Herzogenaurach
Übergabe

Herzogenauracher Grüne zeichnen Historiker aus

Mark Deavin bekam für seine Nachforschungen über Euthanasie-Opfer aus Herzogenaurach die "Bürgerwilma" verliehen.
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Dieter Lohmaier (3. v. l.) übergibt die Bürgerwilma an Mark Deavin.   Foto: Richard Sänger
Dieter Lohmaier (3. v. l.) übergibt die Bürgerwilma an Mark Deavin. Foto: Richard Sänger
Aus den Händen des Vorjahrespreisträgers, Dieter Lohmaier vom Verein Herzo TV nahm Mark Deavin den Wanderpreis "Bürgerwilma" entgegen. Zum 21. Mal verlieh der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen im Niederndorfer Gasthaus "Fasanengarten" die Bürgerwilma, was sprachlich mit der "Der Bürgerwille macht's" übersetzt werden kann, wie Sprecherin Uschi Schmidt bei der Feierstunde betonte. Der Preisträger Mark Deavin hielt im Januar zum Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialisten im Sitzungssaal des Rathauses einen Vortrag über die Verfolgten des Euthanasieprogrammes in Herzogenaurach.
Die Propaganda habe auch im Deutschen Reich ganze Arbeit geleistet: Es gab lebenswertes und lebensunwertes Leben. Lebenswert war, wer groß, blond, blauäugig und stark war. "Lebensunwert - was ist lebensunwertes Leben? Menschen, die blind, taub und gelähmt im Bett liegen? Menschen, die keine Hoffnung mehr haben? Menschen, die sagen: ich will sterben, mein Leben hat keinen Sinn mehr. Natürlich nicht! Es war Propaganda. Es wurden Menschenversuche gemacht: wie lange kann jemand hungern, bis er stirbt? Was bricht den Willen?", schickte Uschi Schmidt ihrer Laudatio voraus.


"Menschen wie du und ich"

"Was wir am 28. Januar am Abend im Rathaus zu hören bekamen, war nicht nur, wie da jemand mit Akribie Menschen dem Vergessen entrissen hat, sondern was diesen Menschen angetan wurde. Wie jemand von der unbescholtenen Ehefrau in die Nervenheilanstalt eingewiesen und für verrückt erklärt wurde. Wie jemand, traumatisiert von Kriegserlebnissen, als kritischer Geist zum Schweigen gebracht wurde, statt behandelt zu werden. Wie einfache Menschen eliminiert wurden", erklärte Uschi Schmidt.
Mit: "Aber du hast den Schleier vom Vergessen gezogen und uns gezeigt: Es waren Menschen wie du und ich. Traumatisiert, vielleicht etwas einfachere Leute, vielleicht nur eine unbequeme Ehefrau, und selbst wenn sie es versuchten, die Verwandten konnten sie nicht retten", wandte sich Uschi Schmidt an Mark Deavin. So sollte das Entsetzen über die Vergangenheit Antrieb sein, in Zukunft besser zu handeln.
Mark Deavin wurde in Birmingham geboren, studierte Geschichte und Jura und promovierte zum Europäischen Recht und dem Einfluss auf Großbritannien. Er arbeitet an der Uni in Bayreuth und seine Arbeit gibt ihm viel Freiraum für eigene Studien. Ausgelöst wurden seine Recherchen durch einen Film: "Nebel im August". Dort wird das Schicksal eines Jungen in der NS-Zeit dargestellt, der in einer Heil- und Pflegeanstalt getötet wurde.
Durch Befragung von Zeitzeugen in Herzogenaurach, Ermittlungen im Bundesarchiv und weiteren Quellen konnte er einigen der 13 Herzogenauracher Opfer Name und Gesicht wiedergeben. Zusammen mit der Uniklinik in Erlangen recherchiert Mark Deavin derzeit das Schicksal von Erlanger Kindern, die in der Pflegeanstalt in Ansbach ums Leben kamen. Die Kinder waren acht Monate bis sechs Jahre alt und es soll auch ein Denkmal mit den Namen vor der Klinik errichtet werden.
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