LKR Erlangen-Höchstadt
Ordnungswidrigkeit

Grüne ärgern sich über Grüngut in der Landschaft

Durch achtlose Entsorgung breiten sich auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt giftige Pflanzen aus, die bei uns nicht heimisch sind.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hecken- und Rasenschnitt - wie hier zwischen Etzelskirchen und Kieferndorf - lassen schnell eine wilde Müllkippe entstehen.  Foto: Andreas Dorsch
Hecken- und Rasenschnitt - wie hier zwischen Etzelskirchen und Kieferndorf - lassen schnell eine wilde Müllkippe entstehen. Foto: Andreas Dorsch
+1 Bild

Es sind achtlos in der Natur entsorgte Gartenabfälle, die die beiden Grünen-Kreisrätinnen Christiane Kolbet und Helga Kondert immer mehr auf die Palme bringen. Sie sehen darin Gefahren für die heimische Pflanzenwelt und möchten härter gegen solche Umweltsünder vorgehen.

Vor allem an Zufahrten zu Wäldern stoße sie immer wieder auf wilde Grüngutdeponien, berichtet Kolbet dem FT. Einzelne Bürger würden sich die Mühe sparen, ihre Abfälle zur Deponie zu bringen. Meist handle es sich um Hecken- oder Rasenschnitt, Balkon- und Grünpflanzen wie beispielsweise Yuccapalmen, die aus Kofferräumen, Schubkarren oder von Anhängern dort abgeladen werden. In einer Anfrage ans Landratsamt hatten die beiden Damen um Aufklärung gebeten, wie man Abhilfe schaffen könnte.

Yuccapalmen im Kiefernwald

"Die Grünen-Fraktion macht sich Sorgen", sagt Kolbet. Sie und ihre Mitstreiter befürchten, dass im Wald oder an Waldrändern Pflanzen aufgehen, die nicht in unsere Region gehören. Als Beispiele nennt sie den Japanischen Knöterich oder den Großen Bärenklau. Pflanzen, die sich rasend schnell ausbreiten und teilweise auch giftig sind. Wer beispielsweise mit den Blättern des Bärenklaus in Kontakt kommt, kann sich auf der Haut schwere Verbrennungen einfangen.

Der Bärenklau ist für den Forstrevierleiter Gerhard Hofmann aus Wachenroth ein bekanntes Problem, "weil er keine Feinde hat". Auch im weitläufigen Stadtgebiet von Höchstadt gibt es einige Bärenklau-Standorte. "Was wir finden, wird bekämpft", sagt Höchstadts Gartenbautechniker Hermann Zehn. Die Pflanze darf nicht blühen und Samen ausbringen, der Wurzelstock wird mit der Hacke zerstört.

Auf Höchstadter Flur werden aber auch das Indische Springkraut, der Japanische Knöterich und einzelne Vorkommen vom Jakobskreuzkraut bekämpft. Pflanzen, die teilweise giftig sind, sich schnell ausbreiten und die heimische Flora verdrängen.

Förster Hofmann warnt auch davor, Blumenerde im Wald zu entsorgen. Mit Blumenerde könnte die Kiefernholznematode eingeschleppt werden, ein kleiner Wurm, der ganze Kiefernwälder zum Absterben bringen kann. Der Schädling wurde 1999 erstmals in der EU nachgewiesen. Hofmann muss bereits regelmäßig Proben von Kiefernholz nehmen und untersuchen lassen. "Bisher war aber noch nichts", sagt er.

Feste Container nicht sinnvoll

Eine Ursache für das illegale Ablagern von Grüngut sieht Förster Hofmann in den wachsenden Baugebieten an den Ortsrändern. Auf kleineren Grundstücken fällt trotzdem viel Grün an und das muss irgendwo hin. Ideal wären für Hofmann feste Grüngut-Container in den Ortschaften. Die Landkreis-Verwaltung hält diese aber nicht für sinnvoll.

Wie der Antwort auf die Grünen-Anfrage zu entnehmen ist, fürchtet die Verwaltung zu viele "Störstoffe", was ein Nachsortieren notwendig machen würde, um hochwertigen Kompost zu erhalten. Auch könnten Großanlieferungen durch Gewerbe und Landwirtschaft nicht verhindert werden.

Für den Umweltschutz-Sachgebietsleiter Hans Leuchs vom Landratsamt ist jede wilde Entsorgung von Grüngut in der freien Natur zunächst einmal eine Ordnungswidrigkeit. Theoretisch reiche schon ein Eimer, entscheidend sei der Entledigungswille, sagt Leuchs. Das heißt aber nicht, dass immer gleich hohe Bußgelder verhängt werden. Leuchs achtet auf die Verhältnismäßigkeit. Beim ersten Vergehen könnte es auch eine Verwarnung ohne Geldbuße sein, oder nur 15 bis 20 Euro.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren