Neuses
Verkehr

Gegner der Herzogenauracher Südumfahrung machen ihrem Ärger Luft

Naturschützer, Landwirte und besorgte Anwohner fühlen sich mit ihrer Kritik an der geplanten Südumfahrung von Niederndorf nicht beachtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christian von Reitzenstein  (r.) prangerte unter anderem den Flächenverbrauch an, der mit dem Bau der geplanten Südumgehung einher gehe.Manfred Welker
Christian von Reitzenstein (r.) prangerte unter anderem den Flächenverbrauch an, der mit dem Bau der geplanten Südumgehung einher gehe.Manfred Welker
Bei der fünften Begehung der geplanten Trasse der Südumgehung von Niederndorf hatten die Initiatoren der Bürgerinitiative (BI) "Herzo-Süd bewahren" das letzte Teilstück bei Neuses im Visier. Die Initiatoren sind der Meinung: "Südumfahrung: Viel Geld für nix!", was sie auch auf einem Plakat thematisierten.
Zahlreiche Interessenten aus Herzogenaurach, Niederndorf, Hauptendorf und Neuses nahmen trotz der winterlichen Temperaturen an der Begehung teil. Christian von Reitzenstein von der BI brachte den Teilnehmern die Daten der geplanten Straße wieder in Erinnerung. Die neue Trasse messe über fünf Kilometer und sei für Kraftfahrer damit zwei Kilometer länger als die Durchfahrt durch Niederndorf. Ein Argument pro Südumgehung sei, dass sie Staus verhindere. Tatsächlich produziere sie neue Staus an anderen Stellen, an Ampeln, aber auch an den Steigungen, die von Lastwagen nicht so zügig befahren werden können.
"Straßen an sich beheben nicht das Problem", sind die Initiatoren der Überzeugung. Auch das Versprechen, in Niederndorf und in Neuses Tempo 30 einzuführen, sei nicht so leicht umzusetzen.
Ein grundsätzliches Problem für Christian von Reitzenstein: "Geld scheint in Herzogenaurach keine Rolle zu spielen!" Der Bürgermeister kümmere sich mehr um die großen Firmen und nicht so sehr um die Bürger. Von Reitzenstein prangerte den Flächenverbrauch genauso wie die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen an. Damit verbunden war sein Plädoyer für die Reaktivierung der alten Eisenbahnstrecke. Er empfahl, nach dem Prinzip der alten Römer zu handeln: "Was immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende."
Für die Landwirte, deren Flächen für die Umgehungsstraße verbraucht würden, sprach Walter Winkelmann. Ihnen bereiten nicht nur die 22 Hektar Flächenverbrauch Bauchgrimmen, für die Baumaßnahme muss die gleiche Fläche zusätzlich als Ausgleichsfläche zur Verfügung gestellt werden. Rund 40 Hektar Fläche werde zu Lasten der Landwirte benötigt. Dazu komme noch, dass einige der verbliebenen Flächen nicht mehr wirtschaftlich bewirtschaftet werden können. Dies bedeute bei drei oder vier Landwirten das wirtschaftliche Aus für ihre Betriebe.
Die Betroffenen sind der Überzeugung, dass sie nicht wahrgenommen werden. Um ihren Forderungen mehr Gehör zu verschaffen, haben die Eigentümer und die Bewirtschafter eine Interessensgemeinschaft gegründet. "Wir sind nicht bereit, unseren Grund für Sachen herzugeben, die nichts bringen", so Winkelmann. Gehe es nach ihm, müsse die Südumfahrung treffender als "Wirtschaftsspange" tituliert werden.
Mit dem Flächenverbrauch gehe der Verlust zahlreicher Tierarten im Untersuchungsgebiet einher, erklärte Horst Eisenack vom Bund Naturschutz (BN). Er wies beim Gang durch die Natur auf geschützte Biotope und Landschaftsschutzgebiete mit Baumhöhlen für Fledermäuse hin, auch der Laubfrosch fühle sich dort wohl. In der Aufzählung der Tiere finden sich Kuckuck, Goldammer, Pirol, Biber, Eisvogel, Zauneidechse, Grünspecht und Trauerschnäpper. Außerdem werde der bisherige Feldweg zu Gärten gekappt. Für den Feldweg "Am Hasengarten" müsse eine Unterführung auch für Landmaschinen neu geschaffen werden.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren