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Herzogenaurach
Gericht

Freiheitsstrafe nach Gewaltausbruch auf der Bergkirchweih

Ein paar Maß Bier und schon werden aus arglos Feiernden Gewalttäter oder Opfer: Immer wieder ist auch die Erlanger Bergkirchweih Schauplatz von Gewalt.
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Kirchweihen und andere Volksfeste gehen in der Regel mit hohem Alkoholkonsum einher. Manch einer hat sich nach ein paar Maßen oder Schnäpsen dann nicht mehr unter Kontrolle, wird enthemmt, im schlimmsten Fall aggressiv. Die Erlanger Bergkirchweih macht hier natürlich keine Ausnahme. Und so kam es, dass sich gestern zwei junge Männer aus Herzogenaurach und Weisendorf vor dem Erlanger Amtsgericht wieder sahen.

Auf der Anklagebank saß ein 23-Jähriger, als Zeuge sagten der 19-jährige Geschädigte und sein 18-jähriger Kumpel aus. Im Großen und Ganzen berichteten alle drei dasselbe: der 23-Jährige hatte dem 19-Jährigen an einem Abend der Erlanger Bergkirchweih seine Faust dermaßen ins Gesicht gedonnert, dass er Prellungen, ein Schleudertrauma sowie Schäden an den Zähnen davon trug. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und mögliche Spätfolgen für die Schneidezähne inklusive. "Ich lag vier Tage im Bett, war eine Woche krank geschrieben."

Dabei scheinen sich die jungen Leute kurioserweise nicht einmal zu kennen. Laut dem Angeklagten war eine kleine Schubserei einige Wochen zuvor bei einer Feier an Christi Himmelfahrt voraus gegangen. "Das war meine erste Begegnung mit ihm." Am Bergsonntag sei der 19-Jährige dann wieder "zügig" auf ihn zugekommen und er habe "reflexartig" zugeschlagen. "Dann bin ich aber weggerannt, weil ich Angst vor einer Schlägerei hatte." Es sei natürlich blöd gewesen. Er habe jedoch gedacht, dass der andere auf ihn losgehen wolle.

Der Geschädigte und sein Kumpel hingegen sagten aus, dass der Schlag "aus dem Nichts heraus" beim Umdrehen gekommen sei. "Ich hatte Gläser in der Hand, die ich fallen ließ. Dann ist auch schon das Blut gelaufen", berichtete der Heranwachsende. Er sei weder auf den anderen zugelaufen, noch habe es die vom Angeklagten beschriebene Auseinandersetzung gegeben. "Ich habe ihn auf der Bergkirchweih zum ersten Mal gesehen - oder zumindest bewusst wahrgenommen."

Beide jungen Männer hatten getrunken, waren nach eigenen Angaben jedoch noch Herr ihrer Sinne.

Trotzdem sprach Richter Hagen Förster dem Angeklagten eine gewisse "Enthemmung" zu. "Wenn jemand wegen so etwas zum ersten Mal hier sitzt, kann man das als strafmindernd bewerten."

Außerdem sei er zumindest teilgeständig, weil er den Schlag selbst ja nicht bestritten habe. Was die Vorgeschichte angehe, "gehe ich zu Ihren Gunsten davon aus, dass irgendetwas gewesen ist - was auch immer". Trotzdem rechtfertige das nicht ansatzweise einen derartigen Gewaltausbruch. "Es gibt keinen Reflex, dass die Faust hoch zuckt und einem anderen ins Gesicht kracht." Immerhin sei er noch nicht vorbestraft und habe sich entschuldigt - wenn auch etwas spät. In seinem letzten Wort hatte sich der Angeklagten ausdrücklich persönlich beim Opfer seines Faustschlags entschuldigt. "Es tut mir wirklich leid. Das wollte ich nicht."

"Höchste Stufe"

Trotzdem: Ein Faustschlag ins Gesicht sei die höchste Stufe der Gewalt ohne Waffe. "Zudem völlig grundlos gegenüber einem arg- und wehrlosen Opfer." Der 19-Jährige habe den Schlag nämlich weder kommen sehen, noch habe er sich mit den Händen voller Gläser irgendwie schützen können. Auch die "nicht unerheblichen Folgen" wirkten sich strafverschärfend aus, weshalb Förster den jungen Mann zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilte. Während der Bewährungszeit von drei Jahren verhängte Förster ein Bergkirchweih-Verbot. "Zum Schutz der Allgemeinheit und zu Ihrem eigenen Schutz - wenn Sie solche Reflexe haben." Hinzu kommen Geldauflagen: Der Angeklagte muss 1000 Euro an den Geschädigten sowie 2500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. "Eine Bewährungsstrafe soll schließlich kein Selbstläufer sein." Ein mögliches Zivilrechtliches Verfahren werde damit jedoch nicht blockiert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger fand eine Freiheitsstrafe trotz allem unverhältnismäßig. Er hatte eine Geldstrafe gefordert.