Lonnerstadt
Umweltverschmutzung

Giftstoffe aus der Deponie bei Lonnerstadt: Abhilfe muss noch warten

Damit Giftstoffe nicht weiter austreten, ist bei der Altmülldeponie nahe Lonnerstadt eine Drainage mit Auffangbecken geplant. Die Umsetzung verzögert sich.
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Selbst für den Laien ist ersichtlich, dass die alte Deponie bei Lonnerstadt nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Aus der Erde des Osthangs quillt förmlich der Abfall.  Foto:  Christian Bauriedel
Selbst für den Laien ist ersichtlich, dass die alte Deponie bei Lonnerstadt nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Aus der Erde des Osthangs quillt förmlich der Abfall. Foto: Christian Bauriedel
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Dass es auf der alten Mülldeponie bei Lonnerstadt ein Umweltproblem gibt, ist seit langem bekannt. Bohrungen fanden vor elf Jahren, im Jahr 2008, statt. Bereits vor vier Jahren gab es einen Ortstermin des Umweltausschusses.

Von 1977 bis zur Stilllegung 1979 wurde in der alten Sandgrube nördlich des Ortes Hausmüll abgekippt. 6000 Quadratmeter Fläche waren erst offizieller Müllplatz der Lonnerstadter, dann Deponie des Kreises. Fünf Meter und höher schichten sich dort 30.000 Kubikmeter Müll.

Messungen im Grund- und Sickerwasser legten offen, dass es Verunreinigungen gibt. Es sickern krebserregende und erbgutverändernde Giftstoffe aus, so etwa Arsen, Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole, Chlorphenole oder Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe. Im Fokus ist die Böschung am östlichen Rand. Auf der Anhöhe ist landwirtschaftliche Nutzung längst verboten. Der Acker unterhalb wird jedoch noch bewirtschaftet.

Die Konzentration der giftigen Stoffe ist wohl eher gering, aber dennoch nicht unbedenklich. "Bei den derzeitigen Messwerten im Grundwasser kann man nicht von einer erheblichen Grundwasserverunreinigung sprechen", teilt das Landratsamt auf Anfrage des Fränkischen Tags mit. Allerdings sei wegen der Belastung des Sickerwassers und des Zustands der Deponie (ein vorhandenes Sammelbecken ist sehr klein) "eine gewisse Verschlechterung" zu befürchten.

Nach Jahren von Bohrungen, Messungen und Abwägen von Maßnahmen hat der Landkreis sich entschlossen zu handeln. Im Mai dieses Jahres entschied man den Bau einer Tiefendrainage und eines Sammelbeckens, in das Sickerwasser über zwei Leitungen fließen soll. Für die Drainage muss bis zu neun Meter tief gebohrt werden. Das Becken soll unterirdisch süd-östlich der Deponie entstehen.

Eigentlich hätte die Ausschreibung im Juli und die Vergabe jetzt, im September, erfolgen sollen. Als Baubeginn war der Herbst ins Auge gefasst.

Baubeginn verzögert sich

Doch dies wird wohl nicht mehr zu halten sein. Nun geht man vom Frühjahr nächsten Jahres aus. Auf Wunsch des Landrats wurden am Donnerstag die Mitglieder des Kreisbauausschusses über den Sachstand informiert. Es habe noch Klärungsbedarf gegeben. Mit der Regierung von Mittelfranken und dem Wasserwirtschaftsamt sei es um Detailfragen wie Bodengutachten, Bauweise, Inanspruchnahme fremder Fläche und die Dimension des Sammelbeckens gegangen. Man plant nun ein Fassungsvermögen von etwa 50 Kubikmetern. Wer sich an der Böschung als Laie umschaut und die aktuelle Diskussion über Müll und Mikroplastik kennt, kommt jedoch ins Zweifeln, ob das Sickerwasser alleine das Problem ist.

Müll quillt förmlich aus dem Hang

An etlichen Stellen quellen Müllsäcke aus der Erde des Hangs, der im Dickicht stellenweise geradezu übersät ist mit Kunststofffetzen, eingewucherten Altreifen und Plastikrohren. Ein vergilbter Gummiball liegt in einer Hecke.

Laut Verwaltung des Landkreises behält es sich der Sachverständige vom Ingenieurbüro Schuck und Schwarzott vor, ob nicht doch weitere Maßnahmen über das Sickerwasserproblem hinaus zu treffen sind. Genannt werden eine Erneuerung des Damms, eine Oberflächenabdichtung bis hin zu einer Umlagerung des Mülls. Maßnahmen, die in die Millionen gehen dürften. Alleine das jetzt Geplante wird rund 1,2 Millionen Euro verschlingen.

Das Landratsamt ist jedoch zuversichtlich. Auf Nachfrage heißt es: "Eine Komplettabdeckung wäre nur relevant, wenn die nun geplanten Maßnahmen wider jegliches Erwarten den prognostizierten Erfolg nicht bringen. Die genauen Kosten dafür müssten dann berechnet werden." Ob der Erfolg eintritt, werde durch regelmäßige Entnahme von Proben überprüft. Man stehe weiter in Kontakt mit den Fachbehörden.

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