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Herzogenaurach
Ehrenamt

Herzogenauracher "Heinzelmännchen" feiern Jubiläum

Seit zehn Jahren gibt es die "Herzo-Heinzelmännchen" des Herzogenauracher Seniorenbüros. Sie übernehmen Reparaturen, veranstalten Tauschbörsen und mehr.
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"Was machen wir zuerst?" Der "Heinzelmännchen"-Einsatz will sorgfältig geplant sein.  Die Fotos sind vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen entstanden. Foto: Herzo-Seniorenbüro
"Was machen wir zuerst?" Der "Heinzelmännchen"-Einsatz will sorgfältig geplant sein. Die Fotos sind vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen entstanden. Foto: Herzo-Seniorenbüro
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Unter der Bezeichnung "HerzoHeinzelmännchen" haben sich vor zehn Jahren in Herzogenaurach im früheren Berufsleben überwiegend technisch oder handwerklich tätige Senioren zusammengefunden. Derzeit sind es 15 Männer und zwei Frauen. Das sind insgesamt rund 19 Prozent aller ehrenamtlichen Mitarbeiter im Herzogenauracher Seniorenbüro, teilt dessen stellvertetender Leiter Michael Baltz mit. Eine Jubiläumsfeier dieser vielseitig tätigen Gruppe muss in diesen Zeiten zwar ausfallen, aber übergangen wird das Ereignis vom Seniorenbüro deshalb keineswegs.

Als die Gründungsväter der "HerzoHeinzelmännchen", Herbert Goldmann und Friedrich Speth, im Frühjahr 2010 die neue Gruppe vorstellten, ahnte wohl niemand, wie viele kleine Reparaturen, für die man weder einen professionellen Handwerker bekommt noch benötigt, in Herzogenauracher Haushalten so anfallen. Im Laufe der Jahre konnte manch kleines Möbelstück, Spielzeug, Küchengerät, Bekleidungsstück, im Einzelfall sogar ein altes Schmuckstück vor dem Wegwerfen bewahrt werden. An vielen Gegenständen hängt schließlich auch das Herz der Besitzer.

Sechs Termine im Jahr

Sechs Mal im Jahr gestalten die "HerzoHeinzelmännchen" das sogenannte Reparaturzentrum im Seniorenbüro. Hierher können alle Einwohner der Stadt kommen, egal ob Klein oder Groß, Alt oder Jung, Frau oder Mann. Durchschnittlich sind es 25 Besucher pro Veranstaltung. Anfang dieses Jahres kamen sogar 33 Personen, und diese nicht nur aus Herzogenaurach, sondern auch aus dem westlichen Landkreis. Man hatte schlichtweg vergessen, diese Tätigkeit bei der Einladung auf die Bewohner der Stadt zu begrenzen.

Bei allem Einsatz der Tüftler und Bastler ist aber auch festzuhalten, dass nicht alles gelingt. Angegeben wird eine erfolgreiche Reparaturquote von durchschnittlich 75 Prozent, auf die man durchaus stolz ist. Schließlich werden hier neben dem sozialen Engagement aller Beteiligten auch Zeichen gesetzt für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und gegen die oft beklagte Wegwerfmentalität in heutiger Zeit.

Hilfe auch zu Hause

Eine besondere Rolle spielen Hausbesuche. Wenn jemand nicht mehr auf die Leiter steigen kann, um die Gardinen abzunehmen oder einen Rauchmelder an der Decke zu kontrollieren, wird ebenso geholfen wie beim Einstellen des neuen Fernsehers oder anderer Geräte in der Wohnung. Im Gegensatz zum Reparaturzentrum werden hier nur hilfsbedürftige Menschen nach vorheriger Abklärung versorgt. Im Durchschnitt geschieht dies 25 bis 30 Mal im Jahr.

Die Helfer bringen zu einem solchen Einsatz nicht nur Werkzeuge mit, sondern noch etwas ganz anderes, nämlich ihre (Frei-)Zeit. So bleibt es meist nicht alleine bei der notwendigen Hilfestellung, sondern manches dabei geführte Gespräch dauert deutlich länger. Ab und an ist dabei von gar nicht so fern wohnenden Angehörigen zu hören, die helfen könnten, wenn sie dies denn täten. Ein anschließender Anruf dort durch ein "HerzoHeinzelmännchen" genügt dann oft, die Hilfsbereitschaft dieser Personen nachdrücklich zu aktivieren.

Im Laufe der Jahre hat die Gruppe zusätzliche Betätigungsfelder gefunden, darunter bewusst auch generationsübergreifende Schulprojekte: So haben sich einige Mitarbeiter aus dem Team - alle im typischen Großelternalter - gemeinsam mit Schülern der Herzogenauracher Montessori-Schule über viele Monate sehr erfolgreich mit dem Aufbau einer sehenswerten Modelleisenbahn-Anlage beschäftigt. Die Jugendlichen lernten dadurch ganz nebenbei allerlei technische Zusammenhänge in der Praxis kennen, sehr hilfreich für den späteren theoretischen Unterricht.

In einem anderen Projekt wurde interessierten Schülern das Innenleben von (schrottreifen) Computern gezeigt. Wozu wird welches Bauteil benötigt? Wie sieht eine Festplatte von innen aus? Wo sitzt das Motherboard und welche Funktion hat es? Der Ratschlag an die heutige Generation der Senioren lautet hier: Fragen Sie Ihre Enkelkinder, die kennen sich damit aus!

Aber auch um die sehr alten Einwohner der Stadt kümmert man sich. Mit liebevoll restaurierten Puppenstuben, die heute in den Gemeinschaftsräumen hiesiger und auswärtiger Altenheime stehen, werden positive Erinnerungen an die Jugendzeit geweckt. Ganz aktuell ist eine weitere restaurierte Puppenstube auch im Jugend- und Kinderkrankenhaus der Uni-Klinik Erlangen mit großer Freude aufgestellt worden.

Ersatz fürs Kino

Keinerlei Altersgrenze kennen zwei weitere Aktivitäten, die ins Leben gerufen wurden: Zum einen die seit 2018 immer von November bis März jeweils am ersten Donnerstag eines Monats stattfindenden "Filmabende 60plus": Dabei werden besonders sehenswerte Filme gezeigt, und die Besucherzahlen zwischen 30 und 60 Gästen pro Vorstellung machen deutlich, dass das gemeinsame Film-Vergnügen in einer Stadt ohne Kino manchen Fernsehabend alleine zu Hause deutlich übertreffen kann.

Zum anderen werden unter dem Begriff "HerzoTausch", moderiert von Hans-Jürgen Heinzel, regelmäßig Tauschbörsen veranstaltet, bei denen neben Sachwerten vor allem auch Leistungen und Fähigkeiten angeboten und genutzt werden können. Hier kooperiert man mit der "Organisierten Nachbarschaftshilfe Dechsendorf, Erlangen & Umgebung" (OND). Über eine Internetplattform, persönlich bei den monatlichen Markttreffen im Martin-Luther-Haus oder über die quartalsweise erscheinende Marktzeitung bestehen zahlreiche Möglichkeiten zu tauschen und sich auszutauschen.

Die vielfältigen Aktivitäten der "HerzoHeinzelmännchen" sind nach Aussage der Verantwortlichen im Seniorenbeirat und -büro ein unverzichtbarer Bestandteil in der Seniorenarbeit Herzogenaurachs geworden. Auf die stetige Unterstützung seitens der Stadtverwaltung und des Stadtrats wird dabei ausdrücklich hingewiesen. Die Mitglieder dieser Gruppe - so heißt es weiter - beweisen mit ihrer Kreativität und ihrem Einsatz durchaus, welche Erfolge und persönlichen Bestätigungen auch nach dem Ende einer beruflichen Tätigkeit im Ehrenamt möglich sind.