Höchstadt a. d. Aisch
Gymnasium

G8 oder G9? Verkürzte Schulzeit auch in Höchstadt ein Thema

Für die Höchstadter Schüler ist es bereits seit zehn Jahren Realität: Innerhalb von acht Jahren lernen sie, was früher in neun Jahren erworben wurde. Auch in Höchstadt ist die um ein Jahr verkürzte Schulzeit immer noch Thema.
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Die Frage steht an der Tafel: Soll das Gymnasium acht oder neun Jahre dauern?  Fotos: Maria Leicht
Die Frage steht an der Tafel: Soll das Gymnasium acht oder neun Jahre dauern? Fotos: Maria Leicht
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"Ich finde das G8 trotzdem gut. Warum sollte ich ein Jahr länger in die Schule gehen?", antwortet eine Elftklässlerin auf die Frage, wie sie mit dem achtjährigen Gymnasium in Bayern zurechtkomme. Eine ihrer Mitschülerinnen ist nicht ganz so positiv gestimmt. "Man kann nicht verlangen, dass ich den Stoff von zwei in drei Jahren mache." Als Sprachlerin muss sie nun ein komplettes Jahr Chemie aufholen, da sie nun in der Oberstufe mit den Naturwissenschaftlern aus dem anderen Zweig in einem gemeinsamen Chemiekurs sitzt.

Nicht nur die Schüler am Gymnasium Höchstadt sind sich uneinig, was ihr Schulsystem betrifft. Wie der FT bereits letzte Woche berichtete, scheint auch die Staatsregierung ihr achtjähriges Konzept für die Gymnasien im Land zu überdenken.
Unter dem Druck des bevorstehenden Volksbegehrens der Freien Wähler für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den bayrischen Gymnasien stehen die Zeichen auf Umbruch in München. Mit einem Alternativkonzept der Regierung könnte dem Vorstoß der Freien Wähler der Wind aus den Segeln genommen werden.

Die Einführung des G8

Bernd Lohneiß, Schulleiter des Gymnasiums Höchstadts, ist sich sicher, dass sich nach der Wahl etwas ändern wird. "Was letztendlich die Regierung daraus macht, wird man sehen." Vor zehn Jahren, als das G8 eingeführt wurde, war Lohneiß kein Befürworter der "überschnellen Einführung". Inhaltlich bliebe die Stoffmenge in etwa gleich, erklärte er und fügt hinzu, man hätte an der Stofffülle kürzen können. So sind dem Direktor die Sorgen und Belastungen seiner Schüler bekannt.

Von Problemen, die die Eltern an den Elternbeirat des Gymnasiums Höchstadt herantragen, kann der Vorsitzende des Beirats, Thomas Zieger, berichten. So sei die Arbeitslast im G8 teilweise sehr hoch. "Es wird nach oben hin immer enger" beschreibt Zieger die Situation. Vor allem ab der zehnten Klasse bis hin zur Oberstufe steige das Lernpensum. Man müsse sich einen Schüler vorstellen, der von acht bis 16 Uhr in der Schule sei und damit mehr als 40 Stunden die Woche arbeite, legt Zieger dar. Das könne richtig stressig werden. Neben dem vermehrten Nachmittagsunterricht im G8 sehen viele Eltern auch die begrenzte Zeit kritisch, die den Schülern für Freizeitangebote bleibt. Dabei dürfe man jedoch nicht vergessen, dass unter den Eltern keine einheitliche Stimmung zu einer möglichen Rückkehr zum G9 herrsche, mahnt Zieger. Seiner Einschätzung nach möchten 70 Prozent am G8 festhalten oder würden Nachbesserungen an diesem Modell begrüßen. 30 Prozent würden sich eine Rückkehr zum G9 wünschen.

Auf einzelne Schüler eingehen

Ziegler selbst schätzt eine Rückkehr zum G9 eher schwierig ein. Im Hinblick auf das Studium sei das G8 keine schlechte Idee. Der Vorsitzende des Elternbeirats spricht sich erst einmal dafür aus, Ruhe in die Diskussion zu bringen und dann das bestehende G8 zu optimieren. "Lasst uns aus dem G8, das wir haben, das Beste machen."
Damit liegt er auf einer Linie mit dem Höchstadter Schulleiter. Auch er würde es begrüßen, wenn die Schulen Zeit bekämen, zur Ruhe zu kommen. Für ihn sei es beachtlich, dass die Gymnasien die Einführung des G8 damals so bewältigt haben. Die Bedenken der Eltern gegenüber dem neuen System habe man ihnen mit der Zeit nehmen können. Zu den Pluspunkten des achtjährigen Gymnasiums zählt er die Möglichkeiten, in der Unter- und Mittelstufe in Intensivierungsstunden mit halber Klassenstärke und in Förderkursen auf einzelne Schüler einzugehen. Für Zieger besteht hier jedoch noch Nachholbedarf. Könnte er etwas ändern, würde er an diesen zwei Punkten ansetzen und optimieren. Auch der Lehrplan sollte seiner Meinung nach besser durchdacht werden.

Doch zurück zu Lohneiß. Auch er übt Kritik am achtjährigen Gymnasium: "Was im G8 zu kurz kommt, ist die persönliche Entfaltung eines jeden einzelnen Schülers." Sein Stellvertreter, Ulrich Günther, stimmt ihm zu. Das G9 sei schülerfreundlicher gewesen und die Schüler seien reifer an die Universitäten gegangen. Lohneiß kann sich vorstellen, ein Jahr einzuschieben und damit den Schülern die Gelegenheit zu geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Außerdem komme die zweite Fremdsprache zu früh, kritisiert der Schulleiter. Er spricht sich dafür aus, erst in der siebten anstatt der sechsten Klassenstufe mit Latein oder Französisch zu beginnen. Am Ende der fünften Klasse käme die Wahl aktuell zu früh. Die jüngsten Schüler fänden sich erst am Ende ihres ersten Schuljahres am Gymnasium richtig zurecht.

Hobbys bleiben auf der Strecke

Alle, die es bis zum Abitur schaffen, sind in Höchstadt mit den G9-ern gleichauf. Eine signifikante Änderung der Abiturdurchfallquote könne Lohneiß am Gymnasium nicht feststellen. Dafür müssen die Oberstüfler jedoch in ihrer Freizeit Prioritäten setzen, wie eine Schülerin erklärt. Ihre Freunde nicken. Sie alle können ein Hobby nennen, das sie im Laufe der Zeit, auch wegen der steigenden schulischen Belastung, aufgegeben haben; sei es Ballett, Geigenunterricht oder einfach weniger Zeit für Fußball.
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