Frickenhöchstadt
Engagement

Frickenhöchstadter packen Kirchweih an

Der Dorfverein hat wieder Leben in den kleinen Ort Frickenhöchstadt im Landkreis Erlangen-Höchstadt gebracht. Am Wochenende wird Kirchweih gefeiert, als Höhepunkt tritt das Theater Kuckucksheim auf.
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Alle packen mit an. Das ist das Typische an Frickenhöchstadt. So entstand das Dorf haus und so stemmen sie auch wieder die Vorbereitungen für die Kerwa am Wochenende. Foto: privat
Alle packen mit an. Das ist das Typische an Frickenhöchstadt. So entstand das Dorf haus und so stemmen sie auch wieder die Vorbereitungen für die Kerwa am Wochenende. Foto: privat
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Eines kann man Herbert Merkel und seinen Mitstreitern auf keinen Fall nachsagen: einen Mangel an Visionen. Und dann kommt bei den Mitgliedern des Frickenhöchstadter Dorfvereins noch etwas hinzu, woran es wiederum den meisten Visionären mangelt: jede Menge Tatkraft.

Andernfalls hätten sie es wohl kaum geschafft, in rund eineinhalb Jahren ein Dorfhaus größtenteils in Eigenregie und durch den Einsatz von rund 3500 Arbeitsstunden zu bauen, das nun schon seit einem Jahr ein beliebter Treffpunkt ist. Zu Beginn des Vorhabens hatte die Zusage der Gemeinde Vestenbergsgreuth, das Haus mit einem Zuschuss von 130 000 Euro mitzufinanzieren, auch einige Skeptiker außerhalb von Frickenhöchstadt auf den Plan gerufen, die das Geld schlecht angelegt sahen.

Diese sieht Vereinsvorsitzender Merkel im Pressegespräch bei einem Blick in den Gastraum widerlegt, denn beim Donnerstags-Stammtisch sind alle rund 40 Sitzplätze besetzt, und das nicht nur mit Dorfbewohnern, sondern auch Gästen aus den umliegenden Ortschaften.

"Das Ansehen der Frickenhöchstadter nach außen ist besser geworden", meint Merkel. Landrat Eberhard Irlinger (SPD) habe den Verein nach einem Besuch vor Ort sogar für den Deutschen Bürgerpreis vorgeschlagen, und auch die Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" sei bei einem Rundgang sehr angetan gewesen.
Noch wichtiger sei aber natürlich der Alltag, der in Frickenhöchstadt mit seinen knapp 60 Einwohnern durch die Aktivitäten des Dorfvereins ein bisschen lebenswerter sein soll. Die Mitglieder öffnen nicht nur jeden Donnerstagabend und Sonntagvormittag das Dorfhaus - das auch für private Feiern gemietet werden kann - sondern betreuen unter anderem auch einen Badeweiher direkt nebenan. Man feiert schon seit vielen Jahren ein Backofenfest und zündet ein Sonnwendfeuer an, lädt jedes Jahr am ersten Augustwochenende zur Kerwa mit einem kulturellen Höhepunkt, den heuer der Auftritt von Stefan Kügel darstellt. Seit das Dorfhaus in Betrieb ist, gibt es auch immer wieder Spiele- und Videoabende für Jung und Alt.

Womit wir wieder bei den Visionen wären: "Es gibt schon genug Dörfer, in denen viele Häuser leerstehen", findet Schriftführer Martin Ruff. Der Vorstand des Dorfvereins, zu dem auch noch Zweite Vorsitzende Marita Römer, Kassierin Erika Kohlberger und Jugendbeauftragter Markus Römer gehören, will solche Zustände in Frickenhöchstadt verhindern. "Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass man auch in einem kleinen Ort etwas bewegen kann", erklärt Herbert Merkel.

Er hofft, dass die jungen Leute, die hinaus in die Welt ziehen, eines Tages wieder mit Familie in ihr Heimatdorf zurückkehren. Aber auch Neubürger wären jederzeit willkommen, einen Bauplatz werde man schon finden, sagt der Macher des Dorfvereins.

Ein paar kleinere Visionen sind sogar schon Wirklichkeit geworden. Der Kontakt zu umliegenden Dörfern habe sich verbessert, beispielsweise hat sich die Dorfjugend gut mit den Jugendlichen aus dem benachbarten Warmersdorf angefreundet, man trifft sich im Frickenhöchstadter Dorfgemeinschaftshaus zum Billard spielen oder Kickern oder besucht sich gegenseitig zur Kerwa.

Die Mitgliederzahl des Dorfvereins Frickenhöchstadt und Umgebung habe sich von 34 bei der Gründung auf derzeit 64 schon fast verdoppelt, und davon kommen rund 20 nicht aus Frickenhöchstadt. Obwohl das für Herbert Merkel noch nicht genug ist: "100 Mitglieder sollen es in meiner Amtszeit noch werden", sagt er und meint das auch ein bisschen ernst.

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