Herzogenaurach
Wahlkampfauftakt

Für Tradition und Aufbruch zugleich

Für die bayerischen Grünen stellte sich Katharina Schulze in Herzogenaurach vor. Die Spitzenkandidatin war um keine Antwort verlegen.
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Katharina Schulze in HerzogenaurachRichard Sänger
Katharina Schulze in HerzogenaurachRichard Sänger

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen eröffnete in Herzogenaurach den Landtagswahlkampf und hatte dazu mit der 33-jährigen Katharina Schulze die Spitzenkandidaten zum Kellergespräch eingeladen. Moderiert vom Kreisvorsitzenden Manfred Bachmayer und der Landtagskandidatin Astrid Marschall stellte sich die Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag den Fragen der Besucher.

Schulze redet, wie sie denkt: Schnell, herzlich, pragmatisch, ihre Hände sprechen mit, sie war um keine Antwort verlegen und es wurde deutlich, dass das Energiebündel engagiert und mit Leidenschaft die Ziele der Grünen verfolgt. Bei der "Publikum-frag-mich-was"-Runde liegt die Qualität des Gesprächs auch an der Qualität der Fragen - und diese kamen reichlich und Schulze war um keine Antwort verlegen. So auch zu einer Regierungsverantwortung und einer möglichen Koalition mit der CSU, wobei sie sich aber deutlich von Markus Söder distanzierte.

Jenseits der Farbenspiele

"Die absolute Mehrheit der CSU wird in 46 Tagen Geschichte sein", rief sie unter Beifall. Und was das Mitregieren angeht? "Wir machen Wahlkampf abseits aller möglichen Farbenspiele, sondern bewerben uns um die Wählergunst mit einem werteorientierten Programm. Die Grünen werden eine Partnerschaft dann ins Auge fassen, wenn es um die Durchsetzung einer ökologischen und gerechten Politik geht. Antieuropäischen und auch autoritären Bestrebungen hingegen erteilen wir eine klare Absage." Das Ziel müsse deshalb sein, so stark zu werden, dass die CSU nicht an den Grünen vorbeikommt.

So setzen die Grünen im Landtagswahlkampf auf Traditionen und Aufbruch, denn das Land brauche eine Veränderung, so Schulze. Deshalb laute auch das Motto: Modernität und Tradition zu verbinden. Die CSU-Strategie bezeichnete die Kandidatin als verantwortungslos. In den letzten Wochen sei doch deutlich geworden, dass die CSU kein Interesse habe, Europa zu stärken. Horst Seehofer hat demnach noch immer nicht verstanden, dass man auf europäischer Ebene gemeinsam für Lösungen sorgen muss.

Deshalb müsse Bayern Heimat bleiben - und es wurde deutlich, dass Schulze stolz ist auf diese Heimat, die bunt und vielfältig sowie demokratisch bleiben soll. "Ich möchte in keinem Land leben, in dem sich die Polizei nicht durchsetzen kann und ungestraft der Hitlergruß gezeigt werden kann", ging sie auf die jüngsten Ereignisse in Chemnitz ein. Bayern sei ein der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtetes Land und habe ein Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus, das aber nicht richtig angewandt wird und dessen Rahmenbedingungen geändert werden müssten.

Schulze zufolge haben insbesondere die Mordtaten des nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) vor Augen geführt, dass Menschen immer noch den Rechtsextremismus in den Köpfen haben. Für die Grünen ist das Chance und Herausforderung zugleich. Der Rechtsruck, den die CSU in den vergangenen Jahren hingelegt habe, um AfD-Wähler zurückzugewinnen, habe Platz in der Mitte geschaffen.

Die Lebensgrundlagen bewahren

Jedenfalls kann die 33-Jährige, die zusammen mit Ludwig Hartmann das Spitzenduo für die Landtagswahl bildet, auch die Kernthemen ihrer Partei ansprechen. Dazu gehört der Umweltschutz - und in diesem Zusammenhang die Forderung, angesichts des CO2 -Problems Mobilität neu zu denken. "Warum sollen ich und meine Familie grün wählen?", lautete eine der Fragen. Antwort: Weil sich die Grünen die Bewahrung der Lebensgrundlagen als oberstes Ziel gegeben haben und für eine ökologisch gerechte Politik eintreten.

So seien gerade in Sachen Verkehrspolitik intelligente Lösungen gefragt, nicht nur beim Ausbau der Bahn oder des öffentlichen Nahverkehrs. So habe die Politik die verdammte Pflicht, schnellstens eine Verkehrswende auf den Weg zu bringen, denn Deutschland brauche eine neue Mobilität. Schulze: "Das ist die existenzielle Frage für uns alle."

Die Spitzenkandidatin lacht und gestikuliert viel, redet ohne Punkt und Komma. Geht zu den Fragestellern und blickt neugierig ins Publikum. Schulze will Politik erklären, will Menschen dafür begeistern. Schulze spricht mit dem Selbstvertrauen einer Spitzenkandidatin und sagt mehrmals der CSU den Kampf an. "Da liegt was in der Luft", hört man Schulze mehrmals an diesem Abend sagen.



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