Höchstadt a. d. Aisch
80er Jahre

Gelockt und nicht geglättet

Auffallend, schrill und bloß nicht glatt - zwei Höchstadter Friseursalons erinnern sich an Frisurentrends der 80er Jahre.
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Das Team des Frisörsalons Forcina nutze Strohhalme, um die Haare von Halima Hemam für kräftige Kringellocken einzudrehen.Fotos: Tina Meier
Das Team des Frisörsalons Forcina nutze Strohhalme, um die Haare von Halima Hemam für kräftige Kringellocken einzudrehen.Fotos: Tina Meier
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Von krisseligen Miniwellen bis hin zu dramatischen großen Locken dominierte die Dauerwelle den Look der 80er Jahre. Und nicht nur bei den Damen lag eine auffällige Lockenpracht voll im Trend. "Auch bei den Männern war die Dauerwelle sehr beliebt. Anders als heute trugen viele Männer ihre Haare gerne eher lang", erinnert sich Regina Essler, die seit rund 58 Jahren leidenschaftlich als Frisörin in Höchstadt arbeitet und ihren Salon Essler & Haare vor elf Jahren an ihren Sohn übergeben hat. In ihrer Karriere hat sie einige Trends kommen und gehen sehen.

"Heute ist die Dauerwelle fast verschwunden. Dafür werden Farbspiele immer beliebter", berichtet Essler und erklärt, dass das Färben in den 80ern keine allzu große Rolle spielte. Ein grauer Ansatz wurde gerne nachgefärbt, doch der Fokus lag klar auf dem Formen der Haare. Glatte lange Haare waren damals eine Seltenheit und wichen wilden und voluminösen Mähnen oder flotten Kurzhaarschnitten. Doch egal ob lang oder kurz - ein ordentliches Toupieren der Haare durfte meist nicht fehlen und auch gezieltes Föhnen sorgte für das gewünschte Volumen. Knallige Farben dominierten aber meist das Make-up und die Accessoires. Für das Nachstellen eines typischen 80er-Jahre Looks wählte Halima Hemam deshalb ein pinkes Haarband und Make-up, ergänzt von einem dunklen Blau, das die Augen zusätzlich betont. Die Auszubildende des Frisörsalons Forcina wagte gemeinsam mit dem Team eine stilistische Zeitreise, die ihre langen Haare in eine aufgetürmten Irokesenschnitt aus kräftigen Locken verwandelte. Die Inhaberin des Salons Forcina, Annika Höfer, ist zwar noch zu jung, um auf eigene Erfahrungen aus den 80ern zurückzublicken, hat sich aber von alten Fotos inspirieren lassen: "Der Stil verbreitet definitiv ein Gute-Laune-Gefühl mit lebensfrohen Farben und peppigen Looks."

Doch woher kommt es, dass bestimmte Frisuren zu einem Trend werden und den Stil einer Zeit so prägnant beherrschen? Besonders die prominenten Vorbilder scheinen ausschlaggebend zu sein. "Ihr Einfluss hat natürlich auch vor Höchstadt nicht halt gemacht. Die Leute hier wurden ebenso durch Zeitschriften und das Fernsehen inspiriert", bemerkt Essler. Die Frisuren folgten dem Lebensgefühl der Zeit und natürlich auch den persönlichen Vorlieben. Wenn ein Trend den eigenen Geschmack trifft, dann kann er sich auch ein Leben lang durchsetzen. "Es gibt Kunden, die ich schon jahrzehntelang betreue und die einem Stil treu bleiben", berichtet Essler.

Ähnlich wie in der Mode tauchen bestimmte Trends auch immer wieder auf. Gerade zu besonderen Anlässen sind ausgefallenere Looks angesagt. Für eine Hochzeit hat die Frisörmeisterin vor kurzem der Braut prägnante Wellen gelegt - früher Routinehandgriffe und heute eine Besonderheit. Und während heutzutage Styling- und Pflegeprodukten für Haare ganze Regalreihen füllen, reichten Shampoo und Haarspray in den 80er Jahren meist aus. Die Veränderungen der Produkte, der elektrischen Hilfsmittel sowie der Kundenwünsche prägen das Berufsbild immer wieder aufs Neue und erfordern ständige Schulungen und Weiterbildungen, weiß Essler, und fasst zusammen: "Im Friseurhandwerk hat sich manches geändert und manches ist geblieben."

Tipps vom Friseursalon Forcina: Für die 80er-Jahre-Kringellocken nutzte das Team übriggebliebene Strohhalme. Die nassen Haare werden um die Halme gewickelt und durch das Verknoten der Enden fixiert, bis sie getrocknet sind. Für diese Technik eignet sich zum Beispiel auch Krepp- oder Küchenpapier, Alufolie und sogar Socken - je nachdem, was gerade zur Verfügung steht und wie groß die Locken werden sollen.

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