Selbst in Würzburg kennt nicht jeder den Aischgrund. Diese doch etwas enttäuschende Erfahrung hat Sandra Hammer von Karpfenland Aischgrund erst kürzlich bei der Mainfrankenmesse gemacht. Aber auch diese: Auf Einladung des Bundestags war sie mit einem Stand beim Tag der offenen Tür im Innenministerium in Berlin. Und kam mit allerhand Leuten ins Gespräch. Nun hat sich ein Ehepaar gemeldet, das spontan eine Woche Urlaub im Aischgrund machen möchte.
"Jetzt greift es, wo wir seit einem Jahr Werbung auf Messen gemacht haben", ist die Tourismus-Fachfrau überzeugt. Außer bei schnell entschlossenen Einzelreisenden dauert es eine gewisse Zeit, bis eine Reaktion kommt. "Wer zum Beispiel für seinen Verein den alljährlichen Ausflug plant, hat oft ein gutes Jahr Vorlaufzeit", weiß sie aus Erfahrung.
Das laufende und das kommende Jahr will sie als "Jahr der Vernetzung" sehen.
Sie will touristisch den Aischgrund als Bindeglied zwischen Steigerwald und Fränkischer Schweiz etablieren: durch Schulungen der Fremdenführer "nebenan", durch wechselseitiges Auflegen von Flyern und durch gemeinsam geschnürte Angebotspakete.
Damit das eine runde Sache wird, ist sie dabei, angrenzende Gemeinden für den Touismusverband zu gewinnen. 17 Gemeinden an Aisch und Ebrach tragen ihn neben Gastronomen und Firmen schon mit. 17 Cent pro Einwohner zahlen die Mitgliedsgemeinden jährlich, denn durch die Beiträge müssen nur 20 Prozent der Tourismusagentur mit Büro in Höchstadt und zwei hauptamtlichen Mitarbeitern abgedeckt werden; der große Rest stammt aus EU-Mitteln, die wohl für einige Jahre sicher sind.

Touren mit dem Nostalgiebus

In Beitrittgesprächen ist Sandra Hammer derzeit mit Hallerndorf, Hausen, Wachenroth, das wieder einsteigen will, mit Baiersdorf, Möhrendorf und Röttenbach. Dort stellte sie kürzlich das Karpfenland Aischgrund eingehend vor: Touren mit dem Nostalgiebus oder besondere Angebote für Reisende mit Rollator oder handicapte Personen. Hier gilt es Probleme zu lösen wie nahe Zufahrt zu einer Sehenswürdigkeit, barrierefreie Wege bei einer Stadtführung oder in einer Gaststätte. Das gilt im Wesentlichen für alle Angebote für die spezielle Zielgruppe 50plus.
An den Aktivitäten und ihrem Nutzen für den Aischgrund zweifelte niemand. Aber an der touristischen Qualität des eigenen Ortes. Das ist in gewisser Weise verständlich in einem Ort, dessen Schloss schon lange nicht mehr steht, der kein Museum hat ... "Wer mit wachen Augen durch Röttenbach geht, entdeckt viele schöne Ecken", gab denn auch Bürgermeister Ludwig Wahl vor. Norbert Holzmann reagierte auf "50plus" und die vielen aktiven Wanderer in Röttenbach aus dieser Altersgruppe. Er ist überzeugt davon, dass für diese Zielgruppe der Aischgrund im Ganzen bekannter gemacht werden muss, aber auch Röttenbach mit seinem Wegenetz für Wanderer und Radler einiges einbringen kann.
Die Radler haben den Aischgrund schon entdeckt, ist sich Hammer recht sicher. Im Schnitt kämen 40 Personen pro Tag in der Touristen-Info vorbei, die meisten sind mit dem Rad unterwegs. "Gerade hier hat doch Röttenbach einiges zu bieten", bestätigte Hammer und überzeugte den Röttenbacher Rat vom Nutzen des Beitritts.

"Das sucht doch der Gast"

Stehenbleiben gilt nicht, scheint die Devise der Fachfrau zu sein, zählt sie doch aus dem Stand jede Menge an neuen Ideen auf. Kurz vor dem Erscheinen steht das erste Heft des Aischgrundmagazins. Bei den Gastronomen will sie dafür werben, dass sie in der Radel- und Wandersaison auch Mittagessen anbieten - mit fränkischer Küche. "Denn das sucht doch der Gast, das Regionale", betont Hammer. Vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, dass sie sich stark macht, den Aischgründer Karpfen als Qualitätsbegriff zu etablieren. Wie das andernorts mit anderen regionalen Besonderheiten längst geschieht.
"Die Karpfensaison muss man mit einem Fest eröffnen", ist Hammer durch den Vergleich mit anderen Regionen überzeugt. Sie kann sich gut ausmalen, wie an einem zentralen Ort das Angebot an Karpfenspezialitäten, aber auch die besonderen Biere der örtlichen Brauereien probiert werden können. Von Einheimischen wie von Gästen.
Tourismusförderung, weil eine Region wirtschaftlich schwach ist: Das trifft, so Hammer, auf den Landkreis Erlangen-Höchstadt nicht zu. Aber für sie ist es kein Widerspruch, die kulturellen Schätze und die Landschaft eines wirtschaftlich starken Raums wegen ihres Wertes zu bewerben.