Renovierung

Frischer Klang für St. Georg

Über zehn Monate war die Orgel aus St. Georg in ihre Tausende von Einzelteilen zerlegt und wurde generalüberholt. Am Freitag soll sie wieder erklingen.
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Robert Schmidt von Orgelbau Friedrich (Oberasbach) passt die Pfeifen im Orgelgehäuse ein. Fotos: Karina Brock
Robert Schmidt von Orgelbau Friedrich (Oberasbach) passt die Pfeifen im Orgelgehäuse ein. Fotos: Karina Brock
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Andreas Hemmerlein ist auf der Suche nach einem bestimmten "gis". Aber er muss nicht lange suchen, er weiß, wo es steht: Links neben dem Orgelgehäuse - und es ist ganz schön groß.

Wie jetzt? Nein, Hemmerlein ist kein Musiker. Er ist Orgelbaumeister und baut in diesen Tagen gemeinsam mit einigen Kollegen die Orgel wieder in die Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg ein. Wie er unter den unglaublich vielen Einzelteilen - von winzigen Schrauben bis hin zu den größten Orgelpfeifen - den Überblick behalten kann, ist dem Laien ein Rätsel. 3000 Pfeifen in allen Größen und über 30 Register müssen bis zum Freitag wieder an Ort und Stelle sitzen. Denn dann wird mit der Einweihung des Instruments ein weiterer Meilenstein der Generalsanierung geschafft sein.

"Am Freitag wird unsere Orgel endlich wieder spielen", freut sich Dekan Kilian Kemmer. Zwar war der Klang der technisch verstärkten elektronischen Orgel, auf der seit dem Wiedereinzug an Weihnachten musiziert wurde, dem einer echten Orgel verblüffend ähnlich. "Aber man wird den Unterschied deutlich hören", ist sich Kemmer sicher. Auch die restaurierten Kreuzwegstationen hängen dann wieder - pünktlich zum Beginn der Karwoche. "Hier haben wir nur eine kleine Änderung vorgenommen, so dass nun in jedem Seitenschiff sieben hängen, anstatt zwei im Hauptschiff", erklärt Kemmer. So könne man den Kreuzweg als Rundgang gestalten.


Zwei Firmen kooperieren

Seit dem 8. Mai 2017 war die Orgel nun ausgebaut. Das komplette Innenleben des Instruments kam in die Werkstätten und Lagerräume der beiden Orgelbaufirmen, die für diese Mammutaufgabe zusammen arbeiten: Orgelbau Friedrich aus Oberasbach kümmerte sich um den technischen Teil, die Firma Hemmerlein aus Cadolzburg um die Mechanik. Wobei die technische Anlage komplett erneuert wurde, um auf dem neuesten Stand zu sein. Register und Pfeifen hingegen wurden gereinigt, restauriert, repariert, aber nur im äußersten Notfall ersetzt.
Seit Februar sind die Orgelbauer bereits am Werk, da die Orgel ja Register für Register wieder intoniert werden muss. "Manches wurde schon geschafft, wobei man bedenken muss, dass die Arbeit immer wieder mal von anderen Arbeiten behindert wurde." Logistisch sei das nicht anders möglich gewesen. Bis Freitag haben die Fachleute nun noch einiges zu tun.

Kein Wunder, dass es bei so einem Aufwand das erste Mal ist, dass die Orgel überholt wurde. "Und es ist eine große finanzielle Belastung, da die Kosten von über 100 000 Euro von der Diözese mit gerade mal 5000 Euro unterstützt werden", betont Kemmer. Kultur werde offensichtlich als Luxus eingestuft und dabei die große Ausdruckskraft der Kirchenmusik unterschätzt, moniert der Dekan. Nach der Sanierung sollte das Instrument nun noch viel besser klingen, da alle Schäden behoben und Verunreinigungen beseitigt wurden.
Davon überzeugen können sich am Freitag die Gottesdienstbesucher sowie das komplette siebenköpfige Organistenteam, von denen beim Einweihungsgottesdienst jeder mal in die Tasten greifen darf.






Termine und weitere Informationen

Weihe: Freitag, 23. März, 19 Uhr: Gottesdienst mit Domkapitular Wolfgang Klausnitzer; Orgel- und Kreuzwegweihe
Führung: Sonntag, 25. März, 16 und 17 Uhr: Orgelführung mit musikalischen Demonstrationen
Orgel: Bei der Höchstadter Orgel handelt es sich um eine Maßanfertigung der Orgelbaufirma Weise in Plattling aus dem Jahr 1967. Es ist eine Elektropneumatische Orgel, bei der die Elektronik für die Luft sorgt, die die Pfeifen zum Klingen bringt. Gemäß dem Stil der Nachkriegszeit handelt es sich um eine Orgel mit spätromantischer Disposition, die durch technische Möglichkeiten auch einen barocken Klang erzeugen kann. Beide Stile wurden so zusammen gefasst.
Kreuzweg: Mit Außnahme von drei Stationen stammt der Kreuzweg in St. Georg aus der Barockzeit. Im 19. Jahrhundert wurde er wegen Schäden durch einen neuen im nazarener Stil ersetzt. Erst Kilian Kemmers Vorgänger Nikolaus Zimmermann entdeckte die barocken Gemälde wieder auf dem Dachboden des Pfarrhauses. In den 1960er Jahren kamen sie - etwa zeitgleich mit der Orgel - wieder in die Kirche. Dafür verschwand der nazarenische Kreuzweg auf dem Dachboden. Dort fand ihn einmal Kemmers polnische Urlaubsvertretung, Marian Wittlieb, aus der späteren Partnergemeinde Swinemünde, wo er inzwischen als Dauerleihgabe die Kirche schmückt.


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