Herzogenaurach
Herzo-Base

Herzogenaurach: Sportbekleidung auf dem Notlandeplatz

Dort, wo die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Militärgelände betrieben, entsteht jetzt ein neuer Stadtteil.
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Das Ortsschild "Herzo-Base" erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Geländes. Foto: Manfred Welker
Das Ortsschild "Herzo-Base" erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Geländes. Foto: Manfred Welker
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Im Norden von Herzogenaurach entsteht ein neues Wohngebiet. Auch der Firmensitz von Adidas ist dort zu finden. Auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen war ab 1934 ein Notlandeplatz angelegt worden, der sich zu einem Fliegerhorst der Deutschen Luftwaffe entwickelte. Das militärische Areal zwischen Herzogenaurach und Haundorf wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von den US-Amerikanern unter dem Namen Herzo-Base genutzt. Seit der Auflassung des Militärgeländes entwickelt sich dort ein neuer Stadtteil von Herzogenaurach.


Horstkommandatur

Die Anfänge sind jedoch bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zu suchen. Offiziellen Verlautbarungen nach war ein Notlandeplatz für die Deutsche Verkehrsfliegerschule geplant. Die 1935 angelaufenen Baumaßnahmen führten zur Errichtung der Gebäude auf dem bisher immer nur "Notlandeplatz" apostrophierten Gelände. Doch bereits am 1. Oktober 1935 gruppierte das Reichsministerium für Luftfahrt die Anlage von Herzogenaurach als Horstkommandantur ein.
Um das zunächst grasbewachsene Flugfeld reihten sich Werftbereich, Lehrwerkstatt, Flugzeughallen, Versorgungsgebäude mit Kfz-Bereich, Küche, Kantine und Offizierskasino, außerdem Mannschaftsunterkünfte, Kommandantur, sowie Wohnhäuser für verheiratete Offiziere. Die Start- und Landebahn wurde später aus Backsteinen angelegt.

Der Schulungsbetrieb mit zweisitzigen Schulungsflugzeugen der Marken Arado, Heinkel, Klemm und Focke-Wulf begann am 1. März 1936.
Am 15. Juli 1939 war das Jagdgeschwader 70 auf dem Fliegerhorst stationiert, das am 13. September 1939 im neu aufgestellten I. Jagdgeschwader 54 aufging, das den Namen "Grünherz" trug. Im Jahr 1940 wurde die Jagdfliegerschule 4 eingerichtet, die ausgebildeten Flieger wurden dann an die Front abkommandiert. Von direkten Kriegseinwirkungen blieb der Fliegerhorst verschont, obwohl die Lage bekannt war, die Royal Air Force besaß Aufklärungsfotos der gesamten Anlage. Am 10. September 1944 stürzte sogar eine Mustang P-51 D (Nr. 44-13843) der 55. Fighter Group/ 343. Fighter Squadron der 8. Air Force mit Pilot 2nd Lt. Maynard R. King in einen Flugzeughangar. Die Maschine war als Jägerbegleitung für einen Angriff der US-Airforce auf Nürnberg mit Bombern des Typs B-17 unterwegs.


Flugplatz nach dem Zweiten Weltkrieg

In den beiden letzten Kriegsjahren waren auf dem Herzogenauracher Flugplatz zusätzlich Nahaufklärungsgruppen stationiert, um den Jahreswechsel 1944/45 wurden die Flieger auf die Aufklärerversion des Düsenjägers Me 262 umgeschult.
Nach dem Einmarsch der US-Amerikaner am 16. April 1945 wurde die militärische Anlage von diesen genutzt, zunächst noch als Flugplatz.

Von 1947 bis 1971 befand sich auf der Herzo-Base ein Horchposten des US-Nachrichtendienstes, stationiert waren das 2nd Radio Squadron Mobile, das 52th Signal Service Detachment und die 114th Signal Radio Intelligence Companies, die unter dem Dach der Army Security Agency (ASA) zusammengefasst waren.

Von 1972 bis zur Auflösung im Jahr 1992 befanden sich verschiedene Artillerie-Einheiten auf der Herzo-Artillery-Base. Die Umwälzungen im Ostblock stellten auch den Standort Herzo-Base in Frage. Im August 1991 überraschte die Meldung, dass von 1100 stationierten Soldaten 650 Soldaten abgezogen würden. Noch schien aber sicher, dass der Standort erhalten bliebe. Im Oktober 1991 hieß es dann auch für die Soldaten des V. Bataillons der 17. Feldartillerie endgültig Abschied zu nehmen von der Herzo-Base. Aus der Herzo-Base wurde ein "Area Support Team". Als der komplette Abzug unvermeidlich war, wurden im Herzogenauracher Rathaus Überlegungen angestellt, wie mit dem 117 Hektar großen Areal zu verfahren sei. Eine einmalige Chance würde sich hier für die Kommune ergeben, so die allgemeine Meinung. Zwischennutzungen für die Gebäude auf der Base für einige Jahre wurden ins Auge gefasst, bis ein endgültiges Konzept zum Tragen kommen könnte. Am 31. Juli 1992 wurde die Herzo-Base offiziell an die Bundesrepublik Deutschland übergeben. Vor dem Heim des Golfclubs beobachteten Oberstleutnant Kenneth Pankey und Heinz Walker von der Bundesvermögensverwaltung die Einholung der amerikanischen Fahne, die der Stadt Herzogenaurach zur Erinnerung übergeben wurde. Am 3. August 1992 verließ Barry Robinson als letzter Amerikaner die Herzo-Base, die Wach- und Schließgesellschaft sicherte von dem Zeitpunkt an das Areal. Eine Sammelstelle für Asylbewerber oder eine Asylantenunterkunft wurde nicht, wie angedacht, eingerichtet. Am 14. April 1997 erhielten die Stadt Herzogenaurach und die Sparkasse den Zuschlag für die ehemalige Herzo-Base.


Adidas-Hauptverwaltung

Nur wenige Tage später, am 29. Juli 1997, unterrichtete Adidas-Vorsitzender Michel Perraudin die Presse, dass die Adidas AG plane, ihre neue internationale Hauptverwaltung in Herzogenaurach zu errichten. Unter dem Namen "Adidas World of Sports" sollten auf dem Gelände der ehemaligen Herzo-Base-Hauptverwaltung, Kundenbetreuungszentrum, Kollektionsräume, Konferenzzentrum, Zentrum für Forschung, Entwicklung und Innovation, Design- und Produktentwicklungszentrum, Adidas-Erlebniswelt mit Museum, Sportanlagen und ein Spitzensport-Trainingszentrum mit Grünanlagen entstehen.

Der Stadtrat billigte ein Programm des städtebaulichen Wettbewerbs, mit dem die Entwicklungsgesellschaft den optimalen Flächennutzungs- und Bebauungsplan für das Gelände finden wollte. Darin enthalten waren auch ein Wohngebiet für 2500 bis 2800 Menschen, sowie das im Bau befindliche Campusgelände "World of Sports". In einem ersten Bauabschnitt wurden leerstehende Gebäude zur vorübergehenden Nutzung für Adidas-Mitarbeiter umgebaut. Dabei handelte es sich um die ehemaligen Mannschaftsgebäude, die so genannten "Kammgebäude".

Die fortschreitenden Baumaßnahmen bedeuteten für die dort zwischenzeitlich angesiedelten Firmen allmählich Abschied von der Herzo-Base zu nehmen. Am 28. April 1999 konnte das Richtfest im Adidas-Mitarbeiterrestaurant "Stripes" auf der Herzo-Base gefeierte werden, am 16. Dezember 1999 wurde es eröffnet.
Beim ausgelobten Architekturwettbewerb erhielt Marc Angélil, Architekturprofessor mit Büro in Zürich, den ersten Preis für sein Konzept der Gestaltung der ehemaligen Herzo-Base. Der aufgestellte Masterplan wurde im Februar 2000 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die SPD-Fraktion im Stadtrat setzte sich dafür ein, den Eingangsbereich mit Kommandantur und das Wachhäuschen der ehemaligen Kaserne zu erhalten, um darin ein kleines Dokumentationszentrum und eine Begegnungsstätte einzurichten. Deren Sanierung blieb umstritten, der Kulturausschuss des Stadtrates ließ sich durch das Gebäude führen, wurde aber durch die hohen Kosten abgeschreckt. Ein Antrag, der dem Stadtrat zur Abstimmung vorlag, wurde knapp zurückgewiesen. Im Juli 2002 begann der Abriss der Kommandantur und des Eingangsbereichs.
Abgebaut wurde auch das Schild "HERZO Artillery BASE", das nun wieder an einer anderen Stelle aufgestellt wird.

Inzwischen sind alle ehemaligen Flugzeughallen und auch die Panzerwaschanlage von der Bildfläche verschwunden.
Auf dem Golfplatz war im August 2002 der letzte Abschlag für das Prominententurnier, zu dem Prominente wie Rosi Mittermaier, "Kaiser" Franz Beckenbauer, Otto Waalkes, Johannes B. Kerner und Ralph Siegel erschienen waren.


Adi-Dassler-Sportplatz

Ab dem 6. September 2004 wurde an einem bundesligatauglichen Fußballfeld mit Naturrasen, umrundet von einer sechsbahnigen 400-Meter-Kunststoffbahn nebst Dusche, Umkleide, Tribünen mit Sitzplätzen wie auch einem Lager für Sportgeräte, gebaut. Im Juli 2005 konnte der Adi-Dassler-Sportplatz eröffnet werden. Am 29. Mai 2006 wurde eine lebensgroße Bronzeskulptur von Adolf Dassler aus der Werkstatt des Bildhauers Josef Tabachnyk auf der Tribünenreihe des Adi-Dassler-Stadions aufgestellt.
Am 10. Juni 2011 eröffnete Adidas sein hochmodernes Firmengebäude "Laces", für die Mitarbeiter wurde das Parkhaus Nordost am 28. Januar 2014 seiner Bestimmung übergeben.
Für das Wohngebiet "World of Living" wurde im Jahr 2002 ein Städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Die Wohnbebauung soll in drei Inseln erfolgen, der nördlichste Abschnitt ist bereits zum größten Teil bebaut. Die ersten Bewohner des neuen Wohngebiets, die Familie Töpperwien, konnte am 15. September 2004 als erste auf der Herzo-Base in ihr neues Haus einziehen. In diesem Wohngebiet konnte am 12. Oktober 2013 der Kindergarten St. Franziskus seiner Bestimmung übergeben werden, dessen Träger die Katholische Kirche ist. Am 31. Oktober 2013 war der Spatenstich für den Bauabschnitt II und III des Wohngebiets.
Inzwischen hatAdidas zusätzlich zu "Spikes" (= Kammgebäude) noch die Gebäude "Allround" (Versorgung), "The Shed" (Schulung), "Stripes" (Mitarbeiterrestaurant), "Consumer Center" (ehemals aBC, Adidas BrandCenter), "Gym" (Sportanlage) und "Kindertagesstätte", "Laces" (Verwaltung), Parkhaus, Adi-Dassler-Sportplatz und die Gebäude MNO errichtet.
Im Dezember 2003 wurde im Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach der neue und gleichzeitig auch alte Name für den neuen Stadtteil von Herzogenaurach bekanntgegeben: Herzo-Base. Die neuen Schilder mit der Aufschrift "Herzo-Base" wurden Ende Februar 2004 aufgestellt.


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