Mühlhausen
Geschichte

Heimatverein Reicher Ebrachgrund stellt neue Schrift vor

Der neue Heimatbote aus dem Reichen Ebrachgrund enthält viele Beiträge, und nicht alle sind blutrünstig.
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Franz Kachler mit dem neuen Heimatboten     Foto: Evi Seeger
Franz Kachler mit dem neuen Heimatboten Foto: Evi Seeger

In der Frühe zwischen sieben und acht soll es gewesen sein, als sich der Bambergische Verwalter zu Schlüsselau "mit hundert bewaehrten Mannen" nach Pommersfelden begab, sich vor der Kirchentüre aufstellte, um diese öffnen zu lassen. Zudem soll er an der Straße nach Steppach Soldaten postiert haben, um die vom dortigen Gottesdienst kommenden Pommersfeldener abfangen zu lassen. So geschehen am 3. April 1631 und in der "Geschichte der kirchlichen Verhältnisse Pommersfeldens" aufgeschrieben. Autor war der verstorbene Chronist und Schlossgeistliche Wilhelm Schonath.

Es herrschte also Religionskrieg anno 1631. Mit aller Gewalt sollten die nach der Reformation protestantisch gewordenen Pommersfeldener wieder re-katholisiert werden. Franz Kachler, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Reicher Ebrachgrund und dessen Redakteur, hat die Aufzeichnungen von Pfarrer Schonath im druckfrischen 32. Heimatboten wiedergegeben.

Jubiläum der Schlosskapelle

Nicht minder interessant ist der Beitrag von Angelika Nusser, den die Pommersfeldenerin anlässlich des 300. Jubiläums von Schloss Weissenstein verfasst hat. Am 19. August dieses Jahres wurde mit einem Festgottesdienst an die Weihe der Schlosskapelle, dem ältesten Teil des Schönborn-Schlosses, erinnert. Am 17. April 1718 wurde die Kirche dem Patrozinium der "Maria Immaculata", der "Unbefleckten Empfängnis Mariens" unterstellt. Die Schutzpatronin werde in der Kirche "durch mehrere Marienstatuen, sowie durch das Deckenfresko sichtbar gemacht", berichtet die Autorin.

Aus Vorkommnissen in jüngster Zeit zieht Nusser den Schluss, "dass die Maria Immaculata bis heute nichts von ihrer Strahl- und Wunderkraft eingebüßt" hat. Nachzulesen ist, wie eine Marienstatue und - erst in diesem Jahr - zwei "wundertätige" Medaillen den Weg nach Pommersfelden gefunden haben.

Erst Kloster, dann Knast

Aus verschiedenen Perspektiven widmet sich Christian Enz in seinem Beitrag der Justizvollzugsanstalt Ebrach. Zum einen als dem einstigen Zisterzienserkloster mit mehr als hundert Mönchen in seiner Blütezeit. Zum anderen beleuchtet Enz die im Kloster befindliche Justizvollzugsanstalt als Wirtschaftsunternehmen, das mehr als 200 Beschäftigten Arbeit gibt. "Mit der Umwandlung 1863 in ein Zuchthaus wurden auch Schwerstverbrecher in Ebrach untergebracht und die Todesstrafe dort vollzogen", hat Enz recherchiert. Letztmals wurde demnach im Jahr 1933 ein Verbrecher mit der Guillotine vom Leben zum Tode befördert.

Über den "Pfandschaub", ein altes Rechtszeichen, schreibt Werner Rühl. Nach Rühls Bericht ist es noch nicht lange her, als der Pfandschaub auch in Franken noch üblich war. Die Grundstückseigentümer hätten ihn als "Rechtsmal" mit der Funktion eines Verbotszeichens aufgestellt. Damit wurde angezeigt, dass diese Flurstücke nicht betreten, befahren oder beweidet werden dürfen.

Darüber hinaus gibt noch eine Vielzahl interessanter Beiträge im neuen Heimatboten. Über das Schlüsselfelder Stadtmuseum im Jubiläumsjahr 2018, über die geplante Veräußerung des einstigen Getreidespeichers, der Zehntscheune in Schlüsselfeld, die Geschichte des FSV Weingartsgreuth, die Wachenrother Gemeindeordnung, das Jubiläum der "Zufriedenheit" Simmersdorf, über Wanderrundwege bei Mühlhausen und Wachenroth, die Geschichte der jüdischen Schule von Mühlhausen, die Währungsreform im Jahr 1948, das Kriegerdenkmal von Pommersfelden, über Schlüssel und Schlüsselerlebnisse, das Grabdenkmal einer Äbtissin und - ganz aktuell - die Entschärfung einer Bombe im Treppendorfer Wald 2018.

Vorstellung heute im Kindergarten

Das Bild auf dem Umschlag hat Kachlers Frau Bärbel künstlerisch gestaltet. Eingeleitet wird der Reigen der Veröffentlichungen durch einen Liedtext von Helmut Schleicher mit dem Titel "Musica Viva". Wie alljährlich finden sich am Ende Nachrufe und Aktivitäten des Vereins.

Vorgestellt wird der Heimatbote aus dem Reichen Ebrachgrund heute um 19.30 Uhr im Kindergarten Mühlhausen.

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