Niederndorf
Lesung

Heimelige Geschichten aus Franken

Heike Auer stellte in der Niederndorfer Grundschule ihr Buch "Die Kinder von Kirchsteinach" vor.
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Der Karpfen Ferdinand spielt eine wichtige Rolle in Heike Auers Buch "Die Kinder von Kirchsteinach". Foto: Richard Sänger
Der Karpfen Ferdinand spielt eine wichtige Rolle in Heike Auers Buch "Die Kinder von Kirchsteinach". Foto: Richard Sänger

Zum Start in den Advent hatte die Cunz-Reyther-Grundschule einen besonderen Gast. Die Grundschullehrerin und Autorin Heike Auer las aus ihrem Erstlingswerk "Die Kinder von Kirchsteinach". Die Autorin lebt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und die Handlung des Buchs spielt auch im Aischgrund. Für ihre Geschichten hat sie sich den Ort Kirchsteinach ausgedacht, der symbolisch für ein Dorf im Landkreis steht.

"Nahezu alle Kinderbücher handeln von irgendwelchen Orten, und deswegen wollte ich mal Geschichten aus Franken schreiben", erklärte Heike Auer. Den Schülern stellte sie die Personen in ihren Geschichten zu Beginn erst einmal vor. Da sind die Familien mit ihren Kindern und Tieren auf dem Kilianshof und dem Mausenhof. Die Kinder erfahren vom Alltag, von traditionellen Bräuchen und dem historischen Hintergrund von Weihnachten, wie vorchristliches und christliches Brauchtum miteinander verflochten sind.

"Viel schöner als im Märchen ist der Adventsmarkt in Kirchsteinach, einer der Schauplätze, über die ich in meinem Buch schreibe", erklärte die Autorin den mucksmäuschenstill lauschenden Kindern. So hat das Dorf eine romanische Kirche, eine kleine Volksschule, eine Sparkasse, kleine Geschäfte, zwei Wirtshäuser und an beiden Enden ökologisch bewirtschaftete Bauernhöfe: den Kilians- und den Mauserhof, die aussehen wie die in traditionellen Bilderbüchern.

Der erste Advent wird gemeinsam im Gemeindehaus gefeiert, dabei hat Lisa die Idee, auf Weihnachtsgeschenke zu verzichten und stattdessen etwas fürs Tierheim Unternesselbach zu tun. Vogelfutter wird gemeinsam hergestellt und von Lisa und Bernd im Wald verteilt. Im Dorf gibt einen Kinderchor, geleitet von der ehemaligen Religionslehrerin und Mitglied des Kirchenvorstandes, Frau Ohlmann. Für den Adventsmarkt am dritten Advent wird ein Krippenspiel eingeübt.

Der Karpfen wird gerettet

Auf dem Weg zur Generalprobe sieht Andi, wie der Mauserbauer ausgerechnet den Karpfen abfischt, den er im Sommer immer mit den Resten seines Pausenbrotes gefüttert hat. Doch der Bauer wird durch die Geburt eines Kälbchens vom Weiher weggeholt, und zusammen mit Konstanze und Max nimmt Andi, auf die Tierliebe seiner Mutter vertrauend, den Karpfen mit nach Hause. Nach einigen Wirrungen darf der Karpfen, der von den Kindern Ferdinand genannt wurde und an dessen Schicksal mittlerweile ganz Kirchsteinach teilnimmt, im Weiher hinter dem Kilianshof weiterschwimmen.

"Es sind heimelige Geschichten, die jeder mögen wird, der Sehnsucht nach der Welt hat, wie sie gerade noch in meiner Jugend war. Ein bisschen heiler und gemütlicher als heute", beschreibt Auer den Geist ihres Buches. Die Menschen in dem Kinderroman gehen respektvoll miteinander um und achten auf ihre Umwelt. Dennoch sind die 26 Kapitel, in denen Kinder und Jugendliche die Hauptrolle spielen, in der Gegenwart angesiedelt, was man daran erkennt, dass der erste Advent "pünktlich auf den 1. Dezember fällt" und auch an den heißen Sommern der Vorjahre: Viele Bäume überstanden die Regenarmut nicht. "Wer das entsprechende Kapitel gelesen hat, weiß alles über den Borkenkäfer", schmunzelte Heike Auer.

Im Buch gibt es auch einen Ausflug zur Ruine Neideck und ein Kapitel über das Hutzeldorf Fatschenbrunn, in dem der älteste Birnbaum des Landkreises steht und die Kinder "Hutzeln" sammeln. In vielen Kapitel findet sich ein Satz auf Fränkisch, und auch die fränkische Kulturlandschaft ist immer wieder präsent.

Für die Größeren ist am Rande eine kleine Liebesgeschichte eingeflochten: Die 15-jährige Lisa und der 18-jährige Bernd, die aus den beiden ökologisch bewirtschafteten Bauernhöfen des Ortes stammen, finden zusammen, sehr zur Freude beider Eltern.

Spannung kommt dann am 23. Dezember auf. Da geht es um heimatlose Hundewelpen. "Wer noch mehr wissen möchte, muss das Buch selbst lesen", lächelt die Autorin. Lauter Beifall der Kinder bestätigt, dass Idylle und Harmonie bei Kindern genauso ins Schwarze treffen können wie Action.

Eine Lücke geschlossen

Was aber war der Anlass für Heike Auer, das Buch überhaupt zu schreiben? "Wenn ich im Advent Vorlesegeschichten suchte, hat es mich stets verdrossen, dass es keine gab, die hier bei uns in Franken spielten. Also habe ich mich letzten Dezember selbst darangemacht", erklärt sie. Dazu kommt das Motiv, das sie mit Hunderten anderen Autoren teilt: Die Unkenntnis zu beheben, weshalb Weihnachten überhaupt gefeiert wird, welches der Sinn traditionellen Brauchtums ist, das aus vorchristlicher Zeit stammt und durch Jesu Geburt eine neue Bedeutung bekam.

Im Buch werden zwar reale Orte (Neustadt, Ipsheim, Bad Windsheim, Streitberg, Unternesselbach und Fatschenbrunn) sowie Begebenheiten (Adventsmarkt und -konzert in Neustadt) erwähnt, Kirchsteinach selbst aber und seine Bewohner mitsamt den Bauernhöfen sind fiktiv. Die einzigen realen Personen sind die Mitglieder der Familie Hümmer in Fatschenbrunn. Am Ende gab es stürmischen Beifall der Kinder, ein Geschenk von Rektorin Heidi Forisch und die Bitte, dass die Autorin wiederkommen soll.

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