Herzogenaurach
Geschichte

Heimatkalender präsentiert Schätze aus den 1920er Jahren

Hundert Jahre alte Motive zieren den Herzogenauracher Heimatkalender für 2020. Die meisten Aufnahmen sind aus dem Archiv von Helmut Fischer.
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Bildunterschrift zum Dezember-Bild: Der Herzogenauracher Meisterfotograf und begeisterte Motorradfahrer Georg Scharf gründete 1898 die erste Fotoanstalt (Fotostudio). Ihm verdanken wir viele Fotos unserer Heimatstadt in den Jahren 1898 bis 1935.  Foto: Heimatverein
Bildunterschrift zum Dezember-Bild: Der Herzogenauracher Meisterfotograf und begeisterte Motorradfahrer Georg Scharf gründete 1898 die erste Fotoanstalt (Fotostudio). Ihm verdanken wir viele Fotos unserer Heimatstadt in den Jahren 1898 bis 1935. Foto: Heimatverein
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Helmut Fischer, der leidenschaftliche Fotograf und Sammler historischer Aufnahmen, kann aus dem Vollen schöpfen. Sein Schatz "reicht noch für ein paar Jährchen", wie er verschmitzt feststellt. Von seinem Archiv profitieren vor allem auch der Heimatverein und die Stadt. Denn rechtzeitig zur Martinikirchweih ist jetzt der neue Heimatkalender erschienen, inzwischen zum 35. Mal.

Seit Anfang an ist Helmut Fischer für die Gestaltung des Kalenders zuständig. Mit rund 150 Exemplaren hat alles angefangen, wie er sich beim Pressegespräch im Rathaus erinnert. Heuer beträgt die Auflage 2250 Stück. Auch der Kalender für das Jahr 2020 ist wieder mit historischen Schwarz-Weiß-Fotos bestückt worden. Denn "die Leute wollen unbedingt alte Aufnahmen", stellt Fischer fest.

Herausgeber des "Heimatkalenders Herzogenaurach" ist wieder der Heimatverein, mit Unterstützung der Stadtverwaltung. Deshalb traf man sich zur Präsentation bei Bürgermeister German Hacker im Rathaus.

Teilweise sind die ausgewählten Fotos ein Jahrhundert alt, wie die Vorstandsmitglieder Helmut Fischer und Christian Kindler gemeinsam mit ihrem Ersten Vorsitzenden Klaus-Peter Gäbelein feststellten. Die meisten Fotografien stammen aus dem Archiv von Helmut Fischer, der auf einen privaten Fundus seltener Aufnahmen zurückgreifen kann, den er einst eher durch Zufall sicherte. Das sei vor langer Zeit auf dem Herzogenauracher Schuttplatz gewesen, sagte Fischer. Da habe er eine Kiste alter Schwarz-Weiß-Fotos entdeckt und vor der Zerstörung bewahrt. Erst Jahre später konnte er die Aufnahmen, nach ausgiebiger Recherche, zu- und einordnen. Es handelte sich um eine Sammlung von Georg Scharf, der 1898 die erste Herzogenauracher Fotoanstalt gegründet hatte.

Fotografenmeister Georg Scharf

Eine uralte Aufnahme des neuen Kalenders für 2020 ist dem Nachlassgeber gewidmet. Das Dezemberblatt ziert ein Foto von Georg Scharf auf seinem Motorrad. Fischer könnte gar viel darüber erzählen. Der alte Scharf war einer von zwei Motorradbesitzern der damaligen Zeit. Der Zweite war Rudolf Peetz, der Großvater des späteren Sparkassenchefs. Beide zusammen bildeten einst den ersten Herzogenauracher Motorradclub, wie Fischer schmunzelt. Das Erbe des alten Scharf wird übrigens weitergeführt. Heute betreibt seine Urenkelin Julia Durmann ein Fotostudio.

Das Dezemberfoto stammt aus den Jahren 1915 bis 1920, und ist somit wohl das älteste des Kalenders. Aber auch alle anderen sind um die hundert Jahre alt. Er habe für das Kalenderjahr 2020 Aufnahmen aus den 1920er Jahren ausgesucht, sagt Fischer. Und vor allem sollten es Situationen sein, auf denen Menschen abgebildet sind.

Gar seltene Motive finden sich unter den zwölf Monatsbildern. Den Februar ziert die Eichelmühle (Aufnahme von 1927), die nicht mehr viele Bürger kennen, da sie 1974 abgerissen worden ist. Vor dem Haus steht Franz-Josef Biermann, der durch seine Schnitzereien eine Herzogenauracher Berühmtheit wurde. Die große Krippe in der Stadtpfarrkirche stammt aus seiner Werkstatt.

Der Eingang zum späteren Fliegerhorst (nach dem Krieg Herzo Base) war einst Standort der Zweimarterlinde. 1648 soll der Baum gepflanzt worden sein, der in den 1950er Jahren einem Sturm zum Opfer fiel (Titelblatt März). Eine seltene Aufnahme des Bayerischen Hofs nebst Kegelbahn (1929), das Denkler-Haus in der Hauptstraße als Geburtsstätte der Herzogenauracher Schuhproduktion (um 1920) oder der erste Herzogenauracher Lastkraftwagen in der "alten Schütt" (1928) zieren weitere Monate.

Der Heimatkalender ist ab Freitag für 7,90 Euro bei Ellwanger sowie Bücher, Medien & mehr und Ringfoto Müller erhältlich. Alle 754 Mitglieder des Vereins erhalten ihn wieder kostenlos, was durch viele Sponsoren ermöglicht wird.

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