Höchstadt a. d. Aisch
Genuss

Geschichte geht in Höchstadt durch den Magen

Unter der Leitung von Christiane Kolbert machten sich 16 Teilnehmer auf einen kulinarischen Streifzug durch die Stadt.
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Die Teilnehmer ließen sich die Spezialitäten schmecken. Foto: Britta Schnake
Die Teilnehmer ließen sich die Spezialitäten schmecken. Foto: Britta Schnake
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Geschichte und Schnabulieren von Köstlichkeiten... lässt sich das verbinden? Dass dies geht, davon durften sich am Freitagabend 16 hungrige Mägen überzeugen, die unter der Leitung von Christiane Kolbet von "Aischgrund Touren" einen kulinarischen Streifzug durch Höchstadt und dessen Vergangenheit unternahmen.

Gaby Richter aus Herzogenaurach zum Beispiel hatte diesen Event von ihren Freunden Tamara und Christian Geyer aus Erlangen zum Geburtstag geschenkt bekommen, welche auch selbst mitspazierten. "Ausnahmsweise habe ich meinen Mann mitgenommen", erzählt Richter augenzwinkernd. Startpunkt war der Brunnen am Marktplatz. Kolbet, die seit fünf Jahren freiberuflich Einheimischen und Gästen Höchstadt und dessen Geschichte näherbringt, erklärte: "Eine meiner Lieblingstouren ist die, wo es auch was zu essen gibt".

Bier, Bauernbrot und das Schloss

Schon ging es zur ersten Station am Schlossberg, wo am Brunnen bereits eine Überraschung wartete. Wohlwissend, dass ein durstiger Geist nicht wirklich aufnahmefähig ist, kredenzte Christiane Kolbet ihren Gästen Spezialitäten der Brauerei "Blauer Löwe". Im Angebot waren Radler, Vollbier, Pils, Dunkel und Märzen. Für jene, welche dem Alkohol nicht so zugetan waren, gab es Wasser und Apfelschorle. Die Gäste ließen sich die Getränke schmecken, während Kolbet von der Hungersnot 1771 erzählte, in der die Höchstadter rebellierten, als die Forchheimer das Getreide aus dem Schloss holten. Denn dieses fungierte zu dieser Zeit als Speicher.

Um sich für den weiteren Weg zu stärken, verteilte Kolbet noch frisches Bauernbrot von der Bäckerei Fumy, belegt mit köstlichem geräuchertem Schinken aus dem Bauernladen Hock in Höchstadt. Nur sie selbst griff nicht zu, ist sie doch Vegetarierin.

Nepomuk

Gesättigt und mit angefeuchteten Kehlen zog die Gruppe zur zweiten Station auf der alten Aischbrücke, wo Kolbet von Nepomuk erzählte, dem Brückenheiligen von Höchstadt. "Eigentlich hieß er Johannes aus Pomuk", sagte sie. Er schütze vor den Gefahren des Wassers schütze - obwohl er in der Moldau ersäuft wurde.

Spix-Museum und Baguette

Dritte Station waren die 1775 erbaute Stadtmühle und die Fischkästen zum Wässern der Karpfen. "Zwischen Hallerndorf und Neustadt gibt es 7185 Karpfenweiher", erklärt Kolbet. Leider gibt es keine Kostproben von Karpfenspezialitäten, da "August" nun mal nicht ums Verrecken ein "r" enthält. Über die vierte Station, die Stadtmauer an der Badgasse, ging es zum Spix-Museum, wo Kolbet Frischkäsecreme mit Lauchzwiebeln und Schnittlauch servierte, zubereitet vom "Biolett" und aufgestrichen auf frischem Baguettebrot vom Fumy.

Frisch gestärkt ging es so zur Spix-Statue vor der Sparkasse, wo Kolbet demonstrierte, dass sich das Ei, welches der Ritter von Spix in seiner Hand hält, drehen lässt. "Wenn man das Vogelei dreht, kann man sich was wünschen", sagte sie, was natürlich gleich ausprobiert wurde.

Brauhaus Höchstadt

Nach einem kurzen Stopp am ehemaligen Postgebäude. Hier erzählte Kolbet die Legende vom schwedischen Soldaten, dem just, als er ein Baby töten wollte, die Mutter Gottes erschien. An der 8. Station, dem Kommunbrauhaus, wurden erneut Getränke alkoholischer Natur angeboten. Dieses Mal stammte das Bier vom Brauhaus Höchstadt. Man hat die Qual der Wahl zwischen Pils, Lager, Kellerberg-Bier, einem leichten und einem hellen, aber auch Wasser und Apfelschorle.

Als feste Speise werden geräucherte Wurstspezialitäten der Metzgerei Brunner gereicht. Hier galt es zu wählen zwischen Bratwurst, Minisalami und Pfefferbeißern. An dieser Stelle muss man die grundsolid-ehrliche Art der Höchstadter loben, denn sowohl Getränke als auch Speisen standen unbeaufsichtigt vor dem Kommunbrauhaus und nichts wurde gestohlen.

Während sich die Teilnehmer stärkten, erzählte Kolbet von der Freude der Höchstadter, als sie das Braurecht erhielten, denn der selbst angebaute Wein muss gar grauselig geschmeckt haben. Auf dem Weg zur 9. Station, der Pfarrkirche St. Georg, sagte Monika Götz aus Herzogenaurach, "Man fährt sonst nur an der Stadt vorbei, doch nun sieht man sie mit ganz anderen Augen". Aufmerksam auf die Führung wurde sie über einen Prospekt; heute ist sie mit ihrem Mann Günter hier und Hubert Specht, einem Freund aus Hemhofen.

Ölberg und Nussschnecken

Kolbet lenkte das Augenmerk ihrer Gruppe nun auf den Ölberg, welchen sie als eine "kunsthistorisch große Kostbarkeit" bezeichnet. Anschließend führt sie ihre Zuhörer zur 11. Station auf die Rückseite der Kirche, wo die 1997 geschaffene Statue der heiligen Hildegund diverse Plunderteilchen von der Bäckerei Fumy bewachte. Mit Erfolg, denn kein einziges fehlte. Schnell waren Nussschnecken, Quark- und Apfeltaschen verteilt. Während ihre Gäste schweigend aßen, erzählte Kolbet die Legende der Heiligen, welche am Tag ihrer Hochzeit in der Kirche starb, noch bevor ihr Zukünftiger sie letztendlich ehelichen konnte. Selbige Legende besagt auch, dass sich der Leichnam nicht vom Fleck bewegen ließ, so dass er an Ort und Stelle beerdigt wurde.

Pralinen zum Abschluss

Letzte Station der kulinarischen Reise durch Höchstadts Geschichte und Leckereien war der Stadtturm, an welchem jeder Gast ein Betthupferl in Form einer handgemachten Praline der Stadtkonditorei Baier erhält. Zur Wahl standen Rumtrüffel-, Nougat- und Eierlikör-Pralinen. "Dort bekommt man auch Karpfen außerhalb der Saison", erzählt Kolbet. Diese seien zwar aus Schokolade, was der Sache an sich aber bestimmt keinen Abbruch tun dürfte. Nach zwei Stunden präsentierte sich am Ende der Führung nun sowohl ein gefütterter Geist, als auch ein gefütterter Magen. Keine einzige der Speisen, kein Getränk wurde verschmäht oder gar zurückgewiesen. Und: Wir kommen wieder", erklärte Sonja Koenig tief beeindruckt und sprach damit auch für ihre Kolleginnen Alexandra Benker aus Gremsdorf und Karin Bigdeli aus Weisendorf, alle drei Lehrerinnen am Gymnasium in Höchstadt.

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