Herzogenaurach
Schülerfahrt

Herzogenauracher Gymnasiasten bauen mit am "Haus Europa"

Herzogenauracher Gymnasiasten verbringen dreieinhalb Monate im Jahr im spanischen Salamanca. Seit zehn Jahren gibt es das Schulprojekt.
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Drei Generationen: Diese Schüler des Herzogenauracher Gymnasiums waren bereits in Salamanca oder fahren heuer dorthin. Lehrer Martin Schlund-Götz (Mitte) ist dabei.  Foto: Bernhard Panzer
Drei Generationen: Diese Schüler des Herzogenauracher Gymnasiums waren bereits in Salamanca oder fahren heuer dorthin. Lehrer Martin Schlund-Götz (Mitte) ist dabei. Foto: Bernhard Panzer
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Helmut Kohl war nicht nur der Kanzler der Einheit. Er trug auch den europäischen Gedanken in sich. Europa dürfe keine Festung werden, sondern es müsse ein offenes Europa sein, sagte er im Jahr 1991. Diese Vision des Staatsmannes war der Antrieb für den Lehrer Martin Schlund-Götz, am Herzogenauracher Gymnasium ein Projekt zu starten, das sich der europäischen Idee verpflichtet. Das war vor zehn Jahren, und es ist nach wie vor lebendig.

Seit zehn Jahren also fahren jährlich im September Schüler aus der zehnten Jahrgangsstufe des Herzogenauracher Gymnasiums in die spanische Stadt Salamanca. Sie verbringen dort dreieinhalb Monate, vertiefen ihre Sprachkenntnisse und lernen die Menschen und ihre Kultur kennen. 75 Jugendliche waren es in diesen zehn Jahren, und auch heuer fliegen wieder fünf Schüler in die rund 2000 Kilometer, nordwestlich von Madrid gelegene Universitätsstadt, die mit ihren rund 145 000 Einwohnern etwa so groß ist wie Regensburg.

600 Euro plus Flug

Salamanca ist aber auch die Partnerstadt von Würzburg. Und weil Schlund-Götz in Unterfranken studiert hat, sind damals die ersten persönlichen Kontakte zu den Spaniern entstanden. Am Graf-Münster-Gymnasium in Bayreuth hat er die Idee erstmals umgesetzt und fünf Jahre praktiziert. In Bayreuth, so sagt der Lehrer, habe es viele alleinstehende Mütter gegeben. Sie hätten so einen langen Aufenthalt ihrer Kinder über eine Agentur nicht finanzieren können. Also sprang die Schule ein.

Auch am Herzogenauracher Gymnasium fand die Idee, die jungen Leute am offenen Europa teilhaben und am "Haus Europa" mitbauen zu lassen und sie hinauszuschicken in die Welt, schnell Zustimmung. Gleichwohl kostet das Projekt die Eltern auch Geld, etwa 600 Euro zuzüglich Flug.

Der Mittelstufenbetreuer Schlund-Götz begleitet die Teilnehmer die erste Woche, dann stehen sie auf eigenen Füßen. Untergebracht sind die 15-Jährigen in Gastfamilien oder in studentischen Wohngemeinschaften. Und so entstehen auch Freundschaften, die über Jahre hinweg anhalten. Die keine Grenzen kennen und für ein offenes Europa sprechen.

"Der europäische Gedanke lässt sich vor allem dann am Leben erhalten, wenn Menschen und Kulturen sich begegnen", berichtet der Lehrer in seinem Jubiläumsbeitrag im kommenden Jahresbericht. Die Aussagen der Schüler belegen das. Eva-Maria war vor zwei Jahren dabei und spricht von einer "unbezahlbaren Erfahrung". Durch den Kontakt mit den Gastgebern habe sie erkannt: "Die Spanier sind alle super spontan."

Der Perso genügt

Im gleichen Jahr war Johanna Hartkopf in Salamanca - und hat Freunde gefunden. Über Pfingsten fliegt sie zum zweiten Mal privat nach dem offiziellen Projekt dorthin. "Wir können uns einfach in den Flieger hocken", sagt sie. Das sei viel entspannter als wenn sie in die USA möchte. "Der Perso genügt."

Und Anabel Wächter weiß: "Wenn wir kein Europa hätten, wäre das alles nicht so einfach." Sie ist im September erstmals dabei und hofft natürlich, "dass es so kommt, wie alle sagen." Sie selbst wolle für sich vor allem viel Kultur und Sprache "mitnehmen". Freilich hält sie das Projekt "schon ein bisschen abgefahren. Dreieinhalb Monate weg, das hab ich noch nie gemacht", sagt die 15-Jährige.

Aber genau das ist es, was nach Meinung des Initiators wichtig und einprägsam ist. "Was muss ein bayerisches Gymnasium im Zusammenhang mit seinem Bildungsauftrag leisten? Es wird jedenfalls nicht reichen, wenn Politiker im Rahmen von Europawochen die Schulen besuchen, um mit Schülern zu diskutieren und ihnen ihre Erfahrungen mit Brüssel weiterzugeben", schreibt Schlund-Götz. Gerade in der heutigen Zeit, da Europas Gegner "das Nationale aus der Mottenkiste der Geschichte hervorkramen".

Europawahl? Ja natürlich!

Am Herzogenauracher Gymnasium werde das beherzigt: "Mit unserem Salamanca-Projekt fühlen wir uns der europäischen Idee seit nunmehr zehn Jahren in hohem Maße verpflichtet."

Und so ist es auch keine Frage, dass alle Schüler, die schon teilgenommen haben oder das noch tun werden, am Sonntag auch zur Wahl gehen würden, wenn sie als Jugendliche das denn schon dürften. Europawahl? - "Ja natürlich!"

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