Adelsdorf
Lesung

Glück ist, wenn die Lücke geschlossen ist

Viel Publikum hatte der Buchautor Jens Wimmer in Adelsdorf, als er "Linjis Weg zum Glück" vorstellte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Autor Jens Wimmers (links) beim Signieren  mit einer Besucherin der LesungSchmidt
Der Autor Jens Wimmers (links) beim Signieren mit einer Besucherin der LesungSchmidt
Was ist Glück und worin besteht der Sinn des Lebens? Zwei Fragen, die die Menschen seit Urzeiten bewegen und auf die Religionen und Philosophien Antworten zu geben suchen. Der buddhistische Mönch Linji, der im 9. Jahrhundert lebte, hat sich eindringlich damit befasst. Und mit ihm wiederum Jens Wimmers, Lehrbeauftragter für Philosophie in Bamberg. So intensiv, dass er sogar ein Buch, "Linjis Weg zum Glück", über ihn geschrieben hat.

Bei einer Lesung in der Adelsdorfer Buchhandlung Bücher-Schmidt hat er dieses vorgestellt. Dabei las er nicht nur aus seinem Werk, sondern erklärte auch viel zu den philosophischen Betrachtungen des Glücks. Er blieb dabei nicht bei der buddhistischen Richtung, wie sie Linji vertritt. Die griechische Philosophie à la Artistoteles zum Thema Glück wurde von ihm ebenfalls ausführlich vorgestellt.

Im Prinzip geht es um die innere Harmonie und den Versuch, die eigene innere Zerrissenheit wieder zusammensetzen zu können. Dann ist man beim mittelhochdeutschen "Gelucke", von dem sich das Wort "Glück" ableitet und das nichts anderes als "geschlossene Lücke" bezeichnet. Eine Tür ist beispielsweise ein Gelucke, weil sie die Lücke im Hauseingang schließt.


Der innere Spalt

Im übertragenen Sinne hat es dann die Bedeutung, dass etwas gut ausgeht bzw. endet. Das trifft sich dann wieder mit Aristoteles, der in der Überwindung des inneren Spalts, also dem Schließen der Lücke zwischen Gefühl und Vernunft, der jedem Menschen innewohnt, den Weg zum Glück sieht.

Natürlich gibt es nicht nur den einen Ansatz zum Glücklichwerden, sondern ganz unterschiedliche Ansätze. So zum Beispiel die Stoiker, die versuchen, durch innere Ruhe den Glückszustand zu erreichen, während die Epikureer durch aktives Tun dieses Ziel zu erlangen suchen.

Auch die verschiedenen Formen des Glücks wurden von Jens Wimmers vorgestellt. Das Zufallsglück, das momentane Glück und das Lebensglück. Letzteres erst auf dem Totenbett feststellbar, wenn man sein Leben hinter sich hat, es im Ganzen bewerten kann und dann hoffentlich zu dem Schluss kommt, dass es ein glückliches war.


Das Glück beim Schopfe packen

Falls man sein Leben in der Einheit von glücklichem Empfinden und sinnvollem Entscheiden führte, hat man nach Wimmers aber schon mal ganz gute Vorraussetzungen dafür, dass es ein gelungenes war. Allerdings gilt es auch ab und an, das "Glück beim Schopfe" zu packen, und zwar dann, wenn der griechische Gott des günstigen Augenblicks, Kairos, an einem vorbeihuscht, der an der Stirn einen Schopf, im Nacken aber keine Haare hat. Man muss also rechtzeitig zugreifen, sonst ist das Glück an einem vorübergegangen.

Im Anschluss an die Lesung ergab sich noch eine intensive Diskussion mit der engagierten Zuhörerschaft, deren Fragen Jens Wimmers souverän zu beantworten wusste. Buchhändler Christian Schmidt zeigte sich begeistert von der großen Resonanz, die die Lesung fand, musste aber das Publikum etwas desillusionieren, da das größte Glück auf Erden, nämlich Buchhändler in Adelsdorf zu sein, leider schon vergeben sei.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren