Niederndorf
Freude

Todkranker Junge kämpfte um sein Leben: So geht es Jakob heute

Vor zwei Jahren sah es schlecht für Jakob aus. Der Junge kämpfte gegen Blutkrebs, doch die Therapie zeigte keine Wirkung. Dann fand sich plötzlich ein passender Spender. Wie geht es ihm heute?
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Der zwölfjährige Jakob Conrads aus Niederndorf blickt zuversichtlich in die Zukunft. Bernhard Panzer
Der zwölfjährige Jakob Conrads aus Niederndorf blickt zuversichtlich in die Zukunft. Bernhard Panzer
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Burger, Jakob wollte Burger. Als der zwölfjährige Bub, der an Leukämie erkrankt war und sich nach einer Knochenmark-Spende zusehends erholt, endlich wieder richtig essen durfte, hatte er Heißhunger auf etwas Herzhaftes. Und das haben ihm die Eltern gegönnt. Es war einer dieser befreienden Momente auf dem Weg zurück in die Normalität. Wenn man jedes einzelne Salatblatt nicht mehr heiß abwaschen muss, wie Vater Daniel Conrads sagt. Sondern einfach Burger bestellt, abholt und gut ist's.

Jakob und seine Eltern erleben jetzt viele dieser Momente. Er geht wieder zur Schule, darf seine Freunde treffen, spielt Schlagzeug, war im Urlaub an der Ostsee und auf dem Oktoberfest. Der Bub macht alles, was andere Gleichaltrige auch tun. Es sind fast 13 Monate vergangen, seit er frisches, gesundes Knochenmark gespendet bekam. Jakob hat die Transplantation gut verkraftet, alles ist erfolgreich verlaufen. Am 28. November feierte er den ersten Geburtstag seines neuen Lebens.

Ein Blick zurück: Seit Sommer 2016 kämpfte Jakob gegen den Blutkrebs, es gab niederschmetternde Diagnosen, die Therapie half nicht. Dann fand sich ein Knochenmark-Spender, Jakobs Körper nahm die Stammzellen an. Seither ist er auf dem Weg zurück in die Normalität. Da ist er "fast schon angekommen", wie Daniel Conrads sagt. "Es ist sehr gut verlaufen", sagt er. "Wenn man überlegt, was alles hätte passieren können."

Dennoch bleibt Jakobs Vater wachsam. Seinen vorsichtigen, aber dankbaren Blick hat er sich bewahrt. Denn im Mai gab es noch einen Schreckmoment. Da sind bei einer der regelmäßigen Punktionen plötzlichen Restzellen aufgetaucht, also altes krankes Knochenmark von früher, "das sich wohl irgendwo versteckt hatte", wie die Eltern berichten. Es waren sehr geringe Spuren, aber auch diese 1,8 Prozent bereiteten Sorgen. Es wurden eingefrorene Immunzellen des Spenders nachgeschossen, die der Bub dann portionsweise verabreicht bekam.

Viele kleine Schritte

Trotz der zwischenzeitlichen Aufregung ließen die Ärzte den Zwölfjährigen mit seiner Familie in Urlaub an die Ostsee fahren. "Allerdings mussten wir versprechen, dass wir in der Onkologie in Lübeck einen Check machen", sagt Mutter Birgit. Zwei Punktionen nach der Rückkehr ergaben dann wieder gesunde einhundert Prozent. Das Immunsystem funktionierte.

Es sind viele kleine Schritte auf dem Weg zurück in den Alltag. Im September kam Jakob in die sechste Klasse des Gymnasiums. Mit einer vorsichtigen stundenweise Wiedereingliederung, wie sie auch bei Berufstätigen erfolgt. Für Jakob war das nichts, sagt die Mutter. Er besuchte sechs Stunden Unterricht wie die anderen auch. Inzwischen hat Jakob auch wieder zugenommen. Zeitweise war der 1,51 Meter große Junge auf 34 Kilogramm abgemagert. Die Eltern mussten ihn geradezu füttern, dass er zunahm. Obwohl er ganz gut gegessen hatte. Inzwischen hat Jakob die Süßigkeiten entdeckt, und da vor allem Marzipan. "Jetzt müssen wir eher bremsen, dass er nicht zu viel nascht", sagt Birgit lächelnd.

Ein deutlich sichtbarer Schritt ins normale Leben war auch der Abschied von Willi. So hat Jakob den Hickman-Katheder getauft, der den Patienten mit Medikamenten versorgte. So langsam wird alles wieder ganz normal. Nur Sport darf er noch nicht machen, da hat er eine Unterrichtsbefreiung. Recht bös' drüber scheint Jakob nicht zu sein. "Ich bin noch nicht in der Kondition dafür", sagt er weltmännisch. Mit dem Fußballspielen möchte er aber vielleicht doch wieder anfangen. Zu seinen ehemaligen Mannschaftskollegen hat er ja Kontakt. Er hat sie und andere Freunde, auch aus der Klinik, jüngst zu einer Party in den Niederndorfer Pfarrsaal eingeladen.

Schlagzeug auf dem Marktplatz

Aber auch in Sachen Fußball bleibt Jakob cool. Wenn das nicht klappt, sagt er, dann spiele er halt Tischtennis. Schlagzeug spielt der Bub ja auch schon wieder. Und da ist er jüngst mit dem Schülerorchester beim Lebendigen Adventskalender in Herzogenaurach aufgetreten.

Aktuell freut er sich auf das Weihnachtsfest zu Hause mit der Familie. 2017 musste er ja in der Klinik bleiben. Es ist das zweite Weihnachtsfest seines neuen Lebens. Denn irgendwie ist der 28. November 2017 ja wie der Tag einer neuen Geburt. Jakob weiß das, und hat auch schon seinen Kommentar dazu: "Mit sieben Jahren mach' ich meinen Führerschein", blickt er in die Zukunft. "Und mit acht geh' ich arbeiten." Eigentlich kann Jakob Conrads aus Niederndorf jedes Jahr doppelt Geburtstag feiern.

Trotz aller Freude über die Erfolge bleibt die Familie vorsichtig in ihren Erwartungen. Eine Aussage, die Daniel Conrads zu Weihnachten 2017 getroffen hat, gilt auch heute noch: "Man lernt, auf das Kleinste zu schauen und sich zu freuen." Auch wenn sich die Situation inzwischen sehr entspannt hat. Doch bis die Familie so richtig zur Ruhe kommt, dauert es noch. "Es bleibt immer die Ungewissheit", sagt Vater Daniel.

Ein großer Wunsch wird Jakob aber schon bald erfüllt: Er darf wieder ins Atlantis. Spätestens im Januar, wenn die nächste Punktion positiv verläuft. Sie sollte die letzte sein für längere Zeit. Der Alltag kann kommen.

Ein Blick zurück: Von der Diagnose bis heute

 

 

Diagnose Es war im Sommer 2016, als die Familie die niederschmetternde Diagnose bekam: Jakob hatte Blutkrebs. Eine Zeit voller Schmerz und Ungewissheit begann, Jakob unterzog sich einer Chemotherapie, die aber nicht half. Von weiteren rieten die Ärzte ab, der Bub hätte sie vielleicht nicht überstanden. Nur eine Knochenmarkspende konnte jetzt sein Leben retten.

Daraufhin ergab sich eine überwältigende Hilfsbereitschaft. Herzogenauracher Bürger organisierten eilends eine Typisierungsaktion, deren Resonanz alle Erwartungen übertraf. 1283 Bürger nahmen am 30. September 2017 teil, 130 Helfer packten mit an.

Typisierung Wenig später die erste frohe Botschaft: Tatsächlich fand sich ein geeigneter Spender, der allerdings nicht aus dieser Aktion stammte, seine Herkunft bleibt unbekannt. Die Herzogenauracher Aktion war freilich nicht vergebens: Alle Teilnehmer sind jetzt in die Knochenmarkspenderdatei aufgenommen und können womöglich einem anderen Patienten irgendwann mal helfen.

Transplantation Alles Augenmerk richtete sich fortan auf den 28. November, dem Tag der Transplantation. Jakobs eigenes, verkrebstes Knochenmark musste zerstört werden, damit sein Körper die neuen Zellen aufnehmen konnte. Die Übertragung dauerte dreimal vier Stunden und verlief erfolgreich.

Franken helfen Franken Unterdessen hielt die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung an. Die Spendenaktion "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken brachte 7600 Euro. Partner vor Ort war Stadtpfarrer Helmut Hetzel, der hier noch weitere Spenden sammelte. Insgesamt konnten im Februar somit fast 10 000 Euro an die Familie übergeben werden.

Entwicklung 2018 war geprägt von der Hoffnung, bis sich nach mehreren positiven Punktionen und den ersten "hundert Tagen" dann Zuversicht einstellte. Jetzt, ein gutes Jahr nach der Transplantation, steht Jakob vor seiner letzten Punktion für längere Zeit. Er hat es erst mal geschafft. Unter ärztlicher Beobachtung steht er noch Jahrebp

 

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