Herzogenaurach
Buchpräsentation

Hans Meyer: Witzig, charmant und eloquent

Trainerlegende Hans Meyer besuchte den FCN-Fanclub Frankenpower in Herzogenaurach und erinnerte an den Pokalsieg 2007.
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Die Trainerlegende des 1.FCN im Pokaljahr 2007 nahm sich viel Zeit, die Bücher persönlich zu signieren.  Fotos: Bernhard Panzer
Die Trainerlegende des 1.FCN im Pokaljahr 2007 nahm sich viel Zeit, die Bücher persönlich zu signieren. Fotos: Bernhard Panzer
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"Der Mann ist Weltklasse!" Noch lange, nachdem der Hauptakteur sich verabschiedet hatte, saßen die Leute des FCN-Fanclubs "Frankenpower" zusammen, um über einen rundum gelungenen Abend zu sprechen. Hans Meyer, die Trainerlegende des 1. FC Nürnberg, war gekommen, um das Buch "Ganz Nürnberg war in einem Rausch" vorzustellen - ein Buch über den Pokalsieg 2007, mit vielen Schilderungen der Fußballhelden. Als damaliger Trainer ist Meyer mit persönlichen Erinnerungen darin verewigt, bei dem Abend im voll besetzten FC-Heim las er aber vor allem aus anderen Passagen und plauderte munter über die für die Clubfans so herrliche Zeit, aber auch über den Fußball generell.

Begleitet wurde der 75-Jährige von den beiden Autorinnen Maren Zimmermann und Katharina Fritsch. Und auch der Herausgeber Manfred Rothenberger war dabei. Der Clubfan mit Verlagssitz in Fürth (!) war auch richtig gefordert, denn von den gut hundert Besuchern wollte fast jeder das Werk erwerben. Zumal es an diesem Abend zu einem Sonderpreis zu haben war, und dazu noch versehen mit einer persönlichen Widmung von Hans Meyer, der sich hierfür und für den Dialog mit den Fans eine Menge Zeit nahm.

Weltklasse war für die begeisterten Besucher - vorwiegend Glubberer, aber auch Mitglieder des Herzogenauracher Gladbach-Fanclubs Borussenmythos und andere Fußballfans - natürlich die Leistung des Gastes als Trainer. Aber auch sein Wissen beeindruckte, letztlich ebenso wie sein pointiertes und schlagfertiges Auftreten.


Schäuferla und Liebe

Schon zu Beginn hatte Meyer, der ursprünglich Ostdeutsche, die Lacher auf seiner Seite. Als Moderator Klaus-Peter Gäbelein ihn nämlich fragte, warum ein so welterfahrener Trainer denn in Franken geblieben sei. Wegen der Schäuferla natürlich, kam es wie aus der Pistole geschossen. Aber auch "wegen der Liebe zu Euch", wie Meyer hinzufügte, der auch in der ehemaligen DDR und in den Niederlanden trainiert hatte und heute Präsidiumsmitglied bei Borussia Mönchengladbach ist.

Gern hörte die Mehrzahl der Besucher, dass Meyer nach vielen Jahren wieder einmal das Gefühl habe, dass der Club den Aufstieg schaffen könne. Und die Gladbachfans waren glücklich, als er zusagte, auch sie in Herzogenaurach besuchen zu kommen. Und dann plauderte Meyer ohne Ende, wie man es von ihm kennt und wie Moderator Gäbelein auch schon angekündigt hatte: "Wenn der Meyer da ist, kommt kein anderer zu Wort", was der Akteur auch selbst bestätigte: "Ihr habt erstmal Pause."

Die in Nürnberg wohnende Trainerlegende erzählte von der erfolgreichen Saison vor gut zehn Jahren, die in den Pokalsieg mündete. Davon, dass er mal einen Spieler eingewechselt und gleich wieder ausgewechselt hat - zum einzigen Mal in seiner 40-jährigen Trainerlaufbahn. Er sprach über den Weg ins Finale und den sensationell haltenden Elfmeterkiller Daniel Klewer, dem aber im Finale plötzlich bang geworden war vor einem drohenden Elfmeterschießen, wie Buchautorin und Meyer-Lebensgefährtin Maren Zimmermann beisteuerte. Sie erinnerte sich, dass Klewer sich nicht wohlgefühlt habe und dankbar gewesen sei, dass der Jan Kristiansen ihn erlöst habe.


Nürnberg oder Gladbach?

Die beiden Autorinnen haben versucht, alle Pokalhelden ausfindig zu machen und um ihre Erinnerungen zum Finale zu bitten. Manche wurden persönlich besucht, andere telefonisch befragt. Und bei Matthew Spiranovic ging's nur über Email, der spielt jetzt nämlich in China, sagte Zimmermann. Um sofort dem Hans wieder das Wort zu geben: "Dich zuckt's schon wieder. Du willst was sagen."

Moderator Klaus-Peter Gäbelein - Fanclub Vorsitzender Elmar Amling: "Der kennt Herzogenaurach und die ganze Welt" - hatte das Buch schon gelesen und stellte angesichts der manchmal doch sehr emotionalen Schilderungen fest: "Man muss mit den Tränen kämpfen, wenn man nicht hartgesotten ist."

Gäbelein wollte auch Persönliches aus Meyer herauskitzeln. "Ich vermisse ein Tatoo", sagte er, um damit in einen schlagfertigen Konter zu laufen: "Ich hab an Stellen Tatoos, da würdest du dich wundern", entgegnete Meyer süffisant. Aber er sei 75 und wolle sich jetzt nicht "nackig ausziehen".
In der Fragerunde nahm der Trainer zu generellen Fragen Stellung, wie Videobeweis oder Kommerzialisierung des Fußballs. Und dann sprach Hans Meyer noch eine Einladung aus, und zwar an den zehnjährigen Jakob, den Moderator Gäbelein zu einer Frage ermuntert hatte. "Wen haben Sie lieber, Nürnberg oder Gladbach?", wollte der Bub wissen und Meyer antwortete salomonisch: "Stell mir die Frage, wenn der Club aufsteigt. Dann lade ich dich ins Stadion ein. Und dann sind wir beide für den, der die Punkte dringender braucht."

Für den FCN-Fanclub "Frankenpower" war der Abend mit Hans Meyer ein gelungener Auftakt in das 30. Jubiläumsjahr. Vielleicht gelingt da ja noch was ganz besonderes: der Aufstieg nämlich, im Jahr 50 nach der letzten Meisterschaft des Club.


Das Buch

Titel Ganz Nürnberg war in einem Rausch — Die Pokalsieger erzählen

Mitwirkende Herausgeber ist Manfred Rothenberger in Zusammenarbeit mit dem Institut für moderne Kunst Nürnberg. Autorinnen sind Maren Zimmermann und Katharina Fritsch. Gestaltung: Timo Reger. Zeichnungen, Gemälde und Collagen: Ulrich Emmert, Martin Fürbringer, Katharina Gierlach, Roger Libesch, Anders Möhl, Uschi Neuwert, Eva von Platen-Hallermund, Dan Reeder und Sebastian Tröger

ISBN 978-3-922895-31-2
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