung der Demokratie bewirken.

Seit 1999 wird die Juniorwahl bundesweit zu Europawahlen, Bundestagswahlen und Landtagswahlen durchgeführt, um das Interesse an Politik zu fördern, Begeisterung für politische Teilhabe zu wecken und Wertschätzung des demokratischen Systems zu vermitteln - in diesem Jahr unmittelbar vor der Landtagswahl auch an den Herzogenauracher Schulen.

Geheime Wahl

"Ich wünsche mir ein Leben in Frieden und Freiheit und Politiker, die die Sorgen der Menschen ernst nehmen", meinte die Schülerin Kathrin, "aber was ich wähle, sage ich nicht, ist ja geheim", setzte sie hinzu. "Es geht nicht nur darum, für die Schüler eine Wahl zu simulieren, sondern auch darum, dass die Schüler das Thema Wahlen mit nach Hause nehmen. Unsere Schüler sollen nun die Juniorwahl zu Hause mit ihren Eltern und Verwandten besprechen. Denn Studien haben gezeigt, dass dies einen positiven Effekt auf die Wahlbeteiligung hat und so sogar Nicht-Wähler aktiviert werden", wünscht sich Karin Both-Kowalski. Wahlwerbung war verboten, die Jugendlichen konnten sich im Unterricht vorbereiten und auch eine Landtagsabgeordnete durfte bei ihrem Besuch im Gymnasium keine Wahlwerbung machen. "Alexandra Hiersemann gab der Klasse einen interessanten Einblick in die Arbeit des Landtages und es war schade, dass die übrigen Kandidaten keine Zeit hatten", bedauerte die Lehrerin.

Politische Bildung sei wichtiger denn je. Populistische Tendenzen, Gleichgültigkeit und fehlende Bereitschaft, politische Verantwortung zu übernehmen, würden Gefahren für die Demokratie darstellen. In einer Zeit, in der die Gruppe der über 70-Jährigen die größte Gruppe der Wahlberechtigten stellt und die Parteien Probleme mit der Nachwuchsgewinnung haben, sei es wichtig, den Jugendlichen Gehör zu verschaffen.

Das Ergebnis der Juniorwahl wird wie bei der echten Wahl am Sonntag ab 18 Uhr ermittelt und am Montagvormittag veröffentlicht.



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