Höchstadt a. d. Aisch

Glatteis: Streuen, aber womit?

Wenn es auf Straßen und Gehwegen glatt wird, greifen viele noch zum Sack mit Streusalz. Dabei gibt es längst wirkungsvolle Alternativen, die Natur und Tiere nicht belasten.
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Bisher  hat die Straßenmeister in Höchstadt 250 Tonnen Streugut benötigt. Gerade das Salz wird sehr sparsam verwendet und nur, wenn es wirklich notwendig ist, um die Straßen befahrbar zu machen.  Foto: Andreas Dorsch
Bisher hat die Straßenmeister in Höchstadt 250 Tonnen Streugut benötigt. Gerade das Salz wird sehr sparsam verwendet und nur, wenn es wirklich notwendig ist, um die Straßen befahrbar zu machen. Foto: Andreas Dorsch
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Die Wirksamkeit streitet niemand ab. Streusalz greift Eis und Schnee schnell an, bringt es innerhalb weniger Minuten zum Schmelzen. Und weil das Winterwetter schnell Straßen und Wege in gefährliche Rutschbahnen verwandelt, greift der ein oder andere seit Jahrzehnten vor seiner Haustür zum Sack mit der Auftauhilfe.

Die handelsübliche Zusammensetzung besteht zum großen Teil aus Natriumchlorid, also Koch- oder Steinsalz. Das Salz greift aber nicht nur Eis und Schnee an, es schadet Bäumen und Tieren. Das Natriumchlorid gelangt mit dem Schmelzwasser in Boden oder Gewässer und verändert dort die Chemie. So nehmen zum Beispiel Pflanzen das Salz mit dem Wasser auf. Die Folge: Die Wurzeln arbeiten nicht mehr richtig, der Baum oder Strauch zeigt braune Ränder an den Blättern.

Streusalz umweltschädlich

Auch Tiere leiden unter dem umweltschädlichen Streuen von Salz. Es greift Tierpfoten an. Speziell die sensible Haut der Zehenzwischenräume reagiert mit Entzündungen. Und nicht nur das. Hunde oder Katzen, die sich das Salz beim Putzen von den Pfoten schlecken, bekommen häufig Magen-Darm-Erkrankungen.

Eine weitere unerwünschte Nebenwirkung von Streusalz sind die Schäden an Gebäuden, häufig in Städten. Vor allem Natursteinfassaden reagieren mitunter äußerst empfindlich, weil sie das Salzwasser wie ein Schwamm aufsaugen. Verdunstet später das Wasser, bleibt eine Salzkruste zurück, die den Stein langsam zersetzt. Und der hohe Chloridgehalt im Grundwasser hat oftmals nur eine Ursache: Folge des Einsatzes von Streusalz.

Dabei ist dieses Kochsalz je nach Strenge des Winters nur bedingt erfolgreich. Fallen die Temperaturen unter minus zehn Grad Celsius wird es schwierig. Dann bleibt das Glatteis.

So mancher kommunale Winterdienst greift in dieser Situation zu Calcium- oder Magnesiumchlorid. Beide sind zwar wirksamer, dafür aber noch viel umweltschädlicher. "Salz gehört in die Suppe und nicht auf den Gehweg", fordert deshalb der Bund Naturschutz (BUND) in Bayern. Und auch das Umweltbundesamt appelliert an die Verbraucher, sich umzustellen und schädliches Streusalz durch Alternativen zu ersetzen.

Höchstadter müssen auch räumen

In vielen Kommunen ist das Streuen von Salz sowieso bereits verboten oder eingeschränkt. So heißt es etwa in den Verordnungen von Bamberg und Coburg wortgleich, dass das Streuen von Tausalz "nur bei besonderer Glättegefahr (z.B. an Treppen oder erheblichen Steigungen) oder bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen (z.B. Eisregen)" zulässig ist.

Auch in Höchstadt gilt laut der Verordnung für die Reinhaltung und Reinigung von öffentlichen Straßen, dass Fußgängerwege von den Anliegern einer Straße geräumt werden und "auf eigene Kosten in sicherem Zustand zu erhalten" sind. Dies gelte für alle Straßen, selbst wenn diese nicht im Straßenverzeichnis aufgeführt sind. Bürgermeister Gerhard Brehm (JL) sagt: "Wir versuchen, mit Streusalz sparsam umzugehen und mischen oft auch Sand darunter." Wo das Streuen nicht unbedingt notwendig sei, etwa in verkehrsberuhigten Zonen, werde darauf verzichtet.

Michael Bauer von der Straßenmeisterei empfiehlt Privatpersonen kein Streusalz, sondern Splitt, Granulat oder andere abstumpfende Mittel. Diese schmelzen das Eis nicht, verhindern beim Streuen aber direkt die Glätte.

Alternativen zu Salz

Sand ist zum Beispiel so ein preisgünstiges und umweltverträgliches Streugut. Durch die kleinen Körner stumpft er die Glätte aber nur mäßig ab. Daneben hat er noch zwei andere Nachteile: Empfindliche Untergründe werden abgeschliffen wie von einem Schmirgelpapier. Und er hängt sich leicht an die Fußsohlen und muss aufgrund seiner Feinkörnung mühsam nach der Streuperiode von den Wegen gekehrt werden.Splitt, ebenfalls preisgünstig zu bekommen, ist da schon etwas griffiger und einfacher zu handhaben. Allerdings hat er einen entscheidenden Nachteil. Für Tierpfoten sind die spitzen Steinchen sehr unangenehm, für Radreifen je nach Körnung schädigend.

Zu empfehlen sind daher mürbe Produkte, die sich beim Darauftreten leicht zerdrücken. Dabei ist die Auswahl in Baumärkten mittlerweile durchaus gegeben. Experten empfehlen inzwischen vor allem Blählava. Die Körner dieses natürlichen Lavagranulats sind so abgerundet, dass sie weder Hundepfoten verletzten noch Fahrradreifen aufschlitzen. Nach dem Abtauen werden sie mit dem Straßenkehricht eingesammelt, nochmals verwendet oder entsorgt.

Es gibt nur einen klitzekleinen Haken. "Aufgrund der geringen Anzahl an Vulkanen und fehlender Abbaugebiete in Deutschland ist es nicht unbedingt die geeignete Wahl", meint Manuel Fernández, beim BUND in Berlin zuständig für Chemikalienpolitik, auf Anfrage.

Ob der Transport eines solchen global verfügbaren Rohstoffs mit dem Schiff nach Deutschland unter Umweltgesichtspunkten zu verantworten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. "Beim Kauf von Streugut sollten Verbraucher nur zu solchen Angeboten greifen, die den Blauen Engel tragen", empfiehlt ein Sprecher des Umweltbundesamts. Davon gibt es eine ganze Reihe, auch Blählava. Unter "www.blauer-engel.de" und dem Stichwort "Streumittel" können sich Verbraucher informieren.

Straßenmeisterei: Das Wetter bestimmt die Arbeitszeiten

"Bis jetzt mussten wir 250 Tonnen Salz streuen. Wir hatten auch Glück, was das Wetter betrifft, aber der Winter ist noch nicht vorbei", sagt Michael Bauer von der Straßenmeisterei Höchstadt. Er arbeitet seit 1993 dort und hat schon viel im Winter mit Glätte und Schnee erlebt. Ungefähr zwischen 600 und 2800 Tonnen Streumaterial werden pro Winter für die Straßen benötigt.

"Einmal mussten wir 24 Stunden lang räumen, weil es so viel Schnee hatte. Da mussten wir sogar unsere Teams aufstocken", erinnert er sich an einen besonders arbeitsreichen Tag. Alles sei abhängig von der Wetterlage, den Niederschlägen und dem Bodenfrost. Und das wird auch bis um 22 Uhr ständig kontrolliert und überprüft.

Wetterbericht immer im Blick

Um drei Uhr beginnt für zwei Mitarbeiter der Winterdienst: Sie fahren die Bundes- und Staatsstraßen ab, für die die Straßenmeisterei Höchstadt zuständig ist, und werten die Wetterberichte aus. Bereits auf dem Weg zur Arbeit merken sie , wie die Straßenverhältnisse sind und können die Situation einschätzen. Ein Problem sei natürlich, dass das Streugut nicht gut für die Umwelt ist, bestätigt Bauer. Materialien, die aktuell beim Winterdienst verwendet werden, hätten sich in der Vergangenheit einfach bewährt. "Bei uns gilt aber: So viel wie nötig, so wenig wie möglich."

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