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Geocaching: Schnitzeljagd für Fortgeschrittene

Der Spieltrieb im Menschen geht trotz Technisierung nicht verloren. Der Trend Geocaching findet immer mehr Anhänger, verbindet es doch Kindheitserinnerungen mit spannenden Neuerungen.
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Bevor es los geht, müssen die Startkoordinaten eingegeben werden. Foto: Ronald Rinklef
Bevor es los geht, müssen die Startkoordinaten eingegeben werden. Foto: Ronald Rinklef
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Ausgerüstet mit Tablet, ausgedruckten Anleitungen und mit einem Stift bewappnet breche ich auf zu einer neuen Erfahrung. Ich treffe mich mit Jaft zum Geocaching. Jaft, das ist sein Cacher-Name, erzählt mir der erfahrene Geocacher aus Erlangen. Er zeigt mir eine seiner Lieblings-Cacher-Strecken, am Walberla im Landkreis Forchheim.

Geocaching, das ist Schnitzeljagd für Erwachsene, wurde mir erklärt, doch gleich zu Beginn stellt Jaft klar, dass Geocaching nicht nur für Erwachsene, sondern eben auch für Familien mit Kindern gut geeignet sei. "Das ist einfach eine modernere Art, Schnitzeljagd zu spielen", sagt Jaft.

Beim Geocaching sucht man sich im Internet, meist auf www.geocaching.com, einen Schatz, den so genannten Cache, aus, den man dann mit Hilfe von GPS versucht, ausfindig zu machen. Zu unserem Treffen am Walberla hat Jaft mir mehrere Caches vorgeschlagen. Die Anweisungen dafür habe ich ausgedruckt und gebe die Startkoordinaten in die kostenlose App auf dem iPad ein. An diesem Startpunkt angekommen, erwartet mich die erste Aufgabe der Schnitzeljagd. Es soll die Quersumme einer Jahreszahl errechnet und aufgeschrieben werden. Danach geht es weiter auf den Gipfel des Bergmassivs "Ehrenbürg". Dort soll die nächste Aufgabe auf mich warten, doch zunächst wartet eine körperliche Herausforderung und ich merke, dieses Geocaching hat nichts mit einem gemütlichen Spaziergang zu tun. "Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen", klärt mich Jaft auf. Von "eins" wie einfach bis "fünf" wie nicht ohne Hilfsmittel zu meistern. Unser erster Cache ist bei 2,5 eingestuft.

Auf halber Strecke bekomme ich eine Zusatzaufgabe von Jaft, einen "Earth Cache". Bei diesem geht es darum, an einem Ort eine Aufgabe zu lösen, ohne am Schluss eine Dose und ein Logbuch zu finden, es sind einfach geologisch interessante Orte. "Es gibt verschiedene Arten von Caches", erklärt Jaft. "Den zweiten hier habe ich ausgesucht, damit du verschiedene Typen kennenlernst", sagt er. Nachdem wir gemeinsam die zweite Aufgabe erfüllt haben, widmen wir uns wieder dem ersten Cache, für den wir bereits eine Koordinate gesammelt haben, und laufen weiter den Berg hinauf.

Auf dem Gipfel des Walberlas angekommen müssen wir von der Kapelle aus in einem vorgeschriebenen Winkel 140 Meter gehen. Dort ist wiederum eine Jahreszahl zu finden. Diesesmal wird keine Quersumme gebildet, sondern jede Ziffer steht für einen Buchstaben.

Das verwirrt mich etwas, ich schreibe die Ziffern jedoch brav auf. Die finale Aufgabe unseres "Multi Caches" bekommen wir am Gipfelkreuz vom Rodenstein. Auf dem Weg dorthin erzählt mir Jaft, dass er vor drei Jahren mit dem Geocachen angefangen hat.

Auch er war damals nicht allein unterwegs, sondern wurde von seiner Nichte eingeladen. Mittlerweile besitzt er selbst eine komplette Geocaching-Ausrüstung, von GPS-Gerät bis Taschenlampe und Kompass ist alles dabei.
Am Gipfelkreuz vom Rodenstein angekommen, stelle ich mich vor das Gipfelkreuz und lass mir die GPS-Daten anzeigen. Gewissenhaft schreibe ich sie wieder auf meinen Zettel und versuche, die bekommen Daten auf die Lösungskoordinaten anzuwenden. Mit etwas Hilfe von Jaft bekomme ich die Koordinaten für den Cache zusammen. Nun gehen Jaft und ich gemeinsam mit dem GPS in die Zielrichtung. "Noch 50 Meter", sagt Jaft und grinst. Ich bin irritiert, denn ich sehe weit und breit keine Box.

Muggels wie bei Harry Potter

Am Zielpunkt angekommen beginnt also die Suche. Natürlich soll die Dose mit dem Logbuch nicht offen rumliegen, sonst würde sie vermutlich ziemlich schnell von "Muggels", wie Nicht-Cacher genannt werden, gefunden werde. Ein bisschen den Hang hinabgeklettert und ein paar Steine verschoben, dann finde ich also doch die Box mit dem Logbuch. Mit dem Gefühl, das mich dabei überkommt, hätte ich zu Beginn unserer knapp zwei Stunden dauernden Tour nicht gerechnet: Stolz. Purer Stolz erfüllt mich nämlich, als ich mich in das Logbuch eintrage.
Cache gefunden, Geocaching kennengelernt, neues Hobby entdeckt. Wie glücklich die rund 220 000 Geocacher in Deutschland darüber sind, dass ich nun einer von ihnen bin, lässt sich schwer sagen, denn jedem wollen sie ihre kleinen Geheimnisse nicht anvertrauen.

Eine der obersten Regeln beim Geocaching ist es nämlich, sich so zu verhalten, dass "Muggels" nicht merken, was man da tut. "Aber keine Sorge", sagt Jaft zu mir, "wenn man einen Cacher anspricht, weil man weiß, was er da tut, sind sie alle sehr freundlich und verraten auch, welchen Cache sie gerade suchen."

Verschiedene Cache-Typen

Traditional Cache Beim Traditional werden die Koordinaten des Verstecks direkt veröffentlicht, so dass man ohne Umwege direkt zum Cache geführt wird.

Multi Cache Beim Multi Cache sind die Koordinaten des Versteckes zu Beginn der Suche nicht bekannt. Man muss sie sich erst durch das Finden verschiedener Stationen erarbeiten. Ein Multi-Cache kann zum einen einer interessanten "geführten" Wanderung entsprechen, bei der die Landschaft im Vordergrund steht.

Nachtcache Üblicherweise werden Caches, die sich nur nachts finden lassen, so genannt. Meist werden Reflektoren verwendet, die man von einem vorgegebenen Punkt aus durch das Anleuchten mit einer Taschenlampe finden kann. Hinweise im Umfeld des Reflektors führen dann zur nächsten Station. Ein Nachtcache wird meistens als Multicache, seltener als Mysterycache gelistet.

Letterbox Hybrid Das Letterboxing ist ähnliche dem Geocaching. Die Boxen sind ohne GPS zu finden. Im Cache befindet sich ein Stempel, dessen Abdruck man sich in sein Tourenbuch stempeln kann. Im Gegenzug wird erwartet, dass man sich als Finder mit einem eigenen Stempel in das Logbuch einträgt.

Mysterycache Die angegebenen Koordinaten sind nicht die des eigentlichen Versteckes, sondern befinden sich meist lediglich in der Nähe. Um die Finalkoordinaten zu erhalten, muss zuerst ein Rätsel gelöst werden. Hierbei gibt es mittlerweile eine ziemlich große Bandbreite: Sudokus, verschlüsselte Texte, Rechercheaufgaben, Denksportaufgaben und Quizzes, um nur einige zu nennen. Danach kann es wie ein Traditional zu den Koordinaten gehen, oder es beginnt ein Multi- oder auch ein Nachtcache.

Headquaters Caches Eine spezielle Variante von Mysterycaches für Besucher der Groundspeak Firmenzentrale.

Earth Cache Caches ohne Dose und Logbuch, die dien Cacher anhand der gegebenenKoordinaten zu geologisch interessanten Orten führen.

Webcam Cache Eine Variante von virtuellen Caches, die man findet, indem man sich vor die entsprechende Kamera stellt, das Bild aus dem Internet speichert und dann in die jeweilige Cachedatenbank eingibt.

Event Cache ist ein Treffen für Geocacher, entweder eimalig oder als Art Stammtisch. Die angegebenen Koordinaten bezeichnen den Treffpunkt, in der Regel ein Lokal oder ein Grillplatz.
Quelle: Cachewiki.de
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