Geschichte

Für den Retter der Höchstadter Aischbrücke

Vor 73 Jahren sollten amerikanische Soldaten durch die Sprengung der Aischbrücke gestoppt werden. Der mutige Konrad Böckl hat das verhindert.
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Juliane Oppelt, die Tochter von Konrad Böckl, der die Sprengung der alten Aischbrücke verhinderte, enthüllte die Gedenktafel.  Foto: Tina Meier
Juliane Oppelt, die Tochter von Konrad Böckl, der die Sprengung der alten Aischbrücke verhinderte, enthüllte die Gedenktafel. Foto: Tina Meier
Es ist der 14. April 1945. Die amerikanischen Truppen wollen sechs Tage später - pünktlich zum Geburtstag Adolf Hitlers - in Nürnberg einmarschieren und erreichen über den Saltendorfer Berg schließlich Höchstadt.

"Der damalige Landrat und ein Polizist liefen ihnen mit weißen Fahnen entgegen und konnten größeren Beschuss verhindern", erinnert sich Juliane Oppelt, die damals 17 Jahre alt war.
Doch nicht jeder war zur friedlichen Kapitulation bereit. Um auf die andere Seite der Aisch zu gelangen, mussten die Amerikaner die historische Brücke überqueren und genau dort wollte der deutsche Volkssturm sie mit einer Sprengung angreifen und stoppen.

"In unserem Haus warteten 12 bis 15 deutsche Soldaten. Mein Vater bat sie, die Amerikaner nicht anzugreifen, damit diese nicht uns und unser Haus beschießen. Aber einer von ihnen sagte nur: ,Wenn Sie den Mund nicht halten, dann knall ich Sie ab'", schildert Oppelt. Deren Familie wohnte damals in der Nähe des heutigen Karpfenkreisels.

"Mein Vater sagte, ,einer muss etwas unternehmen' und er entschloss sich dazu, die Zündschnüre durchzutrennen." Doch der deutsche Soldat, der für die Sprengung zuständig war, bemerkte ihn. "Wenn er meinen Vater verraten hätte, wäre das alles ganz anders ausgegangen", berichtet Oppelt. Zum Glück unterstützte der Soldat sogar den Plan. Damit die Manipulation nicht auffiel, ließen sie andere, ungefährlicher platzierte Sprengladungen in die Luft gehen, während der Draht zur Aischbrücke kalt blieb.

Was wäre ohne diesen mutigen Einsatz gewesen? Die Amerikaner hätten die Aisch erstmal nicht überqueren können, ein Kampf hätte zahlreiche Leben in Gefahr bringen können und die historische Brücke wäre zerstört worden.

Zur Aufarbeitung des Geschehens und zur Ehrung von Konrad Böckl wurde am Samstagnachmittag eine neue Tafel an der alten Brücke enthüllt, die von den Nachfahren Böckls, Sebastian Schmidt vom Heimatverein und der Stadt ermöglicht worden ist.


Hitler nie gemocht

Die Idee stammt von Juliane Oppelt, der Tochter des Geehrten, deren Wunsch es ist, die Geschichte zu erhalten und das Erlebte weiterzugeben.

Ihr Vater zog nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1918 aus der Oberpfalz nach Höchstadt und sorgte als Fachberater für die Fischzucht dafür, dass sich gesunde und den gewünschten Standards entsprechende Karpfen in den Weihern tummelten. "Den Hitler hat er nie gemocht", erinnert sich Oppelt und berichtet, dass ihr Vater dennoch 1938 in die NSDAP eingetreten ist. "Sie haben zu ihm gesagt: ,Zahle deinen Beitrag. Halte deinen Mund. Du hast Familie'", blickt die Seniorin zurück und fügt hinzu: "So war es damals und das sollte nicht in Vergessenheit geraten."
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