Erlangen
Fusion

Grünes Licht für Siemens-Alstom

Die Aktionäre des französischen Konzerns stimmen dem Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte zu. In Franken arbeiten rund 4000 Menschen in diesem Siemens-Geschäftsfeld.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Geschäftsführer von Alstom, Henri Poupart-Lafarge (r), und der Geschäftsführer von Siemens Joe Kaeser  während einer Pressekonferenz  Foto: Thibault Camus/AP/dpa/Archiv
Der Geschäftsführer von Alstom, Henri Poupart-Lafarge (r), und der Geschäftsführer von Siemens Joe Kaeser während einer Pressekonferenz Foto: Thibault Camus/AP/dpa/Archiv
Jetzt sind die Brüsseler Wettbewerbshüter am Zug. Erteilt die EU-Kommission Ende Herbst ihre Zustimmung, so steht dem neuen "Airbus der Schiene" nichts mehr im Wege.
Gestern haben die Aktionäre des französischen Zugherstellers Alstom einer Fusion mit der Bahntechnik-Sparte von Siemens grünes Licht erteilt. Auf der Hauptversammlung in Paris stimmte die Mehrheit für das Bündnis mit dem deutschen Konkurrenten. Es sieht vor, dass Siemens eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen halten wird. Vorstandsvorsitzender wird der bisherige Alstom-Chef Henri Poupard-Lafarge. Der Hauptsitz soll bei Saint-Ouen bei Paris angesiedelt werden.


Riesige Konkurrenz in China

Mit der Fusion wollen die Europäer der Konkurrenz aus China etwas entgegensetzen. An den dortigen Weltmarktführer, dem aus zwei Staatsunternehmen hervorgegangenen CRRC-Konzern, käme das europäische Bündnis allerdings nicht heran. Dieser ist mehr als doppelt so groß. Siemens-Alstom hätte 62 300 Beschäftigte, Aufträge in Höhe von 61 Milliarden Euro und käme derzeit auf 15 Milliarden Euro Umsatz.
Die Aufgabe des neuen Zusammenschlusses ist es, zwei nationale Prestigeobjekte zusammenzuführen, die bisher miteinander in hartem Wettbewerb standen: der deutsche ICE von Siemens und der französische TGV von Alstom.
"Mobility" heißt die Sparte von Siemens - eine von derzeit zehn -, die im Konzern größtenteils an der Bahntechnik arbeitet. Von dem Zusammenschluss sind in Deutschland gleich mehrere Standorte betroffen. Neben dem Eisenbahnwerk in Krefeld-Uerdingen ist es vor allem Erlangen. Hier wird die Siemens-Bahntechnik geplant, entwickelt und betreut. Die Sparte Mobility beschäftigt in Erlangen direkt und indirekt rund 3500 Menschen.


IG Metall "aufgeschlossen"

Dazu kommen noch knapp 1000 Beschäftigte in der Nürnberger Vogelweiherstraße, wo Antriebe für Züge gebaut werden.
Auch wenn in den Belegschaften der fränkischen Standorte die Fusion skeptisch betrachtet wird, ist man in Bayern auf Seiten der Gewerkschaft positiv gestimmt. "Insgesamt stehen wir dem aufgeschlossen gegenüber", sagte Timo Günther, Sprecher der IG Metall Bayern, dieser Zeitung. "Wir sehen die strategische Notwendigkeit, um auf den internationalen Märkten zu bestehen."
In Frankreich dagegen hatten französische Gewerkschafter vor dem Treffen Flugblätter verteilt, auf denen sie die Ablehnung der Fusion forderten. Den Arbeitnehmervertretern ist es ein Dorn im Auge, dass Siemens eine knappe Mehrheit an dem neuen Branchenschwergewicht bekommt.
Die Alstom-Hauptversammlung stimmte auch dafür, den früheren deutschen Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel in den elfköpfigen Verwaltungsrat des künftigen Unternehmens zu holen. mit dpa


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren