Großenseebach
Energiemanagement

Großenseebach will günstiger heizen

Großeenseebach (Landkreis Erlangen-Höchstadt) will wissen, ob in den kommunalen Gebäuden "zum Fenster hinaus" geheizt wird. Wolfgang Böhm kennt die Antwort.
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"Das brennt ganz schön!" Landrat Eberhard Irlinger (r.) und Bürgermeister Gerald Brehm werfen einen Blick in den Heizkessel des Hackschnitzelheizwerks, das der Kreis und die Stadt Höchstadt  gemeinsam betreiben und damit mehrere öffentliche Einrichtungen umweltfreundlich heizen.
"Das brennt ganz schön!" Landrat Eberhard Irlinger (r.) und Bürgermeister Gerald Brehm werfen einen Blick in den Heizkessel des Hackschnitzelheizwerks, das der Kreis und die Stadt Höchstadt gemeinsam betreiben und damit mehrere öffentliche Einrichtungen umweltfreundlich heizen.
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Kommunales Energiemanagement bezeichnet die verschiedenen Tätigkeiten und Initiativen, um den Energieverbrauch in kommunalen Gebäuden und innerhalb einer Kommune zu senken und durch regionale und dezentrale Erzeugung, insbesondere durch Erneuerbare Energie, sicherzustellen. Der Großenseebacher (LAndkreis Erlangen-Höchstadt) Bürgermeister Bernhard Seeberger hatte in den Gemeinderat den Geschäftsführer der Energieagentur Oberfranken, Wolfgang Böhm eingeladen. Er hielt einen Vortrag über kommunales Energie-Management.

"Ohne Einsparung wird die Energiewende nicht gelingen", stellte Böhm voraus. Allerdings solle eine Einsparung nicht zu Lasten der Lebensqualität oder des gewohnten Komforts gehen. Die Energieagentur Oberfranken unterscheidet dabei zwischen einem strategischen und einem operativen Energiemanagement. Beim strategischen Energiemanagement handelt es sich um langfristige Konzeptionen, die gebäudeübergreifend die energetische Strategie und Ausrichtung einer Kommune bestimmen.

Praxisnah und auf konkrete Einzelobjekte bezogen, kennzeichnet das operative Energiemanagement Untersuchungen und Maßnahmen zur messbaren Reduktion des jeweiligen Energieverbrauchs.
Neben Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs - zum Beispiel durch Effizienz und Wärmedämmung - stehen vor allem der Ausbau und die regionale Nutzung von erneuerbaren Energieträgern im Vordergrund.


Energieagentur Oberfranken hat mehrere Ziele im Auge


Wolfgang Böhm prangerte aber auch die derzeitige Energiepolitik an. "Was bei uns im Moment gemacht wird, ist eine Klientelpolitik, die zu Lasten der Allgemeinheit geht. Der Ausgleich verschiedener Teilinteressen wird zu Gunsten eines Einzelinteresses vernachlässigt." Böhm meinte damit die Diskussion, ob beim Strom die Großabnehmer und energieintensive Unternehmen entlastet werden sollen: "Das ist keine gerechte Politik."
Die Energieagentur Oberfranken hat mehrere Ziele im Auge. So würde der prognostizierte Leitungsbau quer durch die Republik so nicht nötig, Kommunen und damit auch Haushalte, könnten ein Stück weit unabhängig werden. Beim Einsatz erneuerbarer Energien entstehe nicht nur mehr Unabhängigkeit; es fallen auch keine Brennstoffkosten mehr an. Den durchschnittlichen Mittelabfluss beziffert Böhm auf etwa 2000 Euro pro Jahr, bei der Verwaltungsgemeinschaft Heßdorf wären das im Jahr rund zwölf Millionen Euro.

Die Energiekosten können in den Gebäuden durch ein Energiemanagement spürbar gesenkt werden, wenn zum Beispiel die Heizungsanlagen optimal betrieben würden. So machen die neuen Heizungen zwar warm, seien aber oft falsch eingestellt.


Vortrag stieß auf Skepsis


Böhm führte das dem Gemeinderat mit Beispielen aus den Nachbargemeinden Weisendorf und Röttenbach vor Augen. Diese Kommunen, aber auch die Gebäude des Landkreises, werden von der Energieagentur Oberfranken betreut: sowohl der Heizölverbrauch als auch die Stromkosten wurden spürbar gesenkt. Der Energieverbrauch kann nach derzeitiger Erkenntnis in kommunalen Liegenschaften durch optimales Nutzer- und Bedienerverhalten im Mittel um etwa 15 Prozent gesenkt werden.

Insgesamt stieß der Vortrag auf Interesse, teils aber auch auf Skepsis. CSU-Gemeinderat Reinhard Schmitt verwies auf den Wartungsvertrag, den die Gemeinde für die Heizungen der kommunalen Gebäude abgeschlossen hat. Das soll laut Böhm auch sein, allerdings beinhalte dieser kein Energiemanagement. "Wir warten und reparieren keine Heizungen. Wir sagen ihnen, was gemacht werden muss, damit der Verbrauch sinkt. Einbauen und modifizieren muss das ihr Heizungsmonteur", meinte Böhm. Damit konnte er Schmitt nicht so recht überzeugen.

An einer Vertragslaufzeit von drei Jahren störte sich Barbara Ramm (SPD) und Hilde Borel (FW). "Können wir das nicht jährlich machen", fragte Ramm, die hauptsächlich undichte Fenster und schlecht isolierte Gebäude für hohen Energieverbrauch verantwortlich macht. Dass es mindestens drei Jahre sein müssten, begründete Böhm.

Mit wenigen Handgriffen oder dem Einbau einer neuen Pumpe sei "das nicht getan". Böhm verwies auch auf den jährlichen Zuschuss des Landes von 40 Prozent geben wird.

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