Neuhaus
Verkehr

Geplante Rastplätze stören die Anwohner

An der A 3 sollen genau zwischen Neuhaus und Buch zwei Park- und WC-Anlagen entstehen. Vielen Bürgern erscheinen die Flächen zu groß, außerdem befürchten sie eine Zerstörung intakter Natur.
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Etwa 80 Bürger aus Neuhaus trafen sich direkt am Standort der geplanten Rastanlage. Fotos: Evi Seeger
Etwa 80 Bürger aus Neuhaus trafen sich direkt am Standort der geplanten Rastanlage. Fotos: Evi Seeger
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"Alle sind entsetzt!" Mit diesen Worten fasste Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) die Bürgermeinungen zu den geplanten PWC-Anlagen (Parken und WC) an der Autobahn A 3 zusammen. In Verbindung mit dem sechsspurigen Ausbau der A 3 plant die Autobahndirektion beim Gremsdorfer Ortsteil Buch und beim Adelsdorfer Ortsteil Neuhaus Rastanlagen auf beiden Seiten der Autobahn. Auf jeder Seite sollen 70 Auto-, 30 Lkw- und acht Bus-Stellplätze geschaffen werden. Wobei bei entsprechender Beschilderung die Lastwagen in der Nacht auch die Pkw-Stellplätze nutzen können.
Vor allem wegen ihrer Größe stoßen die Rastanlagen bei einer Vielzahl von Bürgern auf Ablehnung. Für den Ortstermin mit den Bürgermeistern Waldemar Kleetz (Gremsdorf, CSU) und Karsten Fischkal sowie den Bürgern der jeweiligen Ortsteile hatte die Autobahndirektion Nordbayern das Gelände der geplanten Anlagen abgesteckt.
Einen leichten Stand hatten die Planer nicht.

Flächen nicht zerstückeln

Dabei war die Argumentation der Anwohner unterschiedlich. Die betroffenen Landwirte aus Buch fürchten vor allem die Zerstückelung ihrer Flächen. "Ein Bauer denkt anders als ihr", richtete sich Andreas Dengler an die Planer. Dem Landwirt bringe es nichts, wenn er einmal Geld bekomme und dann über Jahre hinaus keinen Ertrag mehr erwirtschafte. Aus Flächen, die einmal "umgebaggert" wurden, werde nie wieder gutes Ackerland.
Die vorgesehene Lage bei Buch sei noch völlig intakte Natur mit vielen schützenswerten Arten. "Da setzen wir die Grünen drauf an, dann wird hier gar nichts gebaut", sagte Anrainer Philipp Ruhmann. Nach Meinung vieler Bucher ist der Standort völlig falsch gewählt. Nur wenig weiter im Gremsdorfer Gewerbegebiet störe die Anlage überhaupt nicht und es sei zudem jegliche Infrastruktur vorhanden. Daniel Baier aus Buch, Eigentümer des geplanten Areals, beschwerte sich darüber, "dass man überhaupt nicht gefragt wird". Er habe für seine Fläche einen Antrag auf ein Solarfeld gestellt, der sei jedoch abgelehnt worden. Erst danach habe er erfahren, dass sein Grund für die PWC-Rastanlage vorgesehen sei. "Wenn wir den Mist schon nicht wegbringen, dann soll er wenigstens so verträglich wie möglich sein", fanden die Landwirte und machten verschiedene Vorschläge, unter anderem zum Bodenaustausch.
Gut 80 Einwohner hatten sich zum zweiten Ortstermin am Planungsstandort oberhalb von Neuhaus eingefunden. "Allesamt Leute, die hier sind, weil sie Fragen haben", wie Jörg Bubel, SPD-Kreis- und Gemeinderat feststellte. Dies, weil die Vertreter der Autobahndirektion jede Grundsatzdiskussion ablehnten. Der Termin habe lediglich den Zweck, die Örtlichkeit und den Umgriff zu besichtigen, betonte Baudirektor Jürgen Kaiser. Andernfalls werde er den Ortstermin abbrechen.

Neuhäuser wollen Auskünfte

Den Neuhäusern war das gleichgültig: "Wenn die Fachleute da sind, haben wir auch das Recht, fundierte Aussagen zu bekommen", stellte Gemeinderat Norbert Birkner (FW) fest. Bei dem geplanten Standort handle es sich naturschutzrechtlich um besonders wertvolle Flächen. Hier seien der Kiebitz, seltene Froscharten und Libellen zu Hause. "Wir können schon jetzt nachts kein mehr Fenster öffnen", sagte eine Bürgerin, die nach eigenen Worten am nächsten zur Autobahn wohnt. Die Parkplätze würden zudem noch nachts beleuchtet, fürchtet sie. "Wir sind keine Verhinderer", betonte Birkner. Mit dem dreispurigen Autobahnausbau habe man keine Probleme. "Damit können wir leben", ist auch die Meinung von Bürgermeister Karsten Fischkal. Er glaubt sogar, dass die Lärmbelastung nach dem Ausbau und einem leisen Asphaltbelag für Neuhaus geringer werde. Allerdings sei er vor Ort "erschrocken" über das Ausmaß der Anlage. Nach dem Plan habe er sich das viel kleiner vorgestellt.

Ein Anwalt soll helfen

"Wie wollen wir jetzt weiter vorgehen?", fragte Fischkal bei der anschließenden Diskussion im TSV-Sportheim. Er ist der Meinung, dass ein "Profi" nötig ist, der über die Möglichkeiten aufklärt. Fischkal will daher erkunden, wie teuer eine juristische Vertretung durch einen Fachanwalt wird. Die nötigen Finanzmittel will er sich in einer der nächsten Sitzungen durch die Gemeinderäte genehmigen lassen.
Eine Bürgerinitiative zu gründen, wie ein Bürger vorschlug, hält Fischkal nicht für notwendig. Nützlich wäre seiner Meinung nach jedoch ein Arbeitskreis, der sich der Thematik annimmt.
In der Diskussion kamen aber auch Bürger zu Wort, die die Notwendigkeit der Rastanlagen sahen: Es gebe zu wenig Lkw-Parkplätze und die vorhanden wären hinsichtlich der Dichtigkeit (gegen Ölaustritt) nicht für den Schwerlastverkehr geeignet. Der Verkehr werde in den kommenden Jahren um das Doppelte zunehmen.
"Wäre das nur ein Parkplatz, könnte man den überall hinschustern", erklärte Fischkal den immer wieder in Frage gestellten Standort. Da aber eine WC-Anlage geplant sei, müsse der Platz an Wasser und Abwasser angeschlossen werden. Das Regenwasser werde laut Planung in einem Rückhaltebecken gesammelt, das Schmutzwasser in das Adelsdorfer Entwässerungssystem eingeleitet. Für die Kläranlage selbst sieht Fischkal keine Probleme.
Durch die geforderten Ruhezeiten für die Lkw-Fahrer sei entlang der Autobahn ein riesiges Defizit an Stellplätzen entstanden, erklärten die Experten von der Autobahndirektion Nordbayern. Mit dem Baubeginn - "je nachdem wie viel Geld die Politik locker macht" - rechnen sie etwa 2020. Das höher gelegene Gelände werde auf Autobahnniveau heruntergebrochen, so dass ein natürlicher Lärmwall von sechs bis sieben Metern entstehe.
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