LKR Erlangen-Höchstadt
Fakten zur StUB

Geht die Stadt-Umland-Bahn jetzt ins Geld?

Die Pläne für eine Stadt-Umland-Bahn (StUB) schlagen derzeit im Landkreis Erlangen-Höchstadt hohe Wellen. Befürworter und Gegner des Millionen-Projekts liefern sich nicht nur Wortgefechte. InFranken.de möchte Fakten zum aktuellen Stand des Projekts liefern.
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So soll die Stadt-Umland-Bahn einmal verlaufen.
So soll die Stadt-Umland-Bahn einmal verlaufen.

Die Strecke

Die Stadt-Umland-Bahn soll Am Wegfeld in Nürnberg als Verlängerung der Straßenbahnlinie beginnen und weiter über Boxdorf und Tennenlohe das Südgelände der Erlanger Uni anbinden. Weiter führt die geplante Trasse bis zu den Arcaden in Erlangen. Von hier sehen die Planungen einen Ost-Ast über Buckenhof nach Utttenreuth vor. Der zweite Ast soll von den Arcaden Richtung Westen über Büchenbach und Haundorf bis zum ehemaligen Herzogenauracher Bahnhof verlaufen.

Die Haltestellen

Auch Haltestellen sind in der Planung bereits enthalten. Auf Herzogenauracher Gebiet sind dies: Haundorf, Herzobase, Zeppelinstraße, Rathgeberstraße, Glockengasse, Bahnhofstraße und Am alten Bahnhof. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen wurde eine Verlängerung der Strecke bis zum Freizeitbad Atlantis wieder gestrichen. Von Haundorf bis zur Rathgeberstraße könnten die Schienen auf einem eigenen Bahnkörper verlegt werden. Von dort müsste die StUB dann auf den vorhandenen Straßen weitergeführt werden.

Die Länge der Trasse

Die gesamte Trasse hat eine Länge von 31,8 Kilometer. Davon verlaufen 19 Kilometer auf dem Gebiet der Stadt Erlangen, 7,4 Kilometer im Landkreis Erlangen-Höchstadt und 5,3 Kilometer im Stadtgebiet von Nürnberg. Nach diesen einzelnen Streckenanteilen werden auch die Kosten aufgeteilt.

Das Gutachten

Pläne und alle anderen Daten basieren auf einem Gutachten, das das Münchner Planungsbüro Intraplan im Auftrag des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) erstellt hat. 317 Seiten umfasst dieses Werk.
Darin enthalten sind erste Kostenschätzungen. Dabei liege die Betonung auf Schätzungen, wie Dirk Domhardt erklärt, der Abteilungsleiter Verkehrsplanung beim VGN. Um zu belastbaren Zahlen und seriösen Grundlagen zu kommen, müssten laut Domhardt erst einmal "gut 20 Millionen Euro" für Planung ausgegeben werden.

Die Kosten

Der Bau der Strecke wird auf 319 Millionen Euro geschätzt. Dazu kommen Planungskosten von insgesamt 46 Millionen, was Gesamtkosten von 365 Millionen Euro ergibt. Dabei habe man einen Preisstand von 2019 angenommen, teilt der Planer mit.
Nicht in diesen 365 Millionen enthalten sind die Anschaffung der Schienenfahrzeuge und die laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten.

Die Empfehlung

VGN-Planer Domhardt und seine Kollegen halten die StUB durchaus für "ein zukunftsfähiges Projekt", allerdings sollten sich die Kommunen die auf sie zukommenden finanziellen Belastungen genau anschauen. Für konkrete Planungen müssten jetzt 20 Millionen in die Hand genommen werden, sagt Dirk Domhardt. Er empfiehlt, mit dem Kirchturmdenken in der Region aufzuhören.
Um auf die Warteliste für die Förderung vom Bund zu kommen, brauche man belastbare Zahlen. Immerhin würden bundesweit schon rund zehn ähnliche Projekte auf dieser Warteliste stehen, berichtet der VGN-Abteilungsleiter.

Die Zuschüsse

Für den Bau der Stadt-Umland-Bahn sind hohe Zuschüsse in Aussicht gestellt. Die immer wieder diskutierten 90 Prozent der Gesamtkosten werden es aber nicht. Gefördert werden sowohl vom Bund (mit 60 Prozent), als auch vom Freistaat (mit 30 Prozent) nur die so genannten zuwendungsfähigen Kosten, teilt Katja Winkler, Pressesprecherin des Bayerischen Innenministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Keine Zuschüsse gibt es auf die Planungskosten und für Streckenabschnitte, die auf vorhandenen Straßen verlaufen.

Das Bundesprogramm

Mit der Aufnahme in die Kategorie C des Bundesprogramms nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sei die Förderfähigkeit der StUB "dem Grunde nach" bestätigt worden, erklärt das bayerische Innenministerium. Ende 2019 laufe das Bundesprogramm aus. Der Freistaat dränge dann "auf eine leistungsfähige Nachfolgeregelung", mit der auch Zuschüsse für Schienen im Straßenbereich möglich wären. Um hier Planungssicherheit zu bekommen, fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schon im kommenden Jahr Klarheit darüber, wie es mit der Förderung des Bundes nach 2019 weitergehen soll.

Ein Ast nach Höchstadt

Weil im Kreistag Forderungen nach einem weiteren Ast von Erlangen über Röttenbach, Hemhofen, Adelsdorf nach Höchstadt laut geworden waren, lässt der VGN jetzt ermitteln, ob ein solcher Ast "verkehrlich und gesamtwirtschaftlich" in die bisherige Planung integriert werden kann.

Das Bürgerbegehren

Die Freien Wähler im Landkreis möchten die Bevölkerung über die StUB entscheiden lassen und haben ein Bürgerbegehren initiiert. Damit es zum Bürgerentscheid kommt, müssen sie 5000 Unterschriften sammeln. Wenn diese Zahl erreicht ist, werde das Landratsamt die Zulässigkeit des Begehrens prüfen, teilt Landrat Alexander Tritthart (CSU) mit. Vorher möchte er nicht spekulieren.

Die Beratung und Entscheidung

Am Montag, 15. Dezember, wird der Kreisausschuss in einer öffentlichen Sitzung über das Thema StUB beraten. Am Freitag, 19. Dezember, soll dann der Kreistag über den Beitritt des Landkreises zu einem Zweckverband StUB entscheiden. Die Stadträte von Erlangen und Nürnberg haben sich schon dafür ausgesprochen. Der Zweckverband würde dann die weitere Planung, Bau und Betrieb der StUB übernehmen.

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