Laden...
Uehlfeld
Politik

Grüne hat keinen leichten Stand

Relativ spontan hatte Katharina Schulze einen Auftritt beim Uehlfelder Neujahrsempfang zugesagt. Es wurde kein leichter Gang für die Grünen-Politikerin.
Artikel drucken Artikel einbetten
Katharina Schulze gerät im Gespräch mit Landwirten schon vor der eigentlichen Veranstaltung in die Defensive.  Fotos: Yannick Hupfer
Katharina Schulze gerät im Gespräch mit Landwirten schon vor der eigentlichen Veranstaltung in die Defensive. Fotos: Yannick Hupfer
+9 Bilder

Bereits bei ihrer Ankunft dürfte es Katharina Schulze (Grüne) klar gewesen sein, dass das keine einfache Veranstaltung für sie werden würde. Am Samstagabend tauchte sie - mehr oder weniger überraschend - auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Uehlfeld auf. Trotzdem erwarteten die Landtagsabgeordnete am Eingang der Veit-vom-Berg-Halle zahlreiche Traktoren - und in der Halle jede Menge Landwirte.

Bauern fühlen sich allein gelassen

Bereits vor der eigentlichen Veranstaltung begann die Diskussion zwischen Bauern und Politikerin. Konkret ging es unter anderem um die Gewässerrandstreifen nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen". Seit dem 1. August des vergangenen Jahres ist das Gesetz rechtskräftig - doch für die Landwirte unklar definiert. "Jetzt lässt man uns alleine", sagt Thomas Pfeiffer. Die Regierung sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Maßnahmen unterschiedlich ausgelegt werden könnten. Mit dem Gesetz geht einher, dass innerhalb von mindestens fünf Metern an "natürlichen und naturnahen Bereichen fließender oder stehender Gewässer" kein Garten- oder Ackerbau betrieben werden darf. "Das Ganze ist Zwangsenteignung für die Landwirte", stellt ein weiterer fest. Welche Gewässer allerdings fallen unter dieses Gesetz? Von wo aus müssen die Landwirte jene fünf Meter messen? Fragen, die bisher noch unbeantwortet bleiben.

Auch die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag hatte am Samstag darauf keine Antworten. Bereits vor Beginn des Neujahrsempfangs versicherte sie den anwesenden Landwirten, ihnen eine schriftliche Stellungnahme zukommen zu lassen.

"Ich freue mich über Dialog und Austausch", sagte Schulze, nachdem Landwirt Pfeiffer die Fragen vorgetragen hat. Bei seiner zweiten Fragestellung führte er einen Bericht des Bayerischen Rundfunks an, in dem Claus Kumutat, Präsident des bayerischen Landesamts für Umwelt, den Einfluss von Kläranlagen auf das Grundwasser zurückweist. Trotzdem wolle man die undichten Kanäle sanieren. Pfeiffers Frage: "Warum brauchen wir dann hier im Ortskern von Uehlfeld so strenge Vorschriften? Könnte man dann nicht einfach die zusätzlichen Auflagen für Kanäle in Wasserschutzgebieten streichen?"

Unterstützung für die Landwirte

Unterstützung bekamen die Landwirte von den anderen Rednern beim Neujahrsempfang. "Liebe Landwirte, sie sind bei uns immer willkommen und finden bei uns auch immer Gehör", stellte etwa Bürgermeister Werner Stöcker (CSU) heraus. Auch sein Parteikollege, Landtagsabgeordneter Hans Herold, zeigte Betroffenheit für die Situation: "Das tut mir als Bauernsohn sehr weh."

Schulze zeigte sich unterdessen in ihrer Rede angetan vom Engagement der Gemeinde Uehlfeld in Sachen Klimaschutz: "Das ist eine Gemeinde, die zusammenarbeitet, um Zukunft zu gestalten." Klimakrise, Digitalisierung und soziale Ungleichheiten seien Herausforderungen, die die Bürger gemeinsam angehen müssten. So plädierte sie dafür, nicht immer auf seinem Standpunkt zu beharren. Trotzdem stellte sie fest, dass die Demokratie jeden Tag neu verteidigt werden müsse: "Ich möchte, dass sich jeder Mensch - egal welcher Religion - in unserem Land sicher fühlt." Der Slogan "Nie wieder!" sei Handlungsauftrag für alle - 365 Tage im Jahr.

An Uehlfeld begeisterte die Münchnerin zudem eins: "Ich habe mich in ihr süßes Torhaus sowas von verliebt."

Dass Uehlfeld darüber hinaus noch viel mehr zu bieten hat, stellte Landrat Helmut Weiß (CSU) fest: "Der Markt Uehlfeld geht mit gutem Beispiel voran." Er lobte vor allem die Ehrenamtlichen, die sich für Gemeinde und Gemeinschaft einsetzen. Mit einem Mobilitätskonzept möchte er bis Ende nächsten Jahres alle Dörfer ans öffentliche Verkehrsnetz anbinden.

Viel Geld vom Freistaat

Ein Großteil der Investitionen in Uehlfeld trug in den vergangen Jahren auch der Freistaat: zehn Millionen Euro Fördergelder flossen in den letzten acht Jahren. Stöcker führte an, dass so unter anderem die Grund- und Mittelschule saniert werden konnte. Der Schuldenstand der Gemeinde verringerte sich über die Jahre auf 550 000 Euro. "Die Gemeinde hat viel geleistet und es sich nicht immer einfach gemacht", sagte Stöcker. Erneut brachte er mehrgeschossige Häuser zur Debatte. Man brauche auch eine andere Lösung als nur Einfamilienhäuser: "Da muss man drüber reden, aber nicht in dem Ton, wie es beim letzten Mal stattgefunden hat." So wurden laut dem Bürgermeister Gemeinderäte sogar als "Volksverräter" bezeichnet.

Erfreuliche Nachrichten gab es am Samstag hingegen vom Sport: Die Uehlfelderin Antonia Kachelmann wurde von Bürgermeister Werner Stöcker für ihre Leistungen beim Eisstockschießen geehrt. In ihrer Disziplin, dem Weitschießen, erreichte sie vergangenes Jahr den vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften und qualifizierte sich für die Europameisterschaft. In diesem Jahr wurde sie sogar Zweite und darf nun bei der Weltmeisterschaft in Regen im März teilnehmen. Zuvor findet noch ein Qualifikationslehrgang statt, bei dem sie einen von sechs Plätzen errungen hat. "Eisstockschießen ist leider keine Trendsportart", erklärte Kachelmann am Samstag. Dennoch leisten die Sportler Beachtliches: Der Weltrekord beim Eisstockschießen liegt bei einer Weite von über 500 Metern.

"Unverschämtheit!"

Katharina Schulze musste den Neujahrsempfang übrigens - wie einige weitere Gäste - vorzeitig verlassen, weil sie noch eine Anschlussveranstaltung hatte. Auf dem Weg zum Ausgang musste sie am Publikum vorbei, aus dem ein Gast rief: "Viel Spaß beim Eisessen in Kalifornien!" Eine Anspielung auf eine Debatte im vergangenen Jahr. Schulze postete auf Instagram ein Bild aus ihrem Winterurlaub in den USA, auf dem ein Becher Eis mit einem Plastiklöffel zu sehen war. Am Samstag reagierte sie darauf locker: "Danke, habe ich immer." Und aus dem Publikum hallte es: "Unverschämtheit!"

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren