Vestenbergsgreuth

Helmut Fürstenhöfer: ein Volksmusik-Autodidakt

Helmut Fürstenhöfer singt seit seiner Kindheit, zu den Instrumenten fand er erst viel später. Heute ist er vor allem mit dem Franken-Duo aktiv.
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Fritz Rabenstein (l.) und Helmut Fürstenhöfer bilden das Franken-Duo.  Foto: privat
Fritz Rabenstein (l.) und Helmut Fürstenhöfer bilden das Franken-Duo. Foto: privat
Wer sich mit 40 Jahren das Gitarre spielen selbst beibringt, wer mit 60 Jahren Akkordeon-Unterricht nimmt und zwischendurch auch noch Tenorhorn und Tuba lernt, der ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Spätberufener", wie Helmut Fürstenhöfer über sich selbst sagt. Das ist der Vestenbergsgreuther allerdings nur als Musiker, denn gesungen hat er schon immer gern und viel.

In der fünften Klasse der Volksschule sang er die zweite Stimme im Chor, und mit 17 trat er in den Gesangverein Liederkranz ein. "Das war damals selbstverständlich", erzählt Fürstenhöfer, schließlich probten die Sänger im Wirtshaus, das seine Familie betrieb. Aber Spaß machte es eben auch, und im Chor singt er auch heute noch.
Seine Liebe gehörte immer der Volksmusik, berichtet Fürstenhöfer, schon als junger Mann hörte er lieber Quetschn-Klänge als beispielsweise Jazzmusik, die in der Nachkriegszeit auch in Deutschland immer mehr in Mode kam. Nur die Zeit, selbst ein Instrument zu erlernen, fehlte dem heute 73-Jährigen. Das änderte sich, als er im Alter von 40 Jahren die Gastwirtschaft aufgab.
"Plötzlich hatte ich am Abend frei", sagt Fürstenhöfer schmunzelnd, und mit der Hilfe einiger Lehrbücher brachte er sich das Gitarre spielen selbst bei.

Zaghafte Anfänge


Das waren die Anfänge des Volksmusikers Helmut Fürstenhöfer, der heutzutage mit seinem Partner Fritz Rabenstein als Franken-Duo diverse Veranstaltungen der Region bereichert und des Öfteren auch in der Volksmusik-Sendung von Bayern 1 zu hören ist. Vor ungefähr 30 Jahren allerdings begleitete er zaghaft mit der Gitarre ein paar Lieder bei den Proben seines Gesangvereins, bis ihn die Vorsitzende Karin Fochler fragte, ob er nicht gemeinsam mit ihr und Sängerkollegin Alexandra Schwab bei einer Hochzeit auftreten will. Er wollte, und so entstand der Greuther Dreigesang.

"Weil wir dann noch öfters auftraten, war ich gezwungen, zu üben, sonst hätte ich vielleicht wieder aufgehört", erinnert sich Fürstenhöfer. Aber der Greuther Dreigesang kam gut an und bekam beispielsweise bei der Sommerserenade des Liederkranzes für seine fränkischen Volkslieder viel Applaus. 2001 wurde Emil Händel, der damalige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft fränkische Volksmusik (Arge), auf die Gruppe aufmerksam und ließ sie auf einer Volksmusik-CD mitsingen. "Leider", sagt Fürstenhöfer, ist der Dreigesang etwas eingeschlafen, weil Alexandra Schwab inzwischen die Zeit fehlt.

Langweilig wird dem Vestenbergsgreuther deswegen aber nicht, denn er hatte inzwischen nicht nur nebenbei im Posaunenchor Schornweisach/Vestenbergsgreuth Tenorhorn und Tuba gelernt und spielt diese auch heute noch bei der Greuther Dorfmusik, sondern 1998 auch das Franken-Duo gegründet. Damit erfüllte sich Fürstenhöfer einen lang gehegten Wunsch. Er wollte schon immer gerne auch die etwas derberen Volkslieder singen, "und das kann man mit einem Mann halt einfach besser als mit zwei Frauen". Er tat sich mit seinem alten Bekannten Fritz Rabenstein aus dem Nachbarort Schornweisach zusammen, und mit ihm ist er nun seit fast 15 Jahren unterwegs. Mal mit der Steirischen, mit der er sich im Alter von 60 Jahren anfreundete, und mal mit der Gitarre begleitet Fürstenhöfer die Lieder, die die beiden gemeinsam singen.

Texte aus dem Gedächtnis


Dabei kommt dem 73-Jährigen seine Vergangenheit zugute, denn oft erarbeitet er sich Stücke, die er irgendwann mal als Jugendlicher im Wirtshaus oder später auf einem Musikanten-stammtisch gehört hat. Ein Beispiel dafür ist "20 Jahre später", zu dem es keine Noten gibt und von dem Fürstenhöfer meint, es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Flüchtling gehört zu haben. Aus dem Gedächtnis heraus rekonstruierte er den Text, die Melodie ist von "Gold und Silber lieb‘ ich sehr" entliehen. "20 Jahre später" ist eines von den Stücken, die das Franken-Duo für das Studio Franken des Bayerischen Rundfunks aufgenommen hat und für das Fürstenhöfer immer wieder Anfragen aus ganz Deutschland bekommt. Verse wie folgender kommen bei Volksmusikern gut an: "Unsre Mädchen rüsten sich, vor der Eh' beizeiten - tragen oft schon manch Kostüm, lernen schwimmen, reiten - boxen oft mit einem Mann, fahren Ski und Skater - doch das Kochen lernen sie 20 Jahre später ..."

Auf diese Art und Weise zieht die Volksmusik manchmal ihre Kreise, wobei Fürstenhöfer die Trennung zwischen volkstümlicher Musik und Volksmusik nicht ganz so streng sieht wie manche seiner Kollegen. Natürlich sei es gut, dass dank der Arge und der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik die alten Lieder vermehrt weitergegeben werden, aber genauso wenig, wie es hier nur gute Stücke gebe, seien alle massentaug-lichen, volkstümlichen Lieder schlecht. Und auch wenn der Vollblut-Sänger und -Musiker das Gefühl hat, dass das Interesse an der echten, fränkischen Volksmusik derzeit wächst, eines bedauert er doch: "Früher ist man ins Wirtshaus gegangen, und wenn die Stimmung gut war, hat man gesungen. Wenn heute jemand im Wirtshaus zu singen anfängt, heißt es höchstens: Schau hin, der ist doch besoffen."

Kontakt: Wer das Franken-Duo einmal live erleben oder für seine eigene Veranstaltung buchen will, kann bei Helmut Fürstenhöfer unter Telefon 09163/8362 einen Termin erfragen.

Die Serie: Fränkische Volksmusik ist wieder im Kommen, das ist sowohl an der steigenden Zahl von Veranstaltungen wie Heimatabenden oder Wirtshaussingen abzulesen als auch an der wachsenden Besucherzahl. In unserer Serie "Volksmusik aus Franken" stellen wir Menschen aus der Region vor, die sich um die fränkische Volksmusik kümmern, sei es vor oder hinter den Kulissen.

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