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Herzogenaurach
Partnerstadt

Herzogenaurach bringt Wasser und Latrinen nach Burkina Faso

Herzogenaurach und Chatellerault in Frankreich unterstützen ihre gemeinsame Partnerstadt in Burkina Faso. Ziel eines neuen Projektes ist, die hygienische Situation in den 71 ländlichen Ortsteilen nachhaltig zu verbessern.
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Grafik: Franziska Schäfer
Grafik: Franziska Schäfer
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Der Ingenieur Sylvain Doamba ist der Chef des Wasseramts von Kaya, der Herzogenauracher Partnerstadt in Afrika. Sein Ziel ist es, in den 71 Dörfern, die zur Stadt Kaya gehören, öffentliche Latrinen zu bauen und vier Brunnen wiederherzustellen sowie zwei neue zu bohren.

Stadträtin Doris Wüstner, Petra Mauser vom Partnerschaftsverein und Dolmetscherin Rosa Abel lernten den jungen Mann bei einem Treffen in Chatellerault im Limousin kennen und seine Ideen und Vorhaben schätzen. Grund für dieses mehrtägige Treffen war das "trilaterale Wasser- und Abwasserprojekt", das von 2013 bis 2015 durchgeführt wird.

Französischer Weg

Es ist ein für deutsche Verhältnisse ungewöhnlicher Weg der Entwicklungshilfe. Die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene orientiert sich, so Wüstner, an den andersartig gestaltetem französischen Vorgehen.
Hier obliegt es den Kommunen - mit Hilfe von Geldern aus dem Entwicklungsministerium - verschwisterten Kommunen überwiegend in den ehemaligen Kolonien in Afrika Hilfestellung zu geben.

Aufschlag auf Wasserpreis

So hat die Stadt im Limousin bereits den Aufbau des Wasseramts in Kaya finanziert. Zum Teil auf einem hierzulande nicht bekannten Weg. Ein französisches Gesetzt erlaubt es, einen Aufschlag auf den regionalen Wasserpreis zu machen. So ging Chatellerault und die zuständige Wassergesellschaft Loire-Bretagne vor. Chatellerault schlägt 0,59 Prozent auf. "Eine Umfrage hat ergeben, dass die Bürger dafür sind", betonte Wüstner.

Im zweiten Teil des Projekts kommt auch Herzogenaurach zum Zuge. Aus dem Erlös des Kaya-Laufes werden 20.000 Euro zum Bau eines Brunnens bereit gestellt. Insgesamt will Doambo 283 Latrinen errichten; beispielsweise sollen alle Schulen mit den Trockentoiletten und Wasseranschlüssen ausgestattet werden. Auch in den ländlichen Hausgemeinschaften mit 30 bis 40 Bewohnern ist das möglich, wenn die Bewohner viel Eigenleistung wie Ziegel erbringen.

109.000 Euro sollen die Vorhaben kosten. Durch Toiletten in den Schulen hofft man auch Mädchen für längeren Schulbesuch zu gewinnen. Viele wurden aus Scham wegen fehlender Latrinen ab der Pubertät davon abgehalten. "Wir waren angenehm überrascht, wie professionell Ingenieur Doambo das Projekt vorgestellt hat", berichtete Wüstner weiter von dem Drei-Städte-Treffen.

Ehrenamtlicher Bürgermeister

An ihm nahm auch der neue Bürgermeister von Kaya, Charles Sawadogo, teil. Die Herzogenauracher Delegation war sehr angetan von ihm. Der Banker, der nach Landesrecht das Bürgermeisteramt in der 130.000-Einwohner-Stadt ehrenamtlich ausübt, hat die Probleme der zunehmenden Verstädterung erkannt. Das Bevölkerungswachstum in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Erde, lässt das traditionelle Ausweichen in die Natur für die Notdurft nicht mehr zu. Seine oberste Priorität lautet: "Unsere Stadt soll sauberer werden."

An Tradition anknüpfen

Das Drei-Städte-Projekt stülpt der afrikanischen Region nicht punktuell ein europäisches System über, sondern knüpft behutsam am Vorhandenen an. So gehört eine ordentliche Portion Aufklärungs- und Schulungsarbeit dazu, dass es gesundheitsförderlich ist, die Trockenlatrinen zu benutzen. Dem Klima entsprechend wird bewusst auf die Wasserspülung verzichtet.

Kaya-Lauf übernommen

Die menschlichen Exkremente trocknen in den Fallgruben und werden von dort als Dünger auf die Felder gebracht. Hingegen gäbe es große hygienische Bedenken würde nasser Grubeninhalt so verwendet.
Die Hälfte der Kosten für die Projektstufe zwei soll über den "Wasserpfennig" aufgebracht werden. Im Oktober fällt die Entscheidung und im Januar soll bereits das erste Geld nach Kaya fließen, brachten Wüstner und Mauser aus Chatellerault mit. Und noch etwas: Chatellerault hat den hiesigen Kaya-Lauf übernommen.

Parallel läuft das Projekt des Kaya-Partnerschaftsvereins weiter, berichtete Mauser. Chatellerault finanziert das Schulhaus im Stadtteil Kankande; der Herzogenauracher Verein übernimmt die Kosten _ rund 10.000 Euro - für Brunnen, Latrine, Küche und Schulgarten.

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