Höchstadt a. d. Aisch
Historisches

Geschichte zum Anfassen im Heimatmuseum Höchstadt

Im Heimatmuseum in Höchstadt wurden die ersten beiden Elemente des neuen museumspädagogischen Konzeptes für Kinder vorgestellt.
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Manuela Hötze und Anastazja Chmielowska (von links) von der Kunstschule Höchstadt haben ein halbes Jahr an der Hintergrundkulisse der Stadt mitgearbeitet. Foto: Mirjam Stumpf
Manuela Hötze und Anastazja Chmielowska (von links) von der Kunstschule Höchstadt haben ein halbes Jahr an der Hintergrundkulisse der Stadt mitgearbeitet. Foto: Mirjam Stumpf
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Das Museum kann ein Ort sein, an dem sowohl die Disziplin von Kindern als auch die Geduld der Eltern auf die Probe gestellt werden können. Denn die wenigsten der dort ausgestellten historischen Überbleibsel dürfen angefasst werden. Im Heimatmuseum am Höchstadter Marktplatz gibt es deswegen nun ein familienfreundliches Element. An einem neu eingerichteten Spieltisch nahe der Empfangstheke können die jüngeren Besucher eine Kleinstadt aus Playmobil entdecken.

"Ich wollte, dass es etwas zum Anfassen gibt", begründete Museumsleiter Christian Plätzer das Diorama, ein Schaubild mit plastischen Gegenständen. Gerade das Berühren sei in einem Museum ja meist nicht erlaubt. Außerdem sollte das neue Element für Kinder auch etwas mit der Stadtgeschichte zu tun haben.

Die Spielstadt thront vor einem gemalten Hintergrund. Vier Mädchen der Kunstschule Höchstadt zwischen 14 und 18 Jahren haben Teile der Stadtkulisse mit Leiterin Irina Gerschmann gestaltet. Die Aktion fand überdies in einer Kooperation mit der Ritter-von-Spix-Schule statt. Ein halbes Jahr habe die aufwendige Arbeit an den Leinwänden gedauert, so Gerschmann. Häuser mussten vorgezeichnet, Skizzen angefertigt werden. "Ich bin durch Höchstadt gelaufen und habe die Häuser fotografiert", berichtete sie, damit die Fachwerkgebäude in der Abbildung auch detailgetreu sind. Eine Mühe, die sich ausgezeichnet hat, wie auch Bürgermeister Gerald Brehm findet.

In jungen Jahren schon im Heimatmuseum verewigt zu sein, sei doch etwas Bemerkenswertes, lobte Brehm die beiden anwesenden Mädchen. Die 18-jährige Anastazja Chmielowska besucht seit rund vier Jahren die Kunstschule. Nach ihrem Abschluss möchte sie nun auf die FOS Gestaltung nach Nürnberg gehen. Auch die 15-jährige Manuela Hötze hat dies vor.

Die Zunft verstehen

Die meisten der Playmobil-Fachwerkhäuser und Figuren hat Leiter Plätzer über Ebay ersteigert und diese dann mit charakteristischen Merkmalen Höchstadts erweitert. So ruht auf dem Häuserdach ein Storchennest, der Pfeifenturm ist vorhanden, ebenso wie das Bamberger Tor oder die Schranne. "Wo sitze ich?" fragte Brehm schmunzelnd und warf einen Blick in das Miniatur-Rathaus.

Doch nicht nur das Diorama ist neu. Für den Zunftsammlungssaal hat Plätzer eigens eine Zunfttruhe nachbauen lassen, wie sie es zur damaligen Zeit gegeben hat. Nach dem Öffnen der zwei dazugehörigen Schlösser - bei zwei Meistern gab es auch zwei Schlösser - finden sich darin Zunftbuch, ein Siegel, gut versteckt etwas Geld und mehrere Barren Bienenwachs. "Gebühren und Strafen waren oft in Wachs zu entrichten", erklärte Plätzer.

Zudem hat der Leiter ein Konzept entwickelt, dessen Grundlage ebenfalls in der Lade zu finden ist. Die Möglichkeit der Nutzung richte sich auch speziell an Klassen. Anhand eines kleinen Rollenspiels, das im Gespräch stattfindet, können sie die Zunftberufe kennenlernen und dadurch leichter begreifen, was eine Zunft ausmachte.

"Es ist ein wichtiger Ansatz", sagte Brehm zu den kinder- und jugendfreundlichen Neuerungen, um auch die Jugend an Geschichte heranzuführen. Das Heimatmuseum sei ein "lebendiges, zukunftsträchtiges Museum", gar "eines der schönsten in Bayern." Zudem betonte er, dass eine Kunstschule nicht für jeden Ort selbstverständlich und er dankbar über das Angebot sei. Die Kunstschule bestehe in Höchstadt bereits seit 13 Jahren.

Plätzer hat noch mehr Ideen, die er in Zukunft umsetzen möchte. Mitte September soll es beispielsweise einen Märchenabend innerhalb der Wände des Museums geben, bei dem die Sagen lebendig erzählt werden.

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